Neuer Markt ist privatrechtlich gestaltet
Experten räumen Klagen gegen Delisting keine Chancen ein

Experten räumen Unternehmen bei möglichen Klagen gegen die geplante Regelwerkerweiterung der Deutschen Börse zum Delisting von Penny-Stocks keine Chancen ein. "Die Unternehmen haben einen privatrechtlichen Vertrag, wonach sie verpflichtet sind, das Regelwerk in aktueller Form einzuhalten", sagte ein mit dem Regelwerk der Deutschen Börse vertrauter Jurist am Donnerstag.

Reuters FRANKFURT. Im Vergleich zum Amtlichen Handel, der beispielsweise eine gesetzliche Grundlage habe, sei der Neue Markt nämlich privatrechtlich gestaltet. Die Börse könne daher ihr Regelwerk schnell an Marktgegebenheiten anpassen, ohne die Vertragspartner fragen zu müssen. Die Unternehmen hätten juristisch keine Chancen, dagegen vorzugehen. Aus den Gesellschaften, deren Aktien unter einem Euro notieren, kamen unterschiedliche Reaktionen zu den Delisting-Plänen.

Die Deutsche Börse prüft nach eigenen Angaben derzeit Möglichkeiten, das Regelwerk des Neuen Marktes um den Punkt "Delisting von Penny Stocks" zu erweitern. Derzeit befinde sich die Deutsche Börse im Abstimmungsprozess mit Marktteilnehmern wie Unternehmen, Banken und Vertretern von Kleinaktionären, sagte Deutsche-Börse-Sprecherin Alexandra Franz. Deutsche-Börse-Sprecher Frank Hartmann sagte, ob es zu einer Erweiterung des Regelwerkes komme, sei von der rechtlichen Prüfung und den Gesprächen mit den Marktteilnehmern abhängig. Wennn es aber dazu komme, sei davon auszugehen, dass es für alle Beteiligten Rechtssicherheit gibt. Kriterien für einen Ausschluss können nach Ansicht von Neuer-Markt-Chef Rainer Riess der Börsenwert oder die Insolvenz sein.

Unternehmen, die derzeit unter einem Euro notierten und damit zu den Niedrigpreis-Aktien (Penny-Stocks) gehören äußerten sich unterschiedich. "Wir können dazu keine Stellung nehmen, solange keine Inhalte bekannt sind. Wir sind aber nicht begeistert", sagte Andra Meichsner, Investor-Relations-Sprecherin bei der Prout AG. Falls Prout aber einmal von einem Delisting betroffen wäre, "würden wir uns rechtlich beraten lassen, um unsere Aktionäre zu schützen."

Otto Dauer, Vorstandssprecher des Medienunternehmens Advanced Medien AG, sagte, die aktuelle Diskussion um die Regelwerkerweiterung sei eine "Sommerloch-Debatte". Dauer führte dies auf die gegenwärtige Marktsituation zurück. "Wenn wir eine Hausse hätten, würden keiner danach krähen". Dauer zufolge solle die geplante Regelwerkerweiterung nur für die Unternehmen gelten, die noch an den Neuen Markt gehen und nicht für die, die dort bereits gelistet seien. "Das bestehende Regelwerk ist völlig ausreichend", fügte er hinzu.

Dominik Steinacher, Sprecher bei dem im Nemax 50 gelisten Softwareunternehmen Fantastic Corp, sagte, grundsätzlich sei es nicht schlecht, wenn der Neue Markt etwas mache, um sein Image aufzubessern. Die Gesamtbetrachtung einer Firma sei allerdings wichtiger als nur der pure Aktienpreis. Steinacher zufolge hat Fantastic nur aufgrund eines Aktiensplitts einen so niedrigen Aktienpreis. Auf die Androhung eines Delisting würde Fantastic möglicherweise mit einem Reverse-Splitt reagieren.

Cybernet-Vorstandschef Andreas Eder begrüßte die geplante Regelwerkerweiterung. "Wir haben seit Jahren ein Doppellisting an der Nasdaq". Seinen Worten zufolge ist Cybernet kein Delisting-Kandidat. "Wenn unsere Restrukturierungsmaßnahmen greifen, wird sich der Kurs sehr rasch erholen". Gerhard Inninger, Finanzchef bei NSE Software sagte, das Vorhaben der Deutschen Börse sei der falsche Ansatz, um die Seriosität an den Neuen Markt zurückzubringen. Wichtiger ist es nach seiner Ansicht, die Quartalsberichte und Planungen der Unternehmen genauer zu überprüfen und Aktienverkäufe von Vorständen schon im Voraus anzukündigen. Bei einem möglichen Delisting werde NSE prüfen, ob dagegen rechtlich vorgegangen werden könne. Alternativen für den Neuen Markt seien der Geregelte Markt oder die Bayrische Präsenzbörse.

Die Aktie der Prout AG notiert gegenwärtig bei Kursen um die 66 Cents, Advanced-Papiere sind an der Börse zurzeit 46 Cents wert. Fantastic-Anteilsscheine liegen derzeit bei 56 Cents, und Cybernet-Aktien werden aktuell bei Kursen um die 69 Cents gehandelt. NSE-Papiere weisen zurzeit einen Kurs von 72 Cents auf.

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