Neuer Coach wirkt in Öffentlichkeit noch ungelenk
Hörsters Masche: Mit Rhythmus und Psychologie aus der Krise

Mit veränderten Trainingsmethoden und eiserner Disziplin hat sich Thomas Hörster nach seiner ersten Arbeitswoche mit den Profis von Bayer Leverkusen schon die nötige Akzeptanz verschafft. "Ich habe den Draht zur Mannschaft", sagte der von Geschäftsführer Reiner Calmund als "Ekelpaket" angekündigte Nachfolger von Klaus Toppmöller.

HB/dpa NEWCASTLE. Nach den ersten fünf Übungseinheiten habe man zwar noch nicht so intensiv arbeiten können, meinte der langjährige Juniorencoach. Aber mit ein wenig Abwechslung im Trainingsalltag hat der 46 Jahre alte Fußball-Lehrer offenbar die Profis erreicht.

Die staunten nämlich nicht schlecht, als ihr neuer Chef nach der Amtsübernahme zunächst einmal zum Tänzchen bat. Mit Musik und einer Aerobic-Lehrerin begann die ungewöhnliche Trainingseinheit der Profi- Kicker. Hörster versuchte es mit Tae-Boe, einem ausgewogenen Ganzkörpertraining nach asiatischem Vorbild und ließ durch einen Sportpsychologen Atemtechniken zur Entspannung vorführen. Bei der Videoanalyse nach dem 1:3 gegen Newcastle im Hinspiel mussten sich die Akteure zu ihren eigenen Fehlern äußern. "Das hat gegriffen. Da sind die Köpfe schon freier geworden. In der Mannschaft wurde es auch lauter", befand der Coach.

Die Spieler haben schnell erkannt, dass sich in puncto Ton und Umgang eine Menge geändert hat. "Er nimmt kein Blatt vor den Mund und sagt klar, was Sache ist und was ihm nicht passt", sagt Mittelfeldspieler Hanno Balitsch. Nationalspieler Carsten Ramelow: "Er legt sehr viel Wert auf Disziplin und versucht Ordnung reinzubekommen." Auch Geschäftsführer Reiner Calmund, der Hörster seit über 25 Jahren kennt und schätzt, ist vom Stil des neuen Cheftrainers angetan: "Er ist rustikal, hart, aber herzlich und so begegnet er auch den Spielern."

Im Scheinwerferlicht auf der internationalen Bühne im ungewohnten Clubanzug wirkt der früher so elegante Libero allerdings noch etwas ungelenk. Seine öffentlichen Analysen fallen kurz und knapp aus, in Pressekonferenzen referiert er nicht, sondern lässt nur Fragen zu. Den Champions-League-Trip nach Newcastle hätte sich der Trainer gerne erspart. "Ich wäre lieber in Leverkusen geblieben und hätte dort mit der Mannschaft gearbeitet. Das wäre in unserer Verfassung das Beste gewesen", sagt der Trainer, dessen Arbeit durch eine Reihe von verletzten Spielern vor allem in der Champions League erschwert wird.

Ob der zunächst bis Saisonende beförderte Bayer-Coach auch über die Saison hinaus erste Wahl bleibt, hängt nach Meinung von Thomas Hörster einzig und allein vom Erfolg ab. Sicher ist nur, dass er auf keinen Fall solange wie Newcastles Trainer Sir Bobby Robson auf der Bank sitzen wird. "Nach den acht Tagen hier hoffe ich, mit 70 Jahren nicht mehr Trainer zu sein".

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