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Neuer Computervirus „Mawanella“ breitet sich in Europa aus

Ein neuer Computer-Wurm breitet sich derzeit über Massenmailings in Europa aus. Dies teilte das globale Netzwerk von Antiviren-Forschungszentren "Trend-Labs" am Donnerstag mit. Bereits über 50 Unternehmen seien in Deutschland von dem vermutlich aus Sri Lanka stammenden Virus befallen worden.

bue/ddp DÜSSELDORF. Der Wurm sei an der Betreff-Zeile "Mawanella" erkennbar, das Attachment habe die Bezeichnung "Mawanella.vbs". Der Computer-Virus verschicke sich über die Massenmailing-Funktion von E-Mail-Programmen selbstständig an die in den Mailinglisten aufgeführten Adressate. In der E-Mail steht nach Angaben des Antiviren-Unternehmens Trend Micro der Text: "Mawanella is one of the Sri Lanka's Muslim Village. This brutal incident happened here 2 Muslim Mosques & 100 Shops are burnt. I hat this incident, What about you? I can destroy your computer. I didn't do that because I am a peace-loving citizen."

Raimund Genes, Geschäftsführer von Trend Micros-Deutschland, äußerte sich besorgt über das Verhalten der Computernutzer. Einmal mehr zeige die rasche Verbreitung dieses neuen Viruses, das Computernutzer trotz des Ausbruchs des Computervirus "Homepage" in der vergangen Woche weiterhin verdächtige E-Mails öffneten.

Ursache: Internet-Entwicklung und Programmierer-Mentalität

Neben den Anwendern sieht Eric Chien, Leiter des europäischen Viren-Labors des Software-Herstellers Sumantec die Ursachen für die schnellere und weitere Verbreitung von Computerviren in der Entwicklung des Internets. Noch vor einigen Jahren seien die schädlichen Computerprogramme vor allem über den Austausch von Disketten transportiert worden.

Chien zufolge hat sich gleichzeitig auch die Art der Viren und ihrer Programmierer geändert. Brauchte man vor einigen Jahren noch gute Kenntnisse einer Programmiersprache, so reiche heute ein Virengenerator aus, um einen schädlichen oder sogar zerstörerischen Visual Basic Skript Virus zu schaffen. Viren wie "Annakurnikova" oder "Homepage" seien in dieser Skriptsprache fast in normalem Englisch geschrieben. Programmiert würden sie oft von sehr jungen so genannten "Skript-Kids", die meist gar nicht wüssten, was sie mit den Viren anrichten können. Ein Beispiel sei der junge Niederländer, der vor einigen Wochen den Annakurnikova-Wurmvirus in Umlauf gebracht hatte.

Software-Monokultur begünstigt "Erfolg" von Virus-Entwicklern

Darüber hinaus sei auch die Monokultur aus Microsoft Betriebssystem und Software auf den meisten Desktop-PCs hilfreich für den vermeintlichen Erfolg der Programmierer. Ein Computervirus verhalte sich nicht anders ein Schädling in der Landwirtschaft, der in Gebieten mit einseitigem Anbau schlimmere Schäden anrichten kann.

Verbreitung von Viren hat viel mit Sozialverhalten der User zu tun

Computerviren verbreiteten sich besonders gut, wenn das Sozialverhalten (Social Engeneering) der Empfänger angesprochen werde, so Chin weiter. Menschen bekämen gerne Liebesbriefe oder seien neugierig, wenn sie freizügige Fotos erwarteten. So habe es vor "I love you" einen anderen Wurmvirus gegeben, der den Anwender aufforderte, ein Passwort auf einer Porno-Internetseite zu hinterlassen. Weil jedoch kaum jemand ein Interesse daran hatte, konnte sich der Schädling nicht weit verbreiten. Der Programmierer von "I love you" habe vermutlich sogar einen Teil dieses Virus benutzt. Rasant verbreitet habe er sich nicht, weil er besser programmiert war, sondern weil Menschen gerne Liebesbriefe bekommen.

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