Neuer Kurs 1,40 pro Dollar
Argentinien wertet Peso drastisch ab

Nach fast elf Jahren der Eins-zu-Eins-Bindung an den US-Dollar hat Argentinien den Peso drastisch abgewertet.

dpa-afx BUENOS AIRES. Wie Wirtschaftsminister Jorge Remes Lenicov am Sonntagabend (Ortszeit) mitteilte, beträgt der neue amtliche Wechselkurs 1,40 Peso pro Dollar. Dies entspricht einem Peso-Kurs von 0,71 Dollar oder einer Abwertung um 29 Prozent.

Zuvor hatte am Sonntag der Senat nach achtstündiger Debatte das Wirtschaftsprogramm des neuen Präsidenten Eduardo Duhalde verabschiedet, das die bisherige Peso-Dollar-Bindung aufhebt. Es erklärt außerdem den wirtschaftspolitischen Notstand und erteilt der Regierung bis Ende nächsten Jahres Sondervollmachten, um die schwere Wirtschaftskrise zu meistern.

Der neue offizielle Wechselkurs gilt aber nur für den Außenhandel. Daneben soll es einen freien Wechselkurs für den inländischen Devisenverkehr, zum Beispiel an Wechselstuben, geben. Verschiedene Ökonomen hatten schon im Vorfeld der Abstimmung dieses System eines gesplitteten Wechselkurses kritisiert. Wirtschaftsminister Lenicov zeigte sich aber überzeugt, dass der freie Wechselkurs vom amtliche fixierten nur unwesentlich abweichen werde. Er kündigte außerdem an, dass die Regierung noch in diesem Monat einen ausgeglichenen Staatshaushalt für 2002 vorgelegen wird.

Das Gesetzespaket enthält auch verschiedene Bestimmungen, um die Folgen der Abwertung für die Bürger erträglicher zu machen. So sollen Dollar-Schulden in Höhe bis zu 100.000 Dollar (110.000 Euro) im Verhältnis eins zu eins in Peso umgewandelt werden. Die den Banken dadurch entstehenden Verluste sollen den Geldinstituten über eine Sondersteuer auf Erdölexporte erstattet werden. Die Telefon-, Strom- und Gasgebühren werden ebenfalls von Dollar auf Peso umgestellt. Hiergegen haben die ausländischen Betreiberunternehmen bereits heftig protestiert

.

Die Bankkonten, die wegen eines Massenansturms der Sparer Anfang Dezember teilblockiert worden waren, werden noch nicht wieder freigegeben. Nach wie vor dürfen die Bürger nur eng begrenzte Beträge pro Woche abheben. Unklar war nach wie vor, wann die Abwertung praktisch umgesetzt wird. Denn die Zentralbank hatte am Freitag verfügt, dass der seit dem 21. Dezember unterbundene Devisenhandel auch am Montag und Dienstag ausgesetzt bleibt.

In Argentinien war der Peso seit April 1991 im Verhältnis eins zu eins an den US-Dollar gekoppelt. Seine Überbewertung hatte die Rezession der vergangenen vier Jahre noch verschärft. Berichten zufolge will die argentinische Regierung den Wechselkurs nach der jetzigen Neufixierung in einem halben Jahr ganz freigeben.

Solche Versuche einer kontrollierten Abwertung sind in Lateinamerika in der Vergangenheit aber meistens gescheitert. Mexiko und Brasilien mussten im Dezember 1994 beziehungsweise im Januar 1999 nach einer Neufixierung ihrer überbewerteten Währungen jeweils noch in der selben Woche die Kurse ganz freigeben, weil die Zentralbanken angesichts der Nachfrage nach US-Dollar keine Mittel hatten, einen festen Wechselkurs zu stützen.

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