Neuer Chef setzt auf Wachstum durch Breitband - Verwaayen will 25 Prozent mehr Gewinn pro Jahr erzielen
Der neuen BT-Strategie fehlt der Pep

Der neue BT-Chef setzt auf alte Mittel: Ein radikaler Sparkurs und Breitband-Technologie sollen den Telekomkonzern fit machen. Vor allem um die Zukunft der Sparte BT Ignite muss gezittert werden - auch in Deutschland.

LONDON. Der neue Chef der BT Group Plc, Ben Verwaayen, will die Verschuldung des britischen Telekomkonzerns in den kommenden drei Jahren um weitere drei Mrd. £ (fast 5 Mrd. Euro) senken und den Gewinn pro Aktie um 25 % pro Jahr steigern. Neben dem Abbau von Tausenden von Arbeitsplätzen soll der Ausbau des Breitbandnetzes in Großbritannien den Erfolg bringen. Auf den Prüfstand kommt auch das verlustreiche Europa-Geschäft von BT Ignite, der Festnetzsparte für Geschäftskunden. Bis Ende 2003 müsse Ignite überall profitabel sein, so Verwaayen, "oder das Geschäft wird dicht gemacht."

In Deutschland soll die Mitarbeiterzahl bei BT Ignite um weitere 300 Stellen auf 1 100 Beschäftigte reduziert werden, bestätigte das Unternehmen gestern. Vor allem nach den hohen Kosten für den Erwerb von UMTS-Lizenzen leiden europäische Telekomkonzerne wie BT unter Milliardenschulden. Mitte 2005 würden die Verbindlichkeiten bei dem britischen Unternehmen wieder unter 10 Mrd. £ liegen, kündigte Verwaayen an. Noch vor einem Jahr hatte die Schuldenlast des Konzerns fast das Dreifache betragen. Durch die Abspaltung des Mobilfunkgeschäfts, das heute unter MMO2 firmiert, und den Verkauf zahlreicher Beteiligungen hatte BT eine Pleite abwenden können.

Der Niederländer Verwaayen, der im Januar die Nachfolge von Peter Bonfield an der Spitze des ehemaligen Monopolunternehmens übernommen hat, sieht im Ausbau des Breitband-Netzes "den einzig richtigen Weg" zur wirtschaftlichen Gesundung. Die Zahl der BT-Breitbandkunden steigt nach seinen Angaben pro Woche bereits um rund 10 000 Nutzer. Allerdings hat der Konzern bislang nur 136 000 Breitbandkunden, während die Deutsche Telekom beispielsweise mehr als zwei Millionen Haushalte bedient. Schon in einem Jahr will auch Verwaayen im Breitbandgeschäft die Millionenmarke erreichen. Spekulationen, BT könne in das Fernsehgeschäft einsteigen, erteilte Verwaayen eine Absage: "Wir konzentrieren uns darauf, was wir können." Allerdings werde das Breitbandangebot zur Verknüpfung von Computer, Telefon und Fernsehen führen.

Durch das geplante Kundenwachstum soll der BT-Umsatz nach Verwaayens Drei-Jahres-Plan zwischen 6 und 8 % jährlich zulegen. Bereits für das laufende Geschäftsjahr, das Ende März 2003 endet, will BT wieder eine Dividende zahlen. Der Konzern will seine Kosten um etwa 375 Mill. £ (612 Mill. Euro) senken. Dafür sollen 5 000 bis 6 000 Stellen pro Jahr gestrichen werden. Die BT Group hat zurzeit weltweit 108 000 Mitarbeiter. Bonfields Trennung der BT-Geschäftsfelder in vier eigenständige Sparten (Firmenkunden, Internet-Massengeschäft, Festnetzkunden in Großbritannien, Netzvermietung) will Verwaayen wieder stärker zusammenführen. "Wir sind ein integriertes Telekom-Unternehmen", so sein Credo. Abspaltungen seien nicht mehr geplant. Der BT-Chef: "Es wird keine weiteren Börsengänge geben."

Analysten äußerten sich gestern zurückhaltend über die Strategie. Einige halten die Wachstumsprognosen für zu optimistisch. Anderen fiel Verwaayens Kurs nicht radikal genug aus. Im Grundsatz sei der BT-Ausblick zu begrüßen, so Mark James von Nomura, "aber wenig davon ist wirklich neu." Diese Einschätzung bestätigte die BT-Aktie: Der Kurs sank um 3,5 %.

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