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Neuer Modus für Qualifikation beschlossen

Indianapolis (dpa) - Noch vor der Premiere des geänderten Qualifikationsmodus in der Formel 1 stößt das neue Format auf Kritik. Während die Fahrer, die TV-Anstalten und die meisten Team-Verantwortlichen den Schritt begrüßen, maulen vor allem die Chefs der kleinen Rennställe.

Indianapolis (dpa) - Noch vor der Premiere des geänderten Qualifikationsmodus in der Formel 1 stößt das neue Format auf Kritik. Während die Fahrer, die TV-Anstalten und die meisten Team-Verantwortlichen den Schritt begrüßen, maulen vor allem die Chefs der kleinen Rennställe.

Nach langem Hin und Her hatten sich die zehn Teamchefs auf Drängen von Formel-1-Chef Bernie Ecclestone auf die Abschaffung des bei Medien und Zuschauern ungeliebten Einzelzeitfahrens geeinigt und ein neues System verabschiedet, das nun beim Grand-Prix-Wochenende in Silverstone (9.-11. Juli) eingeführt werden soll. Letzte Hürde ist die Sitzung des World Councils des Internationalen Automobil - Verbandes am 30. Juni, das den Vorschlag noch absegnen muss.

Der neue Modus löst das von vielen als langweilig kritisierte Einzelzeitfahren ab. Künftig gehen an jedem Samstag eines Formel-1-Wochenendes die Fahrer gemeinsam auf die Strecke zu zwei 25-minütigen Zeittrainings-Einheiten. Dazwischen gibt es eine Pause von zehn Minuten. In jeder Einheit dürfen die Fahrer je sechs Runden fahren. Damit kehrt die Formel 1 zu dem System zurück, das bis zur Einführung des Einzelzeitfahrens im vergangenen Jahr galt.

Einziger Unterschied: Die besten Zeiten aus erstem und zweitem Qualifikations-Training werden addiert. Dadurch müssen alle Fahrer in beiden Einheiten fahren. Neu ist auch: Nach der Qualifikation dürfen die Autos zum Rennen wieder aufgetankt werden. Das Einzelzeitfahren war 2003 eingeführt worden. Am Freitag fand eine Vor-Qualifikation statt, am Samstag wurden die Startlätze ausgefahren. Jeder Fahrer durfte nur eine Runde drehen. Seit dieser Saison fanden Vor- und Hauptqualifikationen gemeinsam am Samstag statt.

«Wir sind die Verlierer», sagte Paul Stoddart, Chef des finanzschwachen Minardi-Teams. Gemeinsam hatten er und Eddie Jordan vom gleichnamigen Rennstall mit ihrem Veto lange eine Einigung unter den Teamchefs, die ihre Beschlüsse einstimmig treffen müssen, verhindert. Stoddart und Jordan fürchten, nicht mehr so häufig im TV-Bild zu erscheinen und dadurch Sponsoren zu verlieren. Wenn alle Autos auf der Strecke sind, würden nur die Ferraris, Williams-BMW oder McLaren-Mercedes gezeigt, glaubt Jordan: «Ich konnte bisher meinen Sponsoren ein Element der Zeit im TV verkaufen. Ich habe das Gefühl, dass dies uns nun weggenommen wird.» «Man wird nie eine Einigung hinbekommen, die sich alle wünschen», meinte Weltmeister Michael Schumacher in Indianapolis zu dem Gezerre.

Insgesamt überwiegen die positiven Reaktionen - obwohl der Zeitpunkt der Regeländerung mitten in der Saison unglücklich ist. «Auf jeden Fall wird es ein Spektakel geben, wenn alle Autos auf der Strecke sind», sagte Ferraris Technischer Direktor Ross Brawn, der als Stratege der Scuderia seine Schlachtpläne für die Rennen an die neuen Gegebenheiten anpassen muss.

Die Piloten begrüßen, dass ihre Autos in der Qualifikation mit wenig Sprit fahren dürfen. «Wir haben uns das gewünscht, weil man dann den 100-prozentigen Vergleich hat», sagte Ferrari-Pilot Schumacher, einer von vier Sprechern der Fahrervereinigung. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen glaubt: «Man kann wieder abschätzen, welches Auto, welcher Fahrer den besten Job macht.»

RTL-Sportchef Manfred Loppe ist ebenfalls optimistisch: «Vom Spannungsbogen und der Dramaturgie ist der neue Modus ein Schritt nach vorn.» Dabei verliert der deutsche Formel-1-Sender Übertragungszeit und damit Werbefläche. Die bisherige Qualifikation dauerte zwei Stunden, nun nur noch eine Stunde. Schlecht gelebt hat RTL mit dem alten Modus allerdings nicht. Der Marktanteil bei den Samstag-Übertragungen stieg in dieser Saison auf 30 Prozent.

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