Neuer Kurs
Bankgesellschaft Berlin baut 4000 Stellen ab

Bei der Bankgesellschaft Berlin wird nach erneuten überraschend hohen Verlusten aufgeräumt. Konzernchef Wolfgang Rupf und zwei weitere Vorstände verlassen das Unternehmen mit sofortiger Wirkung.

dpa BERLIN. Dies sagte Aufsichtsratschef Dieter Feddersen am Freitag nach einer Sitzung des Kontrollgremiums. Auf seinem Sanierungskurs will das Institut 4000 Arbeitsplätze abbauen. Damit fällt bis 2005 jede vierte Stelle weg. Das Land Berlin will die Immobilienrisiken übernehmen, um die verlustreiche Bank zu entlasten. Erst vor drei Monaten war das Institut mit einer Milliarden-Kapitalspritze gerettet worden.

Neuer Konzernchef ist Rupfs bisheriger Stellvertreter Hans-Jörg Vetter. An seiner Ernennung soll es dem Vernehmen nach erheblichen Widerstand von Seiten der Nord/LB gegeben haben.

Berlins Finanzsenatorin Christiane Krajewski (SPD) sagte, die Freistellung von Risiken im Immobiliendienstleistungsgeschäft werde im Sinne des Kreditwesengesetzes erfolgen und mit dem EU-Recht kompatibel sein. Bis zur nächsten Aufsichtsratssitzung am 17. Dezember sollen entsprechende Absprachen erreicht werden. Die Bankgesellschaft drohte durch die Belastungen im Immobiliengeschäft unter die von der Bankenaufsicht geforderte Gesamtkapitalquote von 9 % zu rutschen. Derzeit liegt die Quote bei 9,24 %.

Der Konzern soll zunächst beim Land Berlin bleiben, was aber nicht bedeute, dass er grundsätzlich nicht verkauft werden soll, betonte Krajewski. Dafür müssten allerdings die Bedingungen stimmen. Kein potenzieller Investor sei derzeit bereit, die Immobilienrisiken zu übernehmen. An einer Übernahme sind der US-Investor Christopher Flowers, die Nord/LB gemeinsam mit der Sparkassengruppe und die Finanzgruppe Texas Pacific interessiert. Berlin hält derzeit 81 % an der Bankgesellschaft.

Der Vorsitzende des Gesamtpersonalrats, Helmut Tesch, sagte, auch die Arbeitnehmer sähen keine Alternative zum beschlossenen Sanierungskurs. Bis Ende 2004 gelte weiterhin der Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen. Es solle versucht werden, ihn bis 2005 zu verlängern. In den 4000 zur Disposition stehenden Stellen sind 1600 enthalten, deren Wegfall bereits früher angekündigt worden war.

In den ersten neun Monaten hatte das Immobiliengeschäft vor allem der Töchter IBG und IBAG den Konzern erneut belastet. Nach Steuern fielen insgesamt 369 Mill. ? (721,7 Mio DM) Verlust an. Neben der Risikovorsorge bei den Immobilien waren Wertberichtigungen auf eigene Aktien der Grund dafür.

Vetter kündigte für das laufende Jahr ein ausgeglichenes Ergebnis an, wenn die Immobilienrisiken rausfielen. Neben dem neuen Konzernchef besteht der Vorstand nun aus Johannes Evers, Serge Demoliere, Norbert Pawlowski und Hubert Piel. Thomas Kurze und Lothar Wackerbeck sind mit Rupf ausgeschieden. Hans Leukers geht wie bereits seit längerem geplant zur gleichen Zeit aus Altersgründen.

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