Neuer Service soll Schäden vermeiden
Unwetterwarnung per Handy

Die persönliche Wettervorhersage per SMS, E-Mail oder Fax ist da. Künftig kann sich jeder vor Unwettern an seinem Aufenthaltsort warnen lassen. Ein dichtes Netz von Wetterstationen in ganz Deutschland macht es möglich, Blitz, Hagel und Sturm auf zwei Kilometer genau zu prognostizieren. Lange bevor ein Unwetter aufzieht, schicken Experten die Warnungen per SMS aufs Handy.

HB MÜNCHEN. Der Service stand bislang nur wenigen Tausend Hausbesitzern und einzelnen Feuerwehren offen, die von der Versicherungskammer Bayern für einen Test ausgewählt worden waren. Vom 1. November an können alle Kunden der deutschen öffentlichen Versicherer das Angebot für acht Euro im Jahr inklusive der Telefongebühren nutzen.

Das Prinzip ist einfach: Die Wetterstationen von Jörg Kachelmanns Meteomedia AG erfassen Daten in ganz Deutschland. Die Nutzer des Services erhalten umgehend die auf ihr Gebiet zugeschnittene Unwetterwarnung, falls sich etwas zusammenbraut. Damit das System weiß, wo sich der Nutzer gerade aufhält, ist eine Anmeldung übers Telefon oder Internet nötig. Die Wettervorhersage ist damit wesentlich präziser als bisher, weil sie sich in der Regel auf Landkreise oder einzelne Orte bezieht.

Eine halbe Million Euro hat die Entwicklung des Systems gekostet, das die öffentlichen Versicherer unter Führung der Versicherungskammer Bayern aufgebaut haben. Meteomedia liefert die Wetterdaten, das Berliner Fraunhofer für Software- und Systemtechnik-Institut sorgt für die technische Abwicklung.

Die Versicherer haben ein großes Interesse an einem gut funktionierenden Unwetterwarnsystem. In den vergangenen fünf Jahren hat sich allein bei der Versicherungskammer Bayern die Schadenssumme durch Unwetter fast verfünffacht. Wer früh über heranziehende Stürme informiert ist, kann sein Hab und Gut in Sicherheit bringen, so das Kalkül der Assekuranzen. Das kommt letztlich auch den Versicherten zugute. Versicherungskammer-Vorstand Walter Lechner: "Es geht darum, die Beiträge stabil zu halten." Wie stark sich die Schäden durch das neue System senken lassen, wollte Lechner nicht sagen. Bis 2008 rechnet der Manager mit rund einer halben Million Nutzern.

Der Meteorologe Kachelmann erwartet sich von dem System einen verbesserten Schutz. "Es ist grotesk, wie viele Leute in Deutschland durch Unwetter sterben", sagt er. Man könnte viele Verletzungen und Todesfälle verhindern. Neben Hausbesitzern soll das Angebot vor allem Feuerwehren helfen. "Es ist wichtig, dass die Warnung frühzeitig eintrifft und präzise für einzelne Orte ist", betont Karl Binai, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Bayern. So könnten die Einsatzkräfte rechtzeitig entscheiden, wann etwa Festzelte geräumt werden müssten. Die Feuerwehr in Baden-Baden habe bei einem Test gute Erfahrungen gemacht, unterstreicht Ausbildungsleiter Andreas Wilhelm.

Künftig sei es möglich, dass der Aufenthalt der Nutzer durch das Satelliten-System GPS bestimmt werde. Damit könnte die Warnung auch auf das Navigationssystem des Autos geschickt werden, sagt Fraunhofer-Forscher Herbert Weber. Derzeit muss man, um die Warnungen für verschiedene Orte unterwegs zu erhalten, vor Aufbruch seine Route angeben. Bislang ist nicht geplant, den deutschlandweiten Service auf das angrenzende Ausland auszudehnen.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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