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Neuer Prozess um Srebrenica-Massaker geplant

Die Massaker an moslemischen Zivilisten bei der bosnischen Stadt Srebrenica im Sommer 1995 sollen im Mittelpunkt eines neuen Prozesses vor dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag stehen. Dies geht aus einer Erklärung von Chefanklägerin Carla Del Ponte vom Donnerstag hervor.

dpa DEN HAAG. Bei der ersten richterlichen Vorführung des am vorigen Freitag festgenommenen bosnischen Serben Vidoje Blagojevic (51) beantragte sie, dass er sich zusammen mit zwei weiteren inhaftierten Serben in einem gemeinsamen Prozess verantworten solle.

Dabei handelt es sich um den im April festgenommenen Dragan Obrenovic und um den erst am Mittwochabend an das Tribunal ausgelieferten Dragan Jokic. Alle drei leiteten Einheiten, die an der Erstürmung der früheren UN-Schutzzone für Moslems im Juli 1995 beteiligt waren.

Der Angriff auf Srebrenica war vom Drina-Korps ausgeführt worden. Dessen Kommandeur, General Radislav Krstic, ist vor zwei Wochen vom Tribunal vor allem wegen der Massaker bei Srebrenica zu 46 Jahren Haft verurteilt worden.

Massaker an 8 000 Moslems

Etwa 8 000 Moslems waren nach der Erstürmung Srebrenicas durch serbische Soldaten bei Massenexekutionen umgebracht oder auf der Flucht wahllos ermordet worden. Die Ermordung von vorwiegend Männern im wehrfähigen Alter habe die Existenz einer Moslem-Gemeinschaft im Raum Srebrenica für die Zukunft unmöglich machen sollen, stellte das Gericht bei der Begründung des Urteils für Kristic fest.

Als Hauptverantwortliche für das schwerste Verbrechen im Bosnienkrieg sehen die Ankläger des Tribunals den damaligen Serbenführer Radovan Karadzic und dessen Militärführer General Ratko Mladic an. Beide sind des Völkermords angeklagt, befinden sich aber weiter auf freiem Fuß.

Blagojevic erklärte sich am Donnerstag zu den Anklagen des Völkermords, der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Verstöße gegen das Kriegsvölkerrecht für unschuldig. Der jetzt 51 Jahre alte Oberst hatte 1995 unter Krstic die Bratunac Brigade des Drina-Korps geführt. Obrenovic (37) war als Major zeitweilig amtierender Chef der Zvornik-Brigade unter Krstic. Ihm wird insbesondere Beihilfe zum Völkermord zur Last gelegt. Jokic war als Major Chef der Pioniere in dieser Brigade unter dem Kommando von Obrenovic. Der jetzt 43-Jährige wird der Verbrechen gegen die Menschlichkeit und der Verstöße gegen das Kriegsvölkerrecht beschuldigt, aber nicht des Völkermords. Er ist dem Richter noch nicht vorgeführt worden.

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