Neuer Filmriese entsteht
Vivendi will sich von UCI trennen

Der Medienkonzern Vivendi Universal S.A. führt nach Handelsblatt-Informationen Gespräche über einen Verkauf seines 50-Prozent-Anteils an der UCI UCI-Kinokette. ist ein Joint Venture zwischen den zum US-Konzern Viacom Inc. gehörenden amerikanischen Paramount Studios und Vivendi Universal. Als Käufer soll nach Brancheninformationen aus Los Angeles die kanadische Investmentgesellschaft Onex Corp. bereit stehen.

HB DÜSSELDORF. Onex hat bereits zusammen mit der in Los Angeles ansässigen Oaktree Capital Management LLC für 320 Mill. $ einen 60 %-Anteil am angeschlagenen US Loews Cineplex Entertainment Corp. -Kinoriesen übernommen. Loews musste sich im vergangenen Jahr unter Gläubigerschutz nach Artikel 11 des US-Konkursrechts retten, konnte diesen mittlerweile jedoch wieder verlassen. Vivendi Universal selbst hatte im vergangenen Sommer einen 26 %-Anteil an Loews Cineplex abgestoßen.

Onex ist mit einem Umsatz von 24 Mrd. $ nach eigenen Angaben das viertgrößte kanadische Unternehmen, mit einem breiten Portfolio von der Auftragsherstellung elektronischer Geräte und Autoteile bis zur Produktion von Zucker. Das Unternehmen mit Sitz in Toronto hätte in UCI die ideale weltweite Ergänzung, um das fast rein amerikanische Loews-Geschäft abzurunden, heißt es in US-Filmkreisen. Loews betreibt in Amerika über 100 Multiplexkinos mit zusammen über 700 Leinwänden. UCI brächte über 1000 Leinwände in gut 120 Kinos außerhalb der USA hinzu. Weder Vivendi Universal noch Viacom oder UCI wollten die Verkaufsgerüchte kommentieren.

Jean-Marie Messier, Vorstandschef von Vivendi Universal, steht unter Handlungsdruck. Durch seine aggressive Expansionspolitik hat er Vivendi in eine schwierige Lage gebracht: Für das abgelaufene Geschäftsjahr weist der weltweit zweitgrößte Medienkonzern einen Jahresfehlbetrag von 13,6 Mrd. Euro aus, hauptsächlich wegen hoher Sonderabschreibung auf die Akquisitionen der vergangenen Jahre. Der Konzernumsatz betrug 57,4 (Vorjahr pro forma: 41,6) Mrd. Euro.

Doch am schwersten drückt die Schuldenlast, die zwischen 15 und 19 Mrd. Euro liegen soll. Messiers erklärtes Ziel ist es, diese Schulden nachhaltig zu senken. Das ist um so wichtiger, weil die Börsen nicht zuletzt seit dem Enron-Desaster in den USA und nun auch nach der Kirch-Pleite in Deutschland hochverschuldete Unternehmen sehr skeptisch betrachten. Vivendi war 2001 die Aktie mit den höchsten Kursverlusten im Pariser Börsenindex CAC 40. Der UCI-Verkauf könnte nach Marktschätzungen bis zu 500 Mill. Euro Einnahmen für Vivendi bedeuten, die erst jüngst die Verlagssparte VUP an die Cinven Group Ltd. für rund 1,55 Mrd. Euro verkauft hat.

Universal versucht seit 1999, UCI zu veräußern - bisher vergeblich. Auch jetzt sei nicht klar, ob der Verkauf gelingt, sagen US-Branchenkenner. Das könnte damit zusammenhängen, dass UCI-Partner Viacom kein Interesse am Verkauf hat. Andererseits könnte der Zeitpunkt jetzt von der Marktlage her günstig sein: Das Jahr 2001 war weltweit und auch im wichtigsten Kinomarkt USA ein Rekordjahr, und für 2002 wird ein neuer Rekord erwartet. Viele Kinobetreiber sind wie Loews durch harte Restrukturierungen gegangen und können mit deutlich verbesserter Kostenstruktur optimistisch dem Boom entgegensehen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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