Neuer Chef schon wieder vor dem Absprung
Härtere Zeiten bei Dorint

Die Krise der Hotelkette Dorint gefährdet den Fondsinitiator Herbert Ebertz und seine Anleger.

Es wirkte wie ein böses Omen. Während am Montag vergangener Woche Manager der Dorint AG im 16. Stock des Düsseldorfer Stadttor-Gebäudes bei ihrer Bilanzpressekonferenz unerfreuliche Zahlen freundlich interpretierten, wurde ein paar Etagen darunter über die Rettung von Babcock verhandelt. Beides vergebens. Babcock ist insolvent, Dorint steckt in einer existenziellen Krise - und damit auch der Kölner Fondsinitiator Dr. Ebertz & Partner. Das Unternehmen hat zwei Drittel der derzeit 89 Dorint-Hotels über geschlossene Immobilienfonds mit dem Geld privater Anleger finanziert.

Herbert Ebertz ist einer der Großen in der Fondsszene. Ihm vertrauten 12 700 Anleger - Mindesteinlage 250 000 Euro - mehr Geld an als jedem anderen in der Branche: 4,2 Milliarden Euro in 32 Jahren. Mit knapp der Hälfte dieser Summe baute er Dorint-Hotels, der Rest wanderte in Büros und Einkaufszentren. Viele der Investoren sind treue Ebertz-Fans, etwa Altfußballer Uwe Seeler, der unter anderem am noblen Dorint Söl'ring Hof auf Sylt beteiligt ist.

Vertraut haben die Anleger auf die scheinbar segensreiche Personalunion von Fondsinitiator, Fondszeichner und Hotelier. Denn Ebertz hat in dem Geflecht aus Unternehmen und Geldströmen viele Funktionen: Er entwickelt Ideen für einen neuen Dorint-Standort, entwirft dann mit seiner Firma Ebertz & Partner einen geschlossenen Immobilienfonds. Daran beteiligen sich nicht nur die Anleger, sondern auch er selbst mit bis zu 33 Prozent. Dann verpachtet er als Geschäftsführer der Fondsgesellschaft das fertige Hotel an Dorint - deren Aufsichtsratschef und Hauptaktionär mit 39 Prozent er ist. Verhandelte Ebertz auf diese Weise mit sich selbst über die Pacht, waren Interessenkonflikte kaum zu vermeiden.

Das ging lange gut. Doch jetzt schlittern alle Beteiligten - Dorint, Anleger, Ebertz - zusammen in die Krise. Im Juni brauchte Ebertz & Partner dringend Geld, unter anderem um Vertriebspartner, die neue Anlegergelder akquirieren sollen, Provisionen zu bezahlen. Die Kreissparkasse Köln und die Stadtsparkasse Köln liehen der Gesellschaft 20 Millionen Euro.Dafür musste Ebertz einen großen Teil seiner privaten Dorint-Aktien und Immobilienbesitz als Sicherheit hinterlegen.

In der Mönchengladbacher Dorint-Zentrale drohte schon Ende 2001 die Zahlungsunfähigkeit: Die Dresdner Bank lehnte eine Verdopplung des Kontokorrentkredits auf 25 Millionen Mark nicht nur ab, sondern setzte den Dispo der Hotelkette am 27. Dezember radikal auf null. Bis Silvester, also vier Tage, hatte Dorint Zeit, das Minus auf dem Konto auszugleichen. Damit sie das Unternehmen weiter finanzieren, erzwangen fünf Kreditgeber unter Führung der Postbank eine Kapitalerhöhung um 20 Millionen Euro, die die Hauptversammlung im August beschließen soll. Immerhin: Die neuen Dorint-Aktien sind, obwohl die Altaktien im Telefonhandel von 110 auf zeitweise 70 Euro einbrachen, schon überzeichnet. Ebertz allerdings muss bei der Kapitalerhöhung wohl mangels Masse passen.

Dorint schreibt rote Zahlen - im vergangenen Jahr ein Minus von 6,4 Millionen Euro. Die Auslastung sank 2001 von gut 60 auf 57,6 Prozent. Mehrere Manager mussten gehen. Ursache der Krise sind die fatale Expansion nach Ostdeutschland in den Neunzigerjahren, der sündhaft teure Einstieg in die Luxusklasse, Buchungseinbrüche nach dem New Yorker Terroranschlag und der konjunkturbedingte Rückgang des Seminargeschäfts. Schuld an der Misere sind aber auch hohe Fixkosten durch die Nähe von Finanzierungsgesellschaft und Hotelkonzern. Schon im Herbst 2001 wollte der damalige Dorint-Finanzchef Werner Pauen Pachtverträge zu Lasten der Fonds nachverhandeln, wurde aber eiligst gefeuert. Obwohl etwa die Dorints in Gera, Chemnitz, Leipzig und Halle laut Ebertz seit Jahren "stattliche Verluste" abwerfen, zahlen sie ihre Pacht "pünktlich".

Den Kreditgebern reißt deshalb der Geduldsfaden. Ebertz bestätigt, Bankenvertreter seien zu ihm gekommen "und haben gesagt: Sie müssen die Pacht nachlassen". Das will er nicht: Sonst "bin ich mein Image los".

Der joviale Rheinländer behauptet, auf die Höhe der Pacht bei Dorint kaum Einfluss genommen zu haben. Das glauben nicht einmal die Banken. Sie wollen nun den Filz zwischen Fonds und Hotels entflechten. So muss der "Betten-Boomer" ("Manager Magazin") bei der Dorint-Hauptversammlung am 16. August seinen Aufsichtsratsvorsitz abgeben, um, wie er sagt, "Spekulationen über Interessenkollisionen" aus dem Weg zu gehen. Gleichzeitig ersetzen die Banken fünf Aufsichtsräte durch Leute ihres Vertrauens. Ebertz darf bleiben. Aber bei Hauptversammlungen übt jetzt ein Treuhänder die Stimmrechte des 61-Jährigen und anderer Ebertz-treuer Aktionäre aus, bis die Junikredite zurückgezahlt sind. Überraschung: Der neue Dorint-Vorstandssprecher Michael Theim, der erst in diesem Jahr Vorgänger Alfred Weiss abgelöst hat, geht schon wieder. Der alte Ebertz-Spezi wird das Unternehmen, sagt er, spätestens Ende 2002 verlassen und trägt so zur Entflechtung bei. Denn Theim ist mit einigen Millionen Euro an Ebertz-Fonds beteiligt.

Für Dorint ist die Strategie der Banken gut, für Ebertz-Anleger aber brechen dadurch härtere Zeiten an. Wehren können sich die Fondszeichner kaum. Denn sonst drohen die Banken den Geldhahn für Dorint zuzudrehen - und mit einem insolventen Pächter fahren die Investoren auch nicht besser. Denn sinkt die Pacht, drohen die Ausschüttungen zu sinken oder ganz auszufallen. Zudem verliert bei niedrigerer Pacht die Immobilie und damit der Rückkaufswert der Fondsanteile an Wert.

Quelle: WirtschaftsWoche

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