Neuer Pharmachef soll die Probleme im Arzneimittelgeschäft lösen
Bayer auf schwieriger Brautschau

Die Leverkusener Bayer AG will mit einem neuen Topmanager ihre schwierige Partnersuche im Arzneimittelgeschäft vorantreiben. Rückwirkend zum 1. Januar hat Wolfgang Plischke die weltweite Leitung der Bayer-Pharmasparte übernommen. Er verantwortete bisher das nordamerikanische Pharmageschäft des Konzerns.

bef DÜSSELDORF. Plischke wird als Nachfolger von David Ebsworth in den kommenden Monaten schwierige Verhandlungen mit Partnern für Allianzen oder Gemeinschaftsunternehmen führen müssen. Er wird voraussichtlich im Vorstand der künftig eigenständigen Healthcare-Gesellschaft eine Schlüsselrolle spielen.

Bayers Pharmasparte hatte im vergangenen Jahr einen herben Rückschlag erlitten, als sie das cholesterinsenkende Mittel Lipobay wegen gefährlicher Nebenwirkungen in Verbindung mit anderen Präparaten vom Markt nehmen musste. Des wichtigsten Umsatzträgers beraubt strebt sie nun die Zusammenarbeit mit anderen Pharmafirmen an. Der Konzern hält sich dabei alle Optionen offen: Entweder findet er einen Partner für das gesamte Healthcare- Geschäft oder er schmiedet Allianzen in Teilbereichen, möglicherweise für alle einzelnen Bereiche der Sparte.

"Kooperationen sind der einzige Weg, den Bayer im Pharmageschäft unter Schneiders Vorgaben gehen kann", sagt Analyst Andreas Theisen von West LB Panmure. Konzernchef Manfred Schneider hat vorgegeben, dass Bayer in Kooperationen die unternehmerische Führung behalten muss - ein Partner verlöre also das Sagen über sein Geschäft. "Es wird für Bayer schwierig, einen erfolgreichen Pharmakonzern zu finden, der nicht mehr eigenständig bleiben will", sagt Analyst Ludger Mues von Sal. Oppenheim.

Vorerst setzt Bayer auf Kooperationen in Einzelbereichen, um erste Erfolge vorzuweisen. Darauf deuten Verhandlungen mit Aventis über ein Zusammengehen bei biologischen Produkten hin. Ein Joint Venture würde beiden Konzernen vor allem Kostensenkungen bringen. Analyst Mues könnte sich vorstellen, dass es auch im restlichen Pharmageschäft letztlich auf mehrere solcher kleineren Allianzen hinausläuft statt auf einen großen Wurf.

Genau den aber bräuchte Bayer nach Einschätzung von Analyst Theisen: Nach dem Wegfall von Lipobay sei die Arzneimittel-Palette des Konzerns nicht mehr stark genug. Chancen etwa durch das neue Potenzmittel Vardenafil könnten diese Risiken nicht ausgleichen. Zudem fehle Bayer Vertriebskraft in den USA.

Diese Probleme soll bei den Leverkusenern nun Plischke angehen. Zu den Gründen für Ebsworths Abgang wollte sich Bayer nicht äußern. Analysten vermuten, er werde für einen Teil der Krise verantwortlich gemacht. Zudem sei es möglich, dass Bayer noch nicht öffentlich bekannte Probleme im Pharmabereich habe, die zur Trennung von Ebsworth führten. Auf jeden Fall kommt der Wechsel nach Ansicht Theisens zwei Wochen vor der geplanten Notiz der Bayer-Aktie an der Wall Street sehr ungünstig.

Der 50-jährige Plischke ist ein erfahrener Pharma-Manager. Er arbeitet seit 1980 für Bayer, stieg 1988 zum deutschen Pharma-Marketingchef des Konzerns auf und wurde drei Jahre später Chef des weltweiten Marketings. Nach fünf Jahren an der Spitze der Bayer-Tochtergesellschaft in Japan wechselte er im Jahr 2000 als Pharmachef in die USA.

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