Neuer Konzernchef der Zurich Financial Services
Vertrauensvorschuss für James J. Schiro

Ein Amerikaner ist Chef des größten Schweizer Versicherers. Der Wirtschaftsprüfer soll den schlingernden Finanzriesen wieder auf Erfolgskurs bringen.

ZÜRICH. Die Schweizer Finanzwelt beschäftigte eine Frage in den vergangenen Wochen besonders: Wer wird neuer Chef des größten Versicherungskonzerns Zurich Financial Services (ZFS)? Es gab keinen klaren Favoriten. Doch Peter Eckert galt als ein möglicher Nachfolger. Der 56-Jährige kennt den Konzern wie kein anderer. Er hat sich nach oben gearbeitet und war zuletzt Chief Operating Officer der Konzernorganisation.

Doch Eckert hat das Rennen um den Spitzenposten verloren. Gestern kürte der Verwaltungsrat James J. Schiro zum neuen Chef des Versicherungskonzerns. Der 55-jährige Amerikaner ist erst seit März im Unternehmen Chief Operating Officer für Finanzen.

Schiro hatte wohl aus mehreren Gründen beim Verwaltungsrat gute Karten: Der frühere Chef des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Price-Waterhouse-Coopers (PWC) verfügt über ausreichend Erfahrungen im US-Geschäft, dem bedeutendsten Markt für ZFS. Und er kann als Außenseiter in der Versicherungsbranche unbefangen an seine neue Aufgabe herangehen - anders als Eckert, der bereits mehr als 20 Jahre lang im Schweizer Konzern arbeitet.

Internationalisierung voran treiben

Der langjährige ZFS-Chef Hüppi war nach fünf Gewinnwarnungen in nur wenigen Monaten massiv unter Druck der Aktionäre und Analysten geraten. Er wird deshalb nach der Generalversammlung am morgigen Donnerstag von seinen beiden Ämtern als Präsident des Verwaltungsrats und als Konzernchef zurücktreten.

Mit dem Amerikaner Schiro wird der von Hüppi eingeleitete Internationalisierungsprozess auch personell unterstrichen. Mit dem Niederländer Lodewijk van Wachem steht ab 17. Mai auch ein Nichtschweizer an der Spitze des Verwaltungsrates.

Schiros wichtigste Aufgabe wird es sein, das verlorene Vertrauen von Investoren und Analysten zurückzugewinnen. Zudem muss er die Mitarbeiter davon überzeugen, dass der ZFS-Konzern zu den Gewinnern des Ausleseprozesses in der internationalen Versicherungswirtschaft gehören wird. Der Mann mit dem streng zurückgekämmten Haar besitzt zudem mit van Wachem einen Verwaltungsratspräsidenten, der über eine große Managementerfahrung verfügt, aber allein auf Grund seines Alters (Jahrgang 1931) keine eigenen Ambitionen mehr hegt.

Zwiespältiges Erbe

Schiro tritt beim Zürich-Konzern ein zwiespältiges Erbe an. Zwar hat der größte Schweizer Versicherungskonzern in der Ära Hüppi deutlich an internationaler Statur gewonnen. Vor allem die Fusion der Zürich Versicherung mit dem Assekuranzgeschäft des britischen Tabakkonzerns BAT war ein wichtiger Schritt, um zu den Großen der Branche aufzuschließen. Da Hüppi aber durch die Übernahme der US-Gesellschaften Kemper und Scudder fast zeitgleich in die Vermögensverwaltung einstieg, kam die Integration der Akquisitionen und die Durchsetzung einer konzernweit gültigen Strategie zu kurz.

Dennoch ist die Ausgangsposition für den Außenseiter an der Firmenspitze, Schiro, nicht schlecht. Er übernimmt einen Konzern, der zumindest in den USA, Großbritannien, der Schweiz und mit Abstrichen in Deutschland gut positioniert ist.

Auch intern hat der Amerikaner keine leichte Aufgabe. Er muss dafür sorgen, den zeitgleich mit ihm zum Chief Operating Officer beförderten Peter Eckert in seine Konzernstrategie einzubinden. Schiro muss verhindern, dass der praktisch Gleichaltrige, der schon seit 1980 für den Versicherer arbeitet, und in den Augen der Öffentlichkeit Übergangene, sich innerlich zurückzieht. Da ist von James J. Schiro viel Fingerspitzengefühl gefordert. Die Erfahrungen des Amerikaners bei der Fusion von Price Waterhouse und Coopers & Lybrand dürften seine Aufgabe sicherlich erleichtern. Dennoch ist offen, ob ihm dieser Balanceakt gelingen wird.

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