Neuer Hauptsponsor Telekom löst Opel ab
Die schöne neue Welt des FCB

Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge waren hundemüde. Erst um vier Uhr in der Früh sind die beiden Chefs des FC Bayern nach der Pokalschlappe auf Schalke ins Bett gekommen. Gern hätten sie mit dem Einzug ins Pokalfinale ihre strategische Allianz mit der Deutschen Telekom garniert. Die Bayern verlieren eben nicht gerne, granteln dann rum aber auf dem Weg zum wirtschaftlichen Erfolg lassen sie sich derzeit nicht aufhalten.

mwb MÜNCHEN. Erst verkauften sie im Herbst 2001 zehn Prozent der AG-Anteile für 150 Millionen Euro an den Sportartikelhersteller Adidas-Salomon, dann nahmen sie den Versicherungsriesen Allianz als Namensgeber für das neue Stadion ins Boot und jetzt die Telekom. Allen drei Partnern ist eines gemeinsam, sie sind in Europa in ihrer jeweiligen Branche die Nummer 1 - wie der amtierende Champions-League-Sieger FC Bayern.

Kurz vor 13 Uhr unterschrieben am Donnerstag Telekom-Chef Ron Sommer und Rummenigge den Vertrag, der Bayern nach bislang unbestätigten Berichten bis 2008 rund 120 Millionen Euro bringen soll. "Unsere Kooperation geht weit über ein normales Sponsoring hinaus", kündigt Sommer an. Der Schriftzug T-Mobile auf den Trikots spielt wohl nur noch eine Nebenrolle. Bayern-Spiele, Pressekonferenzen und Interviews sollen künftig über das Internet verbreitet werden. Auch das neue Stadion wird von der Telekom verdrahtet. Und spätestens mit dem neuen Mobilfunkstandard UMTS kommen dann die Tore auf die Handys. Kartenbestellung, Navigation von der Anfahrt bis zum Sitzplatz im Stadion sind die Zukunftsvisionen.

Der Münchner Vorzeigeklub will seiner Zeit immer etwas voraus sein - diesmal scheint es gelungen. Multifunktionär Rummenigge hat seine Drähte nach Brüssel: "Wir haben Signale, dass die zentrale Vermarktung der Fernsehrechte nicht aufgehoben wird, aber es bei neuen Technologien am ehesten Möglichkeiten für individuelle Vermarktung gibt."

Kein Wunder, dass die Bayern-Manager am Donnerstag trotz Schlafdefizit leuchtende Augen vor laufenden Fernsehkameras bekamen. Denn am liebsten würde der FCB auch seine Fernsehrechte selbst vermarkten. Nur notgedrungen fügt sich der Branchenführer in die Solidargemeinschaft. Bei den neuen Kommunikations-Technologien soll ihnen das nicht mehr passieren. "Wir können noch gar nicht sagen welche Anwendungsmöglichkeiten sich ergeben werden", müht sich Rummenigge nicht allzu viele schlafenden Hunde zu wecken. Auf jeden Fall werden die Bayern nun noch weniger abhängig von den TV-Geldern.

Der Deal mit der Telekom war in der Branche eingeschlagen wie ein Knall. Dortmunds Manager Michael Meier stichelte in gewohnter Manier, er könne sich gar nicht erklären, woher die Telekom nach ihrem Milliardenverlust im vergangenen Jahr das Geld für den FC Bayern hernehme. Die Konkurrenten der Liga müssen aber eingestehen: Der Klub hat mit seinem Pfund derzeit Nummer eins in Europa zu sein bestens gewuchert.

Der klamme Vorgänger als Hauptsponsor, Opel, wollte ein Jahr früher aus dem Vertrag. Das ließ sich Uli Hoeness nicht zweimal sagen, trotz guter Zusammenarbeit in den vergangenen 13 Jahren. Noch vor Weihnachten ging der Bayern-Manager zu Telekom-Kommunikationschef Jürgen Kindervater. Und der biss sofort an. Schließlich bekommt man einen Werbeträger wie die Bayern und gleichzeitig potenziellen Content-Provider nicht alle Tage auf dem silbernen Tablett. Zahlen scheinen da nur eine nebengeordnete Rolle gespielt zu haben. "Mich interessiert nicht was ein Engagement kostet, sondern ob es Sinn macht", sagt Firmenchef Sommer. "und das ist eine win-win-Situation für beide Seiten". T-Mobile soll als transatlantische Mobilfunkmarke aufgebaut werden. Auch dafür sei er schon hart kritisiert worden. Der Deal rechnet sich aber nur, wenn T-Mobile eines Tages auch erfolgreich an die Börse gebracht wird. Dazu wollte sich Sommer freilich nicht äußern. Neben dem Rad-Rennstall sponsert die Telekom noch die Bonner Basketballer. Auf der Brust der Bayern soll die Marke T-Mobile bekannter gemacht werden. "Dazu können wir beitragen", weiß Hoeneß. Täglich wird im deutschen Fernsehen 70 Minuten über den FC Bayern berichtet.

Kein Platz ist auch für den bisherigen Bayern-Partner Viag Interkom. Die gesamte Geschäftsstelle erhält demnächst Telekom-Handys. Viag Interkom hätte als Nummer Vier in der deutschen Mobilfunkbranche ohnehin nicht mehr in die schöne neue Euro-Welt des FCB gepasst - ebensowenig wie die Marke Opel.

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