Neuer Innenminister soll im Laufe des Tages ernannt werden
Chevènement wegen Streit über Korsika-Politik zurückgetreten

Der französische Innenminister Jean-Pierre Chevènement ist am Dienstag - wie angekündigt - zurückgetreten. Das teilte Premierminister Lionel Jospin in Paris in einer Erklärung mit, nachdem der Rücktritt des 61-Jährigen bereits am Vortag angekündigt worden war.

afp PARIS. Hintergrund ist der Streit zwischen Chevènement und Jospin um die Korsika-Politik. Mit dem Rücktritt seines alten Vertrauten Chevènement muss Jospin nun erneut einen wichtigen Ministerposten im Kabinett seiner Linkskoalition ersetzen, nachdem er erst im März das Finanz- und das Bildungsministerium neu besetzen musste. Als Nachfolger sind Verteidigungsminister Alain Richard, Landwirtschaftsminister Jean Glavany und der Staatssekretär für die Überseegebiete im Innenministerium, Jean-Jack Queyranne, im Gespräch, die alle zu Jospins Sozialistischer Partei gehören. Der Nachfolger sollte im Laufe des Tages ernannt werden. Jospin nahm den Rücktritt Chevènements "mit Bedauern" zur Kenntnis und dankte ihm für seine Arbeit während seiner dreijährigen Amtszeit als Innenminister. Die Vorsitzende der oppositionellen neogaullistischen Sammlungsbewegung RPR, Michèle Alliot-Marie, bezeichnete den Rücktritt des Innenministers als "eine Niederlage für Jospin".

Der Abgang Chevènements war nach einem Treffen mit Jospin am Montagnachmittag bekannt gegeben worden, nachdem er bereits wochenlang wegen des Streits um Korsika als unausweichlich angesehen worden war. Die Korsika-Politik gehört in die Zuständigkeit des Innenministeriums. Jospin will den korsischen Nationalisten begrenzte gesetzgeberische Kompetenzen zugestehen und knüpft dies an die Bedingung, dass sie der Gewalt abschwören. Chevènement sieht darin ein Abrücken von der zentralstaatlichen Tradition Frankreichs.

Chevènement hatte 1992 die europakritische Bürgerbewegung MDC gegründet, die seit den Parlamentswahlen von 1997 als kleiner Partner von Jospins Sozialistischer Partei an der Linksregierung in Paris beteiligt ist. 1993 war er aus der Sozialistischen Partei ausgetreten, zu deren Führungsfiguren er lange Jahre gezählt hatte. Die MDC will auch nach dem Rücktritt ihres Parteichefs von dem Ministeramt die Pariser Linkskoalition weiter unterstützen.

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