Neuer Markt: Pessimismus vor Berichtssaison

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Neuer Markt: Pessimismus vor Berichtssaison

Experten rechnen für die in den nächsten Wochen anstehende Berichtssaison zum Geschäftsjahr 2001 mit überwiegend schwachen Zahlen von Firmen des Neuen Marktes. "Die Zahlen werden mit Sicherheit noch schlecht ausfallen", sagte Stefan Müller, Fondsmanager bei Activest.

reuters FRANKFURT. Viele Unternehmen kämpfen nach Expertenansicht mit unternehmensspezifischen Problemen und der schwachen Konjunktur, insbesondere nach den Anschlägen in den USA. Optimistischer zeigten sich Fondsmanager und Aktienstrategen für das laufende Geschäftsjahr 2002, wiesen allerdings daraufhin, dass am Wachstumssegment mit weiteren Pleiten zu rechnen sei. Schlechte Aussichten werden vor allem den IT- und Medienfirmen zugeschrieben.

Union-Investment-Fondsmanager Wassili Papas rechnet insbesondere für das Abschlussquartal 2001 mit schwachen Zahlen. "Viele werden das vierte Quartal aber in ihren Gesamtjahreszahlen verschleiern und nicht separat ausweisen", sagte Papas. Der Experte erwartet jedoch nicht, dass viele Firmen des Neuen Marktes wie im vorausgegangenen Jahr ihre selbstgesteckten Prognosen verfehlen werden, da sie ihre Erwartungen für 2001 schon stark zurück genommen hätten.

Mit den Geschäftszahlen für 2001 sollte sich nach Einschätzung von Papas auch zeigen, dass viele Neuer-Markt-Unternehmen kein nachhaltiges Geschäftsmodell haben. Papas zufolge werden 2002 noch viele Firmen am Neuen Markt wegfallen. "Ich gehe davon aus, dass das 30 bis 50 Unternehmen sein werden", sagte er.

Im Gegensatz zu den marktführenden an der US-Technologiebörse Nasdaq notierten Titeln kämpfe ein Großteil der Neuer-Markt-Firmen mit unternehmensspezifischen Problemen, erklärten die Aktienstrategen von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Ihrer Einschätzung nach sollte die beginnende Bilanzsaison an der Nasdaq auch den Neuen Markt stimulieren, da dort mit einer Vielzahl positiver Überraschungen zu rechnen sei. Allerdings sei zu bezweifeln, dass auch die heimischen Wachstumswerte gute Zahlen präsentierten. Activest-Fondsmanager Müller sagte, der Markt sollte die Zahlen nicht so negativ wie in der Vergangenheit aufnehmen, da derzeit vor allem auf den erwarteten Aufschwung geblickt werde.

Müller sagte, 2001 sei von dem größten Rückschlag, den die Technologiebranche bislang gesehen habe, und einer hohen makroökonomischen Unsicherheit geprägt gewesen. Zusätzlich belastend hätten sich die Anschläge in den USA im September ausgewirkt. Rolf Elgeti, Anleihen- und Aktienstratege bei Commerzbank Securities, sagte, viele Gesellschaften steckten in fundamentalen und finanziellen Problemen und hätten in unrentable Geschäftsmodelle investiert. Viele Firmen sollten noch Bankrott gehen. "Ich rechne mit überwiegend negativen Zahlen", sagte Elgeti. Einige Firmen sollten zwar positives vermelden können, dies dürfte sich aber vornehmlich auf den Ausblick konzentrieren.

Elgeti denkt dabei nach eigenen Angaben vor allem an den Hersteller von Produktionsanlagen für optische Speichermedien Singulus. Die Konkurrenten des Unternehmens werden nach Einschätzung Elgetis nach und nach vom Markt verschwinden, so dass sich die Margen von Singulus deutlich ausweiten dürften. Zudem sei Singulus eines der Unternehmen, dass am ehesten wieder das Vertrauen der Anleger zurückgewinnen könnte. Besonders schwache Zahlen werden Elgeti zufolge aus der Medien- sowie der Softwarebranche kommen. Vor allem Medienunternehmen, die sehr von Werbeausgaben abhängig seien und stark spezialisierte Softwarefirmen sollten dabei unter die Räder kommen.

Auch Fondsmanager Papas erwartet vor allem aus der IT- und der Medienbranche schwache Geschäftszahlen. Gemischte Kennziffern erwartet er aus dem Biotechnologiesektor. Nach einem guten vierten Quartal werde wohl insbesondere das Schwergewicht Qiagen gute Zahlen vorlegen, die Aktie bleibe hoch bewertet. Mit guten Zahlen rechnet Papas auch beim Elektronikhändler Medion. Das sei aber keine Überraschung für die Börse, sagte der Fondsmanager.

Das laufende Geschäftsjahr sollte nach Einschätzung Papas für die meisten Unternehmen wieder besser laufen, vor allem in der zweiten Jahreshälfte. Auch Müller zeigte sich für 2002 relativ optimistisch. Das erste Quartal werde jedoch wohl noch schwach ausfallen.

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