Neuer Chef von Fujitsu Siemens
Von Hammerstein: Stabwechsel in schwieriger Zeit

Sein Vorgänger hat Europas größten Computerhersteller aus der Verlustzone geführt. Adrian von Hammerstein muss jetzt für nachhaltige Gewinne sorgen.

MÜNCHEN. Es gibt gewiss bessere Zeiten, um Boss einer Computerfirma zu werden: Als Adrian von Hammerstein am ersten Dezember auf den Chefsessel von Fujitsu Siemens Computers (FSC) rückte, ging gerade eines der schlechtesten Jahre der Branche zu Ende.

"Das Umfeld ist sehr schwierig", hat sich der 48-jährige von Hammerstein von Anfang an auf starken Gegenwind an der Spitze von Europas größtem Computerbauer eingestellt. Der gelernte Volkswirt weiß, dass eine Herkulesaufgabe vor ihm liegt. Kaum jemand in der Branche geht davon aus, dass sich die trostlose Situation vor der zweiten Jahreshälfte grundlegend bessern wird.

Sicher, Paul A. Stodden, von Hammersteins Vorgänger auf dem Chefposten bei FSC, hat das 1999 gegründete deutsch-japanische Gemeinschaftsunternehmen mit offiziellem Sitz in den Niederlanden aus der Verlustzone geführt und für einen Stimmungsumschwung gesorgt. Aber ein Gewinn von drei Millionen Euro, den FSC zur Mitte des Geschäftsjahres 2001/2002 (31. März) erwirtschaftet hat, ist in der hart umkämpften Branche wahrlich kein Ruhekissen.

Immerhin: Dass mit von Hammerstein ein interner Kandidat Nachfolger Stoddens - der bei Siemens Business Services eine neue Sanierungsaufgabe übernommen hat - wurde, gilt im Unternehmen als Zeichen der Normalisierung. Die Zeiten zweistelliger Millionenverluste, ungelöster Integrationsprobleme und ständiger Grabenkämpfe in der Führungsspitze sind wohl vorbei.

Von Hammerstein hat eine Basis vorgefunden, auf der er aufbauen kann. Der gebürtige Berliner ist von Anfang an dabei, kennt also Stärken und Schwächen der Firma. Sein Ziel ist klar gesteckt: "Die strategische Ausrichtung umsetzen" und vor allem aber profitabler werden. Das gilt insbesondere für das Geschäft mit Privatkunden, wo FSC unverändert rote Zahlen schreibt.

Der Wechsel vom Posten als Finanzvorstand auf den Sessel des Vorstandsvorsitzenden ist von Hammerstein offenbar leicht gefallen: "Ich habe mich schon immer stark mit den Kunden beschäftigt." Als reiner Kassenwart habe er sich nie gesehen.

Im Gegenteil: Von Hammerstein kennt sich im Finanzbereich ebenso aus wie auf der technischen Seite. Seine Karriere startete er 1981 bei der Bayerischen Hypotheken- und Wechselbank. Nach dem Wechsel in die Computerindustrie war er erst für Finanzprodukte, später direkt für den Finanzbereich zuständig. Den Sprung von der Citibank zu Digital Equipment im Jahr 1986 hat er nie bereut. "In der Computerindustrie war Aufbruchstimmung", erinnert er sich, "da ging die Post ab."

Diese Dynamik hat sich von Hammerstein bis heute erhalten. Trotz der schwierigen Lage in der Informationstechnologie strahlt der Wahl-Münchner eine Zuversicht aus, die fast schon ansteckend wirkt.

Der Optimismus zeigt sich auch im Privatleben des verheirateten Familienvaters. "Vor drei Jahren habe ich gemeinsam mit meinem Sohn angefangen, Snowboard zu fahren", erzählt von Hammerstein begeistert. Dass die meisten anderen Snowboarder mindestens dreißig Jahre jünger sind als er, scheint den sportbegeisterten Manager nicht zu stören.

Mit Inline-Skaten hat er sich sogar einem weiteren Vergnügen der Jugend verschrieben. Weil die Zeit knapp ist, steht der FSC-Chef schon frühmorgens auf den Rädern: "Im Sommer komme ich gerne mit dem Rad oder den Rollerblades ins Büro", dass sich auf dem Siemens-Gelände in Neuperlach, im Süden Münchens, befindet. Und lächelnd fügt er hinzu, dass "Golfen zwar ungeheuer wichtig" sei, er aber diesen Sport noch nicht für sich entdeckt habe.

Während Vorgänger Stodden für den Sonntagsausflug gerne einen Sportwagen benutzt, setzt von Hammerstein auf die Familienkutsche VW-Sharan: "In einen Porsche kriegen Sie die Ski nicht rein" , nennt er ganz praktische Gründe. Das Wochenende ist für die Familie reserviert. Im Winter geht es dann von München aus in die nahen Berge, am liebsten ins österreichische Zillertal.

Dienstlich muss von Hammerstein die geliebten Alpen bisweilen weit hinter sich. Regelmäßig fliegt er nach Japan. Dem Elektronikkonzern Fujitsu gehört die Hälfte des Unternehmens. Der Harvard-Absolvent trifft sich jedoch nicht nur mit Großkopferten: Wann immer es geht, unterhält er sich mit seinen Mitarbeitern: "Schließlich will ich wissen, was los ist."

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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