Neuer Kanal für die öffentliche Meinung
Chinesen können SMS-Nachrichten ans Parlament schicken

In China können sich Nutzer von Mobiltelefonen erstmals mit SMS-Nachrichten an die Abgeordneten des Parlaments wenden.

Reuters PEKING. Per SMS könnten Vorschläge an die fast 3000 Abgeordneten des derzeit in Peking tagenden Nationalen Volkskongresses gesendet werden, sagte ein Sprecher der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua am Dienstag. Die Agentur bietet den Service gemeinsam mit der staatlichen Mobilfunk-Gesellschaft an, die den etwa 150 Millionen Handynutzer umfassenden Mobilfunkmarkt Chinas dominiert. Das Verschicken von Texten mittels Short Message Service (SMS) über das Handy ist auch in China sehr populär.

Die Nachrichten gingen von Xinhua zunächst an das Verwaltungsbüro des Volkskongresses, sagte Wu Jingcai, der stellvertretende Direktor von Xinhuas Inlandsdienst. Dort würden sie in kurze, interne Berichte an die Abgeordneten übernommen. Auf die Frage, ob zu provokante Nachrichten aussortiert würden, antwortete Wu, die Menschen könnten "fast alles" sagen.

Am Dienstag, dem ersten Tag der jährlichen, 14 Tage dauernden Sitzung des Volkskongresses, wurden etwa 2000 Nachrichten aus dem ganzen Land an die Abgeordneten geschickt. In vielen wurden Befürchtungen wegen des Beitritts Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) oder wegen Korruption geäußert. In einer der Nachrichtenagentur Reuters vorliegenden SMS hieß es: "Ich würde gerne wissen, welche Last die Bauern tragen müssen, wenn der Getreide-Preis nach Chinas Beitritt zur WTO fällt." Der Absender bezeichnete sich selbst als Bauer und Unternehmer.

Die umgerechnet etwa einen Euro-Cent teuren SMS-Nachrichten sind ein ungewöhnlicher Schritt hin zu freier Meinungsäußerung im kommunistisch regierten China. "Dies ist ein neuer Kanal, um die öffentliche Meinung kennen zu lernen", sagte Wu.

Andere zeigten sich zurückhaltender: "Man kann mit dieser neuen, faszinierenden Art Themen anreißen. Aber das wird keine Folgen haben", sagte ein junger Werbe-Fachmann in Peking. "Die Regierung kennt schon alle Probleme, die die Menschen haben. Sie kennt sie besser als wir."



Nach dem Sammeln der SMS-Nachrichten, für das Xinhua keine Zustimmung der Regierung eingeholt hat, sollten die Texte über die Nachrichtenkanäle in China verbreitet werden, sagte Wu.

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