Neuer Job für Star-Banker
Lenny Fischer soll Winterthur sanieren

Eine der schillerndsten Figuren der deutschen Bankenszene hat einen neuen Job: Knapp zwei Monate nach dem Aus als Vorstand bei der Allianz soll Leonhard Fischer die Leitung der Schweizer Winterthur Versicherung übernehmen. Fischer hat eine schwierige Aufgabe vor sich, denn Winterthur ist ein Sanierungsfall.

FRANKFURT/M. Der Karriereknick war nur von kurzer Dauer. Ende September musste Leonhard (Lenny) Fischer als Vorstand des Versicherungsriesen Allianz vorzeitig gehen. Voraussichtlich zum Jahreswechsel soll der einst gefeierte Investmentbanker nach Informationen aus Finanzkreisen auf den Chefsessel der Winterthur Versicherung rücken. Bereits am Donnerstag werde Fischers Inthronisierung offiziell mitgeteilt, hieß es.

Bislang wird Winterthur von einer Doppelspitze geführt. Den Nicht-Leben-Bereich leitet Manfred Broska, für den Sektor Leben und Pensionen ist Markus Dennler verantwortlich. Beide Manager rücken in die zweite Reihe und sollen in Zukunft an Fischer berichten. Verantwortlich für das Engagement des deutschen Bankers ist in erster Linie Oswald Grübel, der zusammen mit John Mack an der Spitze der Winterthur-Mutter Credit Suisse Group steht. Grübel erwartet von dem Neuzugang, dass er die Risiken bei der stark angeschlagenen Winterthur in den Griff bekommt und die Vermögensverwaltung auf Vordermann bringt. Credit Suisse wollte zu den Informationen keine Stellung nehmen.

Die Probleme des Schweizer Finanzdienstleisters wurden in den vergangenen Wochen immer dringlicher. Erst Anfang Oktober musste die Credit Suisse Group ihrer Versicherungstochter mit einer weiteren Kapitalspritze von 2 Mrd. Franken (1,4 Mrd. Euro) unter die Arme greifen. Bereits im Juni hatte die Konzernholding die Kapitalbasis von Winterthur mit 600 Mill. Franken gestärkt. Der Versicherer leidet wie die gesamte Branche unter dem massiven Verfall der Börsenkurse, der die Bewertungsreserven in den Büchern aufzehrt.

Am Donnerstag legt Credit Suisse ihre Zahlen für das dritte Quartal vor. Analysten rechnen mit einem Rekordverlust von 1,5 Mrd. bis 2,1 Mrd. Franken. Als eine der Hauptursachen für den hohen Fehlbetrag sehen die Experten einmal mehr die Probleme bei Winterthur. Die Ernennung Fischers dürfte Marktspekulationen, Credit Suisse werde die Versicherungstochter aufspalten oder ganz verkaufen, allerdings vorerst ein Ende setzen.

Zuletzt war Fischer als Vorstand des deutschen Versicherungsriesen Allianz für das Firmenkunden- und Investmentbanking-Geschäft der Tochter Dresdner Bank zuständig. Er zählte zu den Stützen des Versicherers, die den Umbau der Bankentochter voran treiben wollten. Doch der passionierte Investmentbanker angelsächsischer Prägung scheiterte am heftigen Widerstand von Arbeitnehmer-Vertretern und Regionalleitern aus dem Firmenkundengeschäft der Dresdner Bank. Alte Seilschaften, die das Institut als Ganzes erhalten wollten, machten Stimmung gegen Fischer.

Die Trennung von der Versicherung kam völlig überraschend. Fischer hatte nur wenige Wochen zuvor seinen Rücktritt angeboten, war aber von der Allianz-Spitze zum Bleiben überredet worden. Der von ihm verantwortete Bereich musste im ersten Halbjahr 2002 einen Verlust von gut 800 Mill. Euro verkraften, der maßgeblich dazu beitrug, dass auch die Allianz in die roten Zahlen rutschte.

Seine Karriere startete Fischer als 22jähriger beim amerikanischen Investmenthaus JP Morgan. Zehn Jahre später wechselte er zur Dresdner Bank und zog 1998 kaum 35 Jahre alt in den Vorstand ein. Zwei Jahre später übernahm er die Verantwortung für das Investmentbanking. Der Bereich geriet allerdings nach der geplatzten Fusion zwischen Dresdner und Deutscher Bank in schweres Fahrwasser. Fieberhaft versuchte Fischer, die Sparte wieder profitabel zu machen und fädelte den Kauf des kleinen, auf Fusionen und Übernahmen (M&A) spezialisierten Investmenthauses Wasserstein Perella ein. Nach dem Platzen der Börsenblase und dem Zusammenbruch des M&A-Marktes erwies sich die 1,3 Mrd. Euro teure Akquisition in den USA allerdings als glatte Fehlinvestition.

Fischers Wechsel an die Spitze eines Schweizer Versicherungskonzerns zeigt die massiven Probleme der gesamten Versicherungsbranche auf. Das Personalkarussell dreht sich auch bei anderen Wettbewerbern schnell. So tauscht der größte eidgenössische Lebensversicherer Schweizer Rentenanstalt/Swiss Life zum zweiten Mal in nur acht Monaten den Konzernleiter aus: Rolf Dörig, bisher Chef des Schweizer Filialgeschäftes der Credit Suisse Group, folgt Roland Chlapowski.

Mit dem erneuten Führungswechsel versucht die Rentenanstalt, den reibungslosen Ablauf der geplanten Kapitalerhöhung von bis zu 1,2 Mrd. Schweizer Franken zu sichern. Chlapowski setzt die Serie der gescheiterten Top-Manager in der Versicherungswirtschaft fort. Vor wenigen Tagen setzte der französische Rückversicherer Scor den Vorstandschef Jaques Blondeau vor die Tür. Auch Zurich Financial Services hat mit James Schiro einen neuen Leiter bekommen. Nach dem Rauswurf von Bob Mendelsohn im September sucht zudem die britische Royal Sun & Alliance noch einen neuen Vorstandschef.

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