Neuer Telefon-Anschluss nur noch nach Kostenvoranschlag
Telekom will Kunden zur Kasse bitten

Die Deutsche Telekom versucht, Kosten für Einrichtung und Betrieb der Telefonanschlüsse auf die Kunden umzulegen. So soll die Neueinrichtung eines Anschlusses künftig komplett vom Kunden bezahlt werden.

BERLIN. Dreimal umziehen ist wie einmal abgebrannt, weiß der Volksmund. Künftig wird die Einrichtung einer neuen Wohnung für viele Menschen noch teurer: Zahlten sie bisher für den Telefonanschluss in der neuen Wohnung 44,45 Euro plus Mehrwertsteuer, kommen künftig unkalkulierbare Zusatzkosten hinzu: Immer dann nämlich, wenn es in der neuen Wohnung noch keinen Telefonanschluss gibt und der Kunde lediglich einen einfachen analogen Telefonanschluss haben möchte. Wie das Handelsblatt aus Unternehmenskreisen erfuhr, will sich die Telekom in diesen Fällen alle Arbeiten, vom Verlegen der Leitung bis zur Telefonsteckdose, zusätzlich zur Pauschalgebühr bezahlen lassen.

Auf Anfrage bestätigte die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post, dass ihr ein Antrag der Telekom vorliege, den sie am 2. Oktober im nächsten Amtsblatt veröffentlichen werde. Inhaltlich wollte ein Behördensprecher nichts zum Thema sagen. Die Regulierungsbehörde muss sämtliche Preise der Telekom absegnen, solange das Unternehmen marktbeherrschend ist. Bei Telefonanschlüssen hält der Exmonopolist noch einen Marktanteil von 97 %. Die Telekom selbst war gestern bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Altlast aus Monopolzeiten

Die Preiserhöhung ist ein weiterer Schritt der Telekom, im deutschen Festnetz Preise und Kosten neu auszubalancieren und damit eine Altlast aus Monopolzeiten, das sogenannte Anschlussdefizit, zu beseitigen. Bei den staatlichen europäischen Telekoms war es üblich, dass aus sozialen Gründen die Telefonanschlüsse möglichst billig angeboten wurden. Die Telefongesellschaften holten das Defizit über die Preise für Gesprächsminuten, vor allem für Ferngespräche, wieder herein. Seit der Öffnung des Telefon-Festnetzes für Wettbewerb Anfang 1998 versucht die Telekom, alle Kosten des Anschlusses eindeutig für dieses Angebot zu kassieren. Der Grund: Der Wettbewerb hat zu einem Unterbietungs-Wettbewerb bei den Minutenpreisen geführt.

Zuletzt hatte die Telekom im Mai die monatliche Grundgebühr angehoben. Eine weitere Erhöhung um 1 Euro pro Monat in den ersten Monaten des kommenden Jahres wird derzeit Telekom-intern diskutiert. Das würde dem Unternehmen Mehreinnahmen von etwa 500 Mill. Euro jährlich bescheren. Wie zu hören ist, beträgt das Anschlussdefezit noch immer 4 Mrd. Euro pro Jahr. Die Telekom will mit der Erhöhung der Grundgebühr gleichzeitig einen Streit mit der EU-Kommission beenden. Die Kommission hatte Ermittlungen gegen das Unternehmen aufgenommen, weil die Telekom zur Zeit ihren eigenen Kunden den ganzen Telefonanschluss billiger anbietet als den Wettbewerbern die "letzte Meile" Kupferdraht.

Verdacht der EU-Kommission

Die EU-Kommission hegt den Verdacht, dass die Grundgebühr der Telekom ein Dumpingpreis ist, da der Preis für das Vorprodukt "letzte Meile" vom Telekom-Regulierer auf Basis der Kosten festgelegt wurde. Die Telekom ihrerseits will jedenfalls unbedingt vermeiden, dass ihre Wettbewerber die Anschlüsse billiger mieten können als heute. Daher bleibt ihr nur der Weg, den Anschluss für ihre eigenen Kunden zu verteuern.

Neben den Mehreinnahmen hätte dies aus Telekom-Sicht einen weiteren positiven Effekt: Sie könnte neuen Ortsnetz-Wettbewerbern leichter Paroli bieten. Ab 1. Dezember gilt, ebenfalls auf Druck der EU-Kommission, eine Änderung des Telekommunikationsgesetzes. Danach können Wettbewerber Call-by-Call-Gespräche auch im Ortsnetz anbieten. Die Telekom, aber auch konkurrierende Stadtnetzbetreiber wie Netcologne und Hansenet, fürchten neue Konkurrenz durch Anbieter, die ohne Netz-Investitionen Ortsgespräche billiger anbieten können als die Netzbetreiber. Wenn die Telekom höhere Grundgebühren für den Anschluss kassiert, kann sie bei sinkenden Gebühren für Ortsgespräche besser mithalten.

Endgültig entschieden ist Telekom-intern noch nicht, ob und wie stark die Grundgebühr erhöht werden soll. Eines hat sich allerdings geändert: Seit das Unternehmen unter hohen Schulden leidet, hält seine Führung Preiserhöhungen prinzipiell für durchsetzbar. Zuvor die Telekom zu sehr den Volkszorn gefürchtet, um überhaupt über Preiserhöhungen nachzudenken.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
Handelsblatt / Korrespondentin
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