Neuer Fonds setzt auf Umwelttechnologien
Öko-Titel sollen dem Sturm standhalten

Regenerative Energien sind nicht nur für Freunde des so genannten ethischen Investments interessant. Selbst der Ölkonzern Shell räumt ein, dass Wind-, Wasser- und Sonnenkraft in wenigen Jahrzehnten fossilen Energien den Rang ablaufen werden. Wie bei allen Wachstumsbranchen ist das Risiko hier jedoch hoch.

HB FRANKFURT. Die Investition in Umwelttechnologien hat sich vom Steckenpferd der Anti-Atomkraft-Aktivisten zum Erfolgstipp an der Börse gemausert. Zu den wenigen Neuemissionen, die sich bisher dem Abwärtsstrudel des Neuen Marktes entziehen konnten, zählen in erster Linie Öko-Titel wie Farmatic, ein Biomasse-Spezialist. Neben dem Regierungseinfluss der Grünen, tragen auch handfeste weltwirtschaftliche Prognosen zu der guten Stimmung für die Branche bei. Selbst Ölkonzerne rechnen damit, dass regenerative Energien den fossilen Brennstoffen in den kommenden Jahrzehnten den Rang ablaufen werden.

Mit dem von Union Investment im April aufgelegten Umweltfonds "Uni Sector Naturetech" sollen die Anleger an diesem Branchenwachstum teilhaben. Da dem Höhenflug oft Durststrecken folgen, rät Fondsmanager Thomas Deser jedoch nur langfristig orientierten Anlegern, die auf der Suche nach einer wachstumsstarken Fondsbeimischung sind, zum Kauf des Produktes.

Mindestens 51 % der Fondsgewichtung entfallen auf Unternehmen, die ausschließlich von Umwelttechnologien leben. Damit sind die in diesem Bereich forschenden Energiekonzerne im Vergleich zu den risikoträchtigen Firmen-Start-ups in Desers Fonds unterrepräsentiert. Breiter gefächert ist ein Konkurrenzprodukt von UBS: Der "Eco Perfomance"-Fonds investiert in die Gesellschaften, die innerhalb ihrer Branche die beste ökologische Leistung erbringen. Im Portfolio findet sich Unilever, obwohl sich der Lebensmittelkonzern nur in Teilbereichen der Ökologie verschrieben hat. Der Fonds hat eine Jahresperformance von minus 1,46 % (seit Jahresanfang: plus 1,19 %).

Doch die Anlage in renditeträchtige Wachstumssektoren wie der Umweltbranche birgt auch ein hohes Risiko. Das bekamen zuletzt nicht nur die Besitzer von Einzelwerten zu spüren: So hat der von Union Investment verwaltete "Uni Neue Märkte"-Fonds bis Ende Juni auf Jahresbasis einen Wertverlust von knapp 75 % zu beklagen. Der Neue Markt verlor im gleichen Zeitraum rund 70 %. Das heißt jedoch nicht, dass das Instrument der Risikostreuung vollständig versagte: Zahlreiche Einzelwerte, wie Intershop verloren im gleichen Zeitraum sogar mehr als 90 %.

Große Potenziale bei der Wasseraufbereitung und Windenergie

Während viele der an der Börse abgestraften Internet- und Softwareunternehmen bereits vor dem Platzen der Spekulationsblase für die kommenden Jahre Umsatzwachstum ohne Rücksicht auf Verluste angekündigt hatten, sind Desers Favoriten heute schon profitabel. Das größte Potenzial traut er den bereits marktreifen Technologien Wasseraufbereitung und Windenergie zu. Deshalb ist er unter anderem in dem MDax-Wert Wedeco engagiert. Die Papiere der auf die Wasseraufbereitung mittels UV-Licht spezialisierten Gesellschaft gelten auch als interessante Einzelaktien.

Die Analysten von Independent Research etwa sehen die Papiere mit 37,50 Euro zwar als fair bewertet an. Langfristig orientierte Anleger sollten jedoch künftige Kursschwächen für den Einstieg nutzen, sagen die Experten. Im Bereich Windkraft nannte Deser keine Namen. Ute Speidel, die für den Deutschen Investmenttrust den DIT-Energiefonds verwaltet, hält die meisten Windkraftanlagenbauer wegen des hohen Ölpreises für überbewertet.

Die Brennstoffzelle, die als einer der wichtigsten Energieträger der Zukunft gilt, ist Deser zufolge noch lange nicht konkurrenzfähig. Unternehmen wie die an der Nasdaq notierte Ballard Power Inc. steckten die Investorengelder in Forschungsprojekte, für die es noch keinen Absatzmarkt gibt: "Ähnlich wie bei den Biotechnologiefirmen kann deshalb der Kursexplosion leicht der Absturz folgen", glaubt er.

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