Neuer Rückschlag für Friedensprozess
Kind bei Anschlag in Israel getötet

Bei einem bewaffneten Angriff in Israel haben Palästinenser ein siebenjähriges Mädchen getötet und damit dem Friedensprozess in Nahost einen weiteren Rückschlag versetzt.

Reuters GAZA. Sanitäter berichteten am Dienstagabend, die Angreifer hätten in der Nähe des Westjordanlandes auf einer Straße in der Nähe des Kibbuz Ejal ein Auto beschossen. Dabei seien das Mädchen getötet sowie ihre jüngere Schwester und ihr Vater verletzt worden. Der Anschlag ereignete sich nur wenige Tage vor der für Freitag erwarteten Ankunft von US-Außenminister Colin Powell in der Region, der die Umsetzung eines internationalen Nahost-Friedensplans sichern will. Kurz vor der Tat hatte sich der palästinensische Ministerpräsident Mahmud Abbas vergeblich darum bemüht, radikal-israelfeindliche Palästinenser-Gruppen zu einer Waffenruhe zu bewegen.

Zu dem Angriff in Israel bekannte sich zunächst niemand. Die Armee machte militante Palästinenser für die Tat verantwortlich. Die durch einen Selbstmordanschlag der israelfeindlichen Hamas ausgelöste jüngste Gewaltwelle hat den von US-Präsident George W. Bush unterstützten Friedensplan in Frage gestellt. Der von den USA, den Vereinten Nationen (UNO), der Europäischen Union (EU) und Russland ausgearbeitete Plan fordert ein Ende der Gewalt, damit bis 2005 ein Palästinenser-Staat gegründet werden kann.

Vorschlag für Waffenruhe

Nach unbestätigten Berichten des israelische Fernsehsenders Channel One hat Ministerpräsident Ariel Scharon über seine Berater Dow Weisglass und Awi Dichter US-Regierungsvertretern in Washington einen Vorschlag für eine Waffenruhe mit den Palästinensern unterbreiten lassen. Demnach will Israel gezielte Angriffe auf militante Palästinenser drei bis vier Wochen aussetzen. In der Zwischenzeit solle Abbas Gelegenheit gegeben werden, gegen radikale Kräfte in den eigenen Reihen vorzugehen.

Abbas war mit Vertretern von 13 militanten Gruppen in Gaza-Stadt zusammengekommen. "Was den Waffenstillstand angeht, so wird darüber weiter diskutiert, und wir haben bislang keine Antwort", sagte Ismail Abu Schanab, ein Führungsmitglied der Hamas, die für viele Selbstmordanschläge in Israel verantwortlich ist. Eventuell werde es aber am Mittwoch noch separate Gespräche der Hamas mit Abbas geben.

Mohammed el Hindi, ein hochrangiges Mitglied der ebenfalls radikal-israelfeindlichen Gruppe Islamischer Dschihad sagte nach dem Treffen: "Wir haben erneut nachdrücklich darauf hingewiesen, dass Widerstand ein legitimes Recht unseres Volkes ist." US-Außenminister Powell will am Freitag Vertreter Israels und der Palästinenser treffen, um über die Umsetzung des Friedensplans zu sprechen.

Spekulationen über Freilassung von Fatah-Funktionär

In israelischen Medien wurde unterdessen darüber spekuliert, dass im Rahmen einer Waffenruheverinbarung auch der in Israel inhaftierte Palästinenser-Anführer Marwan Barghuthi aus israelischer Haft freikommen könne. Barghuthi, ein hochrangigen Funktionärs der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Jassir Arafat, steht in Israel vor Gericht. Die Justiz wirft ihm vor, für die Ermordung von 26 Israelis durch Anschläge palästinensischer Selbstmordattentäter verantwortlich zu sein. Barghuthi hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Die Palästinenser-Führung bezeichnet das Verfahren als Schauprozess. Aus dem Umfeld der Familie Barghuthis verlautete, seine Frau habe von Arafat erfahren, dass der Inhaftierte binnen 48 Stunden freikommen solle. In israelischen Regierungskreisen wurden die Berichte dementiert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%