Neuer deutscher Literaturpreis
Krach um "Bücher-Oscar" schon vor der ersten Vergabe

Im Streit deutscher Verlage um einen oder gleich zwei neue populäre Literaturpreise ist der Plan einer doppelten Preisverleihung, in Leipzig und in München, überraschend gescheitert.

dpa FRANKFURT. Nach einem Veto aus den Reihen der Sponsoren bestätigte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Dienstag in Frankfurt, dass er als Veranstalter nur noch den in Leipzig geplanten "Deutschen Bücher Preis" weiter verfolge. Dieser "Bücher- Oscar" soll - in sieben Kategorien - erstmals im Frühjahr 2002 zur Leipziger Buchmesse im Rahmen einer Fernseh-Gala im Gewandhaus oder in der Leipziger Oper verliehen werden.

Die Abgeordnetenversammlung des Börsenvereins hatte erst Mitte März - nach der Ankündigung eines "Bücher-Oscars" und eines daraufhin entbrannten Streits unter Verlegern um eine Ausrichtung in Leipzig oder München - einen Kompromissvorschlag zur Güte gemacht. Danach sollte neben der großen TV-Gala in Leipzig zusätzlich jeweils im Winter ein "Internationaler Buchpreis München", ebenfalls mit TV- Übertragung, vergeben werden. Die Zusagen der jeweiligen Sender für eine Übertragung im Dritten Programm lagen vor, die Finanzierung in München wollte der Börsenvereinsvorstand aber noch erarbeiten. Die Preis-Dotierung blieb in beiden Fällen ebenfalls noch offen.

Geldgeber wollten keinen zweiten Preis finanzieren

Nun ließ der in einer Finanzkrise steckende Börsenverein die Doppellösung fallen. Sie sollte eigentlich im Juni beim großen Verbandstreffen in Würzburg auf Vorschlag von Börsenvereins- Vorsteher Roland Ulmer endgültig verabschiedet werden. Was der Branchenverband vor zwei Wochen noch "mit überwältigender Mehrheit" als eine "tolle Lösung" bei der "Neupositionierung des Buches auch im Unterhaltungssektor" ansah, fiel nämlich im Sponsorenkreis - das sind die Verlagshäuser Holtzbrinck und Random House Deutschland sowie die Stiftung Ravensburger Verlag - durch. Noch einen zweiten Preis zu finanzieren, stieß bei den Geldgebern auf "klare Ablehnung". Dem Vernehmen nach steuern sie ohnehin schon eine beachtliche sechsstellige Summe bei.

Die Sponsoren machten sogar unmissverständlich klar, dass sie im Falle eines zweiten vom Börsenverein ausgerichteten Preises generell den Rückzug antreten würden - auch für Leipzig. Angesichts dieser Konstellation sah sich der Börsenvereinsvorstand jetzt nicht mehr in der Lage, ein Finanzierungskonzept für München Preis vorzulegen. Wie Börsenvereinssprecher Eugen Emmerling am Dienstag versicherte, steht aber ist die Finanzierung des Preises in Leipzig.

Die Verlagsgruppe Random House (München) ließ zuvor keinen Zweifel, die Sponsorenschaft (mit 130 000 DM) sofort aufzugeben, wenn der Preis gesplittet werde. Man müsse alle Kräfte bündeln, um mit einer Veranstaltung - gleich ob in München oder Leipzig - ein "kraftvolles Buchmarketing" zu erreichen. Nur ein Preis habe die Chance, wirklich wahrgenommen zu werden. Als "wenig sinnvoll" bezeichnete auch der Holtzbrinck Verlag (Stuttgart) die Doppellösung. "Auch wir hätten uns gegen ein Splitting ausgesprochen und sind froh über die Einigung", hieß es bei der Stiftung Ravensburger Verlag. Erleichterung herrschte auch in Leipzig: "Wir freuen uns sehr, dass der Börsenverein voll hinter Leipzig steht", meinte Projektleiter Oliver Zille von der dortigen Buchmesse.

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