Neuer Chef setzt auf stärkeres Engagement im Breitband-Internet
AOL Deutschland stellt Kosten auf den Prüfstand

Beim Internetanbieter AOL Deutschland GmbH, kommen in den nächsten Monaten "alle Kosten auf den Prüfstand". Das kündigte der am Mittwoch ernannte Deutschland-Chef Stanislas Laurent gegenüber dem Handelsblatt an.

FRANKFURT. Auch einen möglichen Personalabbau wollte Laurent "zu diesem Zeitpunkt nicht vollkommen ausschließen". An erster Stelle der Unternehmensziele stehe es, die Weichen für ein Erreichen der Gewinnzone zu stellen. Dabei wird laut Laurent "jeder einzelne Ausgabeposten, einschließlich der Marktingaufwendungen" vom Management geprüft werden.

AOL ist Deutschland mit rund drei Millionen Abonnenten der zweitgrößte Internetanbieter nach T-Online und beschäftigt rund 1 400 Mitarbeiter. Für die AOL Deutschland GmbH veröffentlicht AOL keine Ergebnisse. Branchenkenner schätzen jedoch den Anteil der deutschen AOL Tochter auf "auf einen dreistelligen Millionenbetrag". In Europa hat AOL im vergangen Jahr rund 800 Mill. $ Verlust erwirtschaftet. Laut Vorgaben aus den USA soll das Management von AOL Europe die Verluste in diesem Jahr um 50 % reduzieren.

Keine leichte Aufgabe auch für den neuen Geschäftsführer von AOL-Deutschland, Stanislas Laurent, der am Mittwoch den Chefsessel von von Uwe Heddendorp übernommen hat. Heddendorp verlässt AOL nach Angaben des Unternehmens "auf eigenen Wunsch" und übernimmt eine Führungsaufgabe bei einem anderen Unternehmen. Der gebürtige Franzose Stanislas Laurent hat bereits Mitte der neunziger Jahre den französischen Dienst von AOL aufgebaut. Zuletzt leitete er in der Londoner Zentrale von AOL Europe die Aktivitäten im Bereich Breitbandinternet, bei dem durch Hochgeschwindigkeitszugänge zum Internet as schnelle Herunterladen von Filmen oder Musik möglich wird.

Besonders in Deutschland sind die schnellen DSL-Internetverbindungen im europäischen Vergleich am weitesten verbreitet. Allein die Deutsche Telekom hat nach letztem Stand inzwischen 2,7 Mill. DSL-Anschlüsse vermarktet, davon 1,5 Mill. Anschlüsse allein im letzten Jahr. AOL nutzt dabei wie der größere Konkurrent T-Online bislang die DSL-Technologie der Deutschen Telekom für die Vermarktung der DSL-Anschlüsse. "Dieser Markt ist auch für AOL ein wichtiges Wachstumsfeld", sagte Laurent. Bislang hat AOL in Deutschland lediglich 150 000 DSL-Internetzugänge vermarkten können. Bei Konkurrent T-Online liegt diese Zahl mehr als zehnmal so hoch.

Die amerikanische Muttergesellschaft AOL Time Warner war in den letzten Monaten immer wieder durch den Verdacht unsauberer Bilanzierung von Online-Werbeumsätzen und einem regen Wechsel an der Spitze des Managements in negative Schlagzeilen geraten. Doch trotz Turbulenzen schreibt die Internetsparte AOL schwarze Zahlen. Anfang September bezifferte AOL Time Warner seine Erwartungen für den Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) auf 1,7 bis 1,8 Mrd. $. Weltweit ist AOL mit rund 35 Millionen Kunden der größte Internetdienst der Welt.

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