Neuer Markt bricht wieder ein
Erholung an der Wall Street nach anfänglicher Verkaufspanik

Die andauernde Unsicherheit über die weitere Entwicklung der US-Konjunktur hat am Mittwoch die internationalen Börsen weiter belastet. Der Dax verlort zwischenzeitlich über 250 Punkte und markierte mit 5712 Punkten den tiefsten Stand seit dem Herbst 1999. Händler sehen bis zur Zone um 5600 charttechnisch keine Unterstützung.

dpa FRANKFURT. Die Börsen erleben weltweit einen Crash auf Raten. Händler sprachen am Dienstag angesichts der massiven Verkaufswelle von Panik. Anleger in Frankfurt, London und Paris mussten erneut drastische Verluste verkraften. Die am Vorabend an der New Yorker Börse geweckten Hoffnungen auf ein Ende der Talfahrt zerstoben binnen 24 Stunden. Die US-Märkte brachen zu Handelsbeginn am Dienstag wieder ein. Schlimm erwischte es den Neuen Markt in Frankfurt mit einem Minus von zeitweise fast neun Prozent auf einen historischen Tiefstand in seiner vierjährigen Geschichte.

Als Erklärungen für den Absturz führten Experten die unterschätzte politische und wirtschaftliche Krise in Japan sowie das bisherige Ausbleiben einer Zinssenkung in den USA an.

"Die Stimmung ist ohne Frage schlecht", sagte Ralph Bachmann von der Frankfurter Helaba. Viele Börsianer seien zudem "auf dem falschen Fuß erwischt worden", nachdem die Investmentbank Goldman Sachs mehrere deutsche Banken zurückgestuft hatte. Ein einziger Tag mit Plus-Zeichen in den USA signalisiere zudem noch keine Trendwende, sagte Peter Canelo von Morgan Stanley Dean Witter.

Am Morgen sahen trotzdem zahlreiche Anleger noch Licht am Ende des Tunnels: Schnäppchenjäger hatten der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq zu ihrem steilsten Anstieg seit zwei Monaten verholfen. Der Index schloss mit einem Zuwachs von 4,75 Prozent wieder über 2000 Punkten. Auch die amerikanischen Industriewerte im Dow-Jones-Index stiegen gegen Handelsende noch um 0,81 Prozent auf 10 290,80 Punkte. Am Dienstag verdüsterte sich das Bild wieder: Der Dow Jones durchbrach die 10 000-Punkte-Marke nach unten und verlor 3,2 Prozent auf 9 960 Punkte. Die NASDAQ büßte 3,3 Prozent auf gut 1948 Punkte ein.

In Amsterdam wurde am frühen Nachmittag der Handel 15 Minuten lang für eine "Besinnungspause" unterbrochen. Der AEX hatte mehr als 5 Prozent verloren. Nach dem Aussetzen erholte sich der Markt wieder leicht. Der CAC40 in Paris lag mit 3,21 Prozent im Minus. Der FTSE 100 in London gab um 3,37 Prozent nach und lag zeitweise auf dem tiefsten Stand seit zwei Jahren.

Gute Nerven brauchten Anleger am Neuen Markt. Der Nemax 50 verlor bis zum Nachmittag 6,7 Prozent und notierte auf dem historischen Tief von gut 1660 Punkten. Auch der deutsche Aktienindex DAX brach weg: das Minus betrug 4,2 Prozent bei von 5712 Punkten.

Die in den vergangenen Tagen hart getroffene asiatische Leitbörse in Tokio folgte am Dienstag noch den guten US-Vorgaben. Der Nikkei- Index für 225 führende Werte ging mit einem Plus von 0,2 Prozent bei 11 843,59 Punkten aus dem Handel. Dennoch blieb der Index weiter unter der psychologisch wichtigen Marke von 12 000, die am Dienstag erstmals seit mehr als 16 Jahren durchbrochen worden war.

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