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Neuer Markt soll Kursniveau verdoppeln

Der Neue Markt steht vor einer Erholung im zweiten Halbjahr 2000 und wird diese Dynamik im nächsten Jahr fortsetzen. Analysten und Fondsmanager gehen davon aus, dass nach einer Seitwärtsbewegung im Herbst der Aufschwung beginnt. Strittig ist, wie kräftig die Kurszuwächse ausfallen werden.

hof/koe/som FRANKFURT/DÜSSELDORF. Den größten Optimismus verbreitet die DG Bank in ihrer jüngsten Studie zum Wachstumssegment der Deutschen Börse. Das Spitzeninstitut des Genossenschaftsverbundes geht davon aus, dass der alle Werte umfassende Nemax-All- Share-Index in der zweiten Jahreshälfte seine alten Höchststände von knapp 8500 Punkten aus dem März wieder erreichen wird. Momentan notiert das Kursbarometer bei weniger als 5200 Punkten. Bis Ende 2001 könnte der Nemax nach Meinung der Experten der DG Bank, eines der führenden deutschen Emissionshäuser, dann auf 10300 Punkte steigen. Begründet wird die optimistische Haltung zum einen mit einer erwarteten sanften Landung der US-Konjunktur und einer damit verbundenen deutlichen Erholung an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq, zum anderen mit der anhaltend starken Gewinndynamik der gelisteten Gesellschaften.

Analysten raten sogar zu spekulativen Titeln

Die Firmen würden ihre Gewinne im laufenden Jahr gegenüber 1999 um 98% steigern, für das Jahr 2001 wurde die Prognose sogar von 80,5% auf 102,7% Ertragszuwachs angehoben. Für die folgenden Geschäftsjahre werden Gewinnwachstumsraten von 70% und 50% vorhergesagt. Die Marktbereinigung sei nach dem Kursverfall seit März weitgehend beendet, sagen die Analysten. Sie raten den Anlegern dazu, nun wieder etwas spekulativere Papiere ins Depot aufzunehmen, deren Wertverfall nicht durch Fundamentaldaten gerechtfertigt gewesen sei.

Langfristig optimistisch ist auch die Fondsgesellschaft Union Investment. Zum Herbst und Winter seien deutlich höhere Kurse zu erwarten, wenn neue Quartalszahlen zeigten, dass die Firmen auf Kurs sind. "Bis Jahresende sind 25% Zuwachs drin", meint Sprecher Rolf Drees. Ähnlich wird die Entwicklung bei der Commerzbank eingeschätzt. Bei anhaltend starker Volatilität werde der Nemax-All-Share-Index in diesem Jahr in Richtung 6000 bis 7000 Punkte laufen, sagt Analyst Thomas Effler. Wenn sich Indexschwergewichte wie EM.TV, Qiagen und T-Online gut entwickelten, "könnten wir im kommenden Jahr wieder die Marke von 8500 Punkten sehen", prognostiziert Effler.

Dagegen rechnet Julius-Bär-Portfoliomanager Thomas Röder damit, dass die Seitwärtsbewegung noch einige Monate anhält. "Wir halten Cash-Positionen bereit." Erst im Herbst gehe es wieder aufwärts. Im Gesamtjahr werde der Index 20% zulegen. Vom jetzigen Niveau wäre dies noch ein Anstieg um rund 10%. Wegen der schlechten Kursentwicklung vieler neu an die Börse gekommener Werte fordert die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) Nachbesserungen an den Regeln für den Neuen Markt. Kritisiert wird vor allem die fehlende Prüfung der Börsentauglichkeit durch die Deutsche Börse AG und die Emissionsbanken. "Bei Neuemissionen ist ein deutlicher Qualitätsverlust festzustellen", moniert SdK-Vorstandsmitglied Markus Straub.

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