Neuer Spezialversicherer SRIR in Luxemburg freut sich über große Nachfrage
Angebote für Terror-Versicherung reichen nicht aus

Direkt nach dem 11. September haben Versicherer Terrorschutz aus den Verträgen gestrichen. Mittlerweile gibt es in mehreren Staaten wie in Frankreich staatlich gedeckte Terror-Versicherer. Aber auch die Privatwirtschaft hat den Terrorschutz als lukrativen Nischenmarkt entdeckt. Doch die Nachfrage ist größer als das Angebot.

DÜSSELDORF/LUXEMBURG. Knapp ein Jahr nach den Attacken vom 11. September gibt es am Markt wieder eine Reihe Versicherer, die Sachwerteschutz gegen Terror-Risiken anbieten. In Deutschland scheint zudem der Start des staatlich gedeckten Terror-Versicherers Extremus wie geplant im September über die Bühne zu gehen - auch wenn nach wie vor steuerliche Fragen offen sind.

"Wir sind optimistisch, dass wir unser Ziel einhalten können", sagte Dirk Haarbrücker, der Vorstandsmitglied des in Köln angesiedelten Spezial-Versicherers Extremus werden soll. Ein Sprecher des Finanzministeriums erklärte auf Anfrage "er erwarte eine Einigung Mitte August".

Auch in Luxemburg wartet man gespannt auf den Start von Extremus. "Wir wollen wissen, welchen Schutz Extremus konkret bietet, damit wir ergänzende Angebote machen können", sagte Alan L. May, Vorstandsvorsitzender Special Risk Insurance and Reinsurance S.A. (SRIR), eines auf Terror-Risiken spezialiserten Versicherers. Die Neugründung ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Allianz, Hannover Rück, Scor, Swiss Re, XL Capital und Zurich Financial Services.

Gerade für Sachwerte seien private Terror-Deckungen derzeit "knapp und sehr teuer", schreiben die Autoren des Branchendienstes Betterley Report. Die zur Verfügung stehenden Kapazitäten reichten nicht aus, um die Nachfrage zu decken. Daher besteht für Kunden die Gefahr, keine Deckung mehr kaufen zu können, wenn sie zu lange warten, wie die Autoren erklären. Zudem deckten die derzeitigen Marktangebote das Risiko Betriebsunterbrechung nur unzureichend ab.

Die staatliche gedeckte Extremus soll Industriekunden Sachwertschutz und Betriebsunterbrechungspolicen für Terror-Risiken in Deutschland mit Deckungssummen ab 25 Mill. Euro anbieten. Die Gesellschaft gibt ihr Risiko in drei Stufen weiter: die ersten 1,5 Mrd. Euro an deutsche Versicherer, die zweiten 1,5 Mrd. Euro an internationale Rückversicherer, ab Schäden über drei Mrd. Euro haftet der Staat mit weiteren 10 Mrd. Euro.

Steuerfragen offen

Offen sind allerdings noch zwei steuerliche Fragen, welche die Versicherungswirtschaft vor dem Start von Extremus geklärt haben will: So möchten die Versicherer für die Großrisiken die Prämien steuerfrei zurück legen können. Dies sei notwendig, weil die Gesellschaft einen möglichen Terrorschaden von maximal 1,5 Mrd. Euro nicht in einem Geschäftsjahr auffangen könne, sagt Stefan Richter, Geschäftsführer für Schaden/Unfallversicherung beim Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass hier bald eine Lösung gefunden werde, angesichts "positiver Signale aus dem Bundesministerium der Finanzen."

Ungeklärt ist ferner, ob auf die Policen die volle Feuerschutz- (6 %) und Versicherungssteuer (16 %) fällig wird. Da der Staat für seinen Anteil an der Deckung weitere 9 % (später sogar 14 %) der Beiträge kassieren wird, würden damit insgesamt 31 bis 36 % der Prämien in staatliche Kassen fließen. Die Klärung dieser Frage sei für die Tarifkalkulation notwendig, betont Richter. Derzeit laufe eine Anfrage bei der zuständige Steuerbehörde in Köln.

Das Interesse an Terrorschutz ist groß. "Wir haben bereits 67 Anfragen bekommen und 15 Angebote versandt", sagte SRIR-Chef May. Das Unternehmen hat am 1. Juli die Geschäfte aufgenommen. "Ich erwarte Prämieneinnahmen von 50 bis 100 Mill. Euro bis Ende nächsten Jahres", fügte May hinzu.

Viele Anfragen kämen aus den USA. Allerdings konzentriert sich das Angebot des Spezialversicherers auf das Gebiet der Europäischen Union, daher will die SRIR allenfalls die Sachwerte der europäischen Töchtern von US-Unternehmen versichern. Auch das Interesse aus Deutschland sei groß.

"Wir zielen auf die multinationalen Unternehmen ab, die bei den jeweiligen staatlich gedeckten Systemen wie in Frankreich oder England nur Schutz für ein Land bekommen", erklärt May. Die SRIR versichert Gebäude gegen Terrorschäden bis 275 Mill. Euro pro Risiko. Neu aufgenommen wurde eine Betriebsunterbrechungversicherung, deren Deckung maximal 35 % des versicherten Sachschadens umfasst. Beispiel: Bei einem versicherten Sachschaden von 100 Mill. Euro bietet SRIR eine Betriebsunterbrechungsdeckung von 35 Mill. Euro an. Ein Preisbeispiel: Ein Stadion in einer europäischen Hauptstadt mit Wert von 150 Mill. Euro würde bei 1,5 Mill. Euro Selbstbehalt laut May rund 160 000 bis 190 000 Euro Prämie pro Jahr kosten.

Der SRIR-Chef rechnet mit anhaltend hoher Nachfrage nach Terror-Schutz: "Die Geldgeber wie Banken oder die Aktionäre werden genau nachfragen, ob Vermögenswerte vor einer Zerstörung durch Terror abgesichert sind." Diese Einschätzung teilen die Experten des Betterley Reports. Sie erwarten, dass künftig mehr Versicherer in diesen lukrativen Nischenmarkt einsteigen und die Preise daher langfristig sinken werden - vorausgesetzt, es geschieht keine weitere Terror-Attacke.

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