Neuer Markt
Experte: Ausschluss von Penny-Stocks kein Allheilmittel

Ein Ausschluss von Niedrigpreis-Aktien (Penny-Stocks) ist nach den Worten des Börsensachverständigen Wolfgang Gerke kein Weg, das angekratzte Image des Neuen Marktes aufzupolieren. "Ich glaube nicht, dass sich auf diesem Wege das Image des Neuen Marktes nachhaltig verändern lässt", sagte Gerke der Zeitung "Der Tagesspiegel".

Reuters/HB FRANKFURT. Es müsse mehr passieren, fügte Gerke hinzu. Der Börsensachverständige unterstützt zwar nach eigenen Angaben die Eliminierung von Unternehmen, die nur noch auf dem Papier existieren. Er warnte allerdings davor, zu formal vorzugehen. "Man soll nicht nur auf den Preis schauen. Entscheidend ist die Substanz des Unternehmens."

Da die Deutsche Börse die Kritik am ramponierten Ruf des Wachstumsegmentes nicht mehr ignorieren kann, sollen am Freitag bei einem Treffen des Arbeitskreises Neuer Markt Empfehlungen für eine Regelverschärfung beschlossen werden. An den Kragen gehen soll es den Titeln von Pleitefirmen und jenen, die bei geringem Handelsvolumen und geringer Marktkapitalisierung länger als 30 Tage unter einem Euro notieren.

Gerke sagte weiter, natürlich könnten am Regularium des Neuen Marktes noch Verbesserungen vorgenommen werden. Wenn das Regelwerk aber zu eng gestaltet werde, werde der Markt verstopft. "Der Neue Markt ist nicht wegen seines Regelwerkes gescheitert. Fahrlässige Emissionsbanken, übertrieben optimistische Analysten und die Gier der Anleger haben ihn destabilisiert", sagte Gerke.

Gerke warf den Emissionsbanken vor, schnelles Geld verdient zu haben, indem sie Unternehmen an die Börse gebracht hätten, die dafür nicht reif gewesen seien. Die Emissionsbanken hätten aber dafür zu sorgen, dass zu dem ökonomisch akzeptablen Risiken am Neuen Markt nicht noch zusätzlich das Risiko hinzu komme, betrogen zu werden. Was gebraucht werde, seien Emissionsbanken, die intensiver selektierten und die Risiken einer Emission für den Anleger transparenter gestalteten, sagte der Börsensachverständige.

Gerke sieht den Neuen Markt als ein Handelsplatz für innovatives Risikokapital, bei dem die Ausfallquote naturgemäß sehr hoch sei. Dafür gebe es aber Unternehmen, die besonders hohe Renditen erwirtschafteten. Nach Einschätzung Gerkes wird es künftig einen Neuen Markt geben, der seiner ursprünglichen Funktion als Finanzierungsinstrument für Innovatoren gerecht wird. Dies werde jedoch nicht auf einen Schlag passieren, sondern ein bis zwei Jahre dauern. Gerke geht davon aus, das pro Jahr fünf Prozent der Neue-Markt-Firmen wieder verschwinden werden. "Damit können wir leben, wenn den Flops erfolgreiche und solide Unternehmen gegenüberstehen", sagte Gerke.

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