Neuer Formel-1-Rivale für Bruder Michael
Ralf fährt aus dem Windschatten

Spätestens mit seinem Erfolg beim Großen Preis von Europa auf dem Nürburgring ist Ralf Schumacher aus dem Windschatten seines Bruders Michael gefahren.

dpa NÜRBURGRING. Um Mitternacht wurde noch einmal auf Ralf Schumacher angestoßen. Bei einer Party mit Familie und Freunden feierte der BMW-Williams-Pilot nach seinem Formel-1-Triumph auf dem Nürburgring in seinen 28. Geburtstag hinein. "Es gab Schampus, es gab Wein, es gab Zigarren, und Höhepunkt war das Geburtstagsständchen um Mitternacht mit Cora, mit Michael, mit Mario Theissen und vielen, vielen Freunden - ich kann nur sagen: Schön, dass keiner beruflich was mit Gesang zu tun hat", verriet er auf seiner Hompepage. "Die Sause war klasse", fand Ralf Schumacher am Montag nach der langen Nacht.

Um drei Uhr morgens endete der für ihn denkwürdige Tag. Spätestens mit seinem Erfolg beim Großen Preis von Europa nahe seiner Heimatstadt Kerpen ist er aus dem Windschatten seines Bruders Michael Schumacher gefahren. Seine beeindruckende und fehlerlose Leistung in der Eifel machen ihn vor dem nächsten Rennen am Sonntag in Frankreich mit nur 15 Punkten Rückstand zum zweiten ernsthaften WM-Rivalen für seinen Bruder (58 Punkte) neben Silberpfeil-Pilot und Nürburgring- Pechvogel Kimi Räikkönen (51). "Ralf hat das Zeug zum Weltmeister", glaubt der scheidende BMW-Motorsportdirektor, Gerhard Berger.

Ausgerechnet vor dem Rennen in Magny-Cours, wo Michael Schumacher noch im vergangenen Jahr seine fünfte Weltmeisterschaft perfekt gemacht hatte, treten bei Ferrari Probleme auf. "Unsere Konkurrenten waren deutlich konkurrenzfähiger, es gab nicht viel, was wir hätten tun können, um die Situation zu verändern", meinte der Technische Direktor, Ross Brawn. In der Ferrari-Heimat läuten bereits die Alarmglocken. "Sagen wir, wie es ist: Dies war eine der härtesten Niederlagen für Ferrari", kommentierte die "Gazzetta dello Sport". Vor allem die Reifen von Bridgestone erweisen sich immer mehr als Schwachpunkt bei den "Roten".

Besserwisser sind verstummt

Michael Schumacher gibt sich nach seinem 5. Platz dennoch gelassen. Selbst der Dreher nach der Kollision mit dem später zweitplatzierten BMW-Williams-Fahrer Juan Pablo Montoya konnte ihm die Laune nicht vermiesen ("eEin normaler Rennunfall"). Im Endeffekt habe er nur zwei Punkte verloren, weil er bestenfalls Dritter geworden wäre. "Sieben Punkte Vorsprung in der WM sind ein gutes Polster, darauf können wir aufbauen, denn durch das neue Punktesystem ist es schwerer, einen Rückstand aufzuholen", erklärte er auf seiner Webseite (www.Michael- Schumacher.de). Er sei überzeugt, "dass wir auch in Magny-Cours wieder um den Sieg mitfahren werden".

Dort muss der 34-Jährige auch den jüngeren Schumacher im Auge behalten. Vom "Bruder-Komplex" und "Weichei" war noch nach dem Großen Preis von Kanada vor zwei Wochen gesprochen worden, weil Ralf Schumacher nicht versucht hatte, den Weltmeister zu überholen. Jetzt sind die Besserwisser verstummt. "Ralf Schumacher hatte was zu beweisen und bewies, dass er es konnte: Seinen älteren Bruder hinter sich lassen", schrieb der "Daily Star". "The Times" meinte: "Ralf Schumacher musste zwei Wochen an Schmerzen und Vorwürfen überstehen, bevor er einen Sieg holte, der die Kritiken vergessen ließ, die wie ein Schatten über seiner Karriere zu hängen drohten."

Diese Schatten sind nun weg. Ralf Schumacher hat es an Selbstbewusstsein selten gemangelt und ist sich seines Wertes für seinen Rennstall bewusst. Mit dem fünften Sieg seiner Karriere hat er ein gutes Argument für eine Vertragsverlängerung geliefert. Teamchef Frank Williams würde ihn gern halten, aber für weniger Gehalt. "Dafür bekommt er mich nicht", sagte Ralf Schumacher.

Dank seiner Konstanz - als einziger Fahrer war er in allen bisherigen WM-Läufen in den Punkten - hat BMW-Williams den Anschluss an die führenden Teams geschafft. Mit dem Doppelsieg auf dem Nürburgring überholten die "Blau-Weißen" die silberne Konkurrenz von McLaren-Mercedes und sind nun Zweiter hinter Ferrari. Nach dem frustrierenden Rennen mit dem Motorschaden von Kimi Räikkönen und David Coulthards Ausflug ins Kiesbett droht der Rennstall in Frankreich weiter ins Hintertreffen zu geraten. Tröstende Worte gab es für Räikkönen, der an der Spitze liegend ausschied, vom Sieger des Wochenendes. "Es ist sehr schade für ihn", meinte Ralf Schumacher.

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