Neuer Präsident pocht auf Einheit Jugoslawiens
Kostunica verstört mit Äußerungen den Westen

Ein unabhängiges Montenegro kann sich der neue jugoslawische Präsident genauso wenig vorstellen wie ein unabhängiges Kosovo. Er sei "Demokrat bis ins Mark" und Nationalist, sagte Kostunica.

rtr/dpa PARIS. Der neue jugoslawische Präsident Vojislav Kostunica hat sich erneut gegen eine Unabhängigkeit der Landesteile Montenegro und Kosovo ausgesprochen. Dem französischen Fernsehsender "TF1" sagte Kostunica, es gehe vielmehr darum, nach der Ablösung des Präsidenten Slobodan Milosevic ein demokratisches Regierungssystem im Verbund der beiden Teilrepubliken Serbien und Montenegro einzurichten. Montenegro boykottierte die jugoslawischen Präsidenten- und Parlamentswahlen am 24. September und erwägt seit längerem eine Unabhängigkeit von Jugoslawien. Auch ein unabhängiges Kosovo sei undenkbar, sagte Kostunica, der am Dienstag in Belgrad mit dem französischen Außenminister und EU-Ratspräsidenten Hubert Vedrine zusammenkommen wird. Ein Treffen mit dem Uno-Kosovo-Verwalter Bernard Kouchner lehtne Kostunica in scharfer Form ab. Er warf der Uno vor, nichts für die Rückkehr der geflohenen Serben ins Kosovo unternommen zu haben.

Mit der Vereidigung Kostunicas zum Präsidenten Jugoslawiens war am Samstag die 13-jährige Ära des sozialistischen Präsidenten Slobodan Milosevic zu Ende gegangen. Kostunica hatte sich für einen demokratischen Neuanfang ausgesprochen. Kostunica sagte TF1, die Lösung der Kosovo-Frage werde er nicht albanischen Separatisten überlassen. Sie müsse vielmehr im Rahmen der Uno-Resolution erfolgen, die die Souveränität und territoriale Integrität der Bundesrepublik Jugoslawien garantiere. Die serbische Provinz Kosovo, die mehrheitlich von Albanern bewohnt wird, steht seit dem Ende des Nato-Krieges gegen Jugoslawien Mitte vergangenen Jahres unter Verwaltung der Vereinten Nationen.

"Demokrat bis ins Mark und Nationalist"

Kostunica sagte, er sei kein Anhänger eines Großserbiens, wie es sein Vorgänger Milosevic propagiert habe. "Ich bin Demokrat bis ins Mark, aber gleichzeit ein Nationalist, so wie es auch Franzosen, Amerikaner oder andere sind", fügte er hinzu. Ihm gehe es dabei um die Zukunft seines Landes und nicht um Chauvinismus. Jugoslawien wolle sich gegenüber Europa und der Welt öffnen, sagte der jugoslawische Präsident.

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