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Neuer Terroranschlag "fast sicher"

US-Vizepräsident Richard Cheney hält einen neuen Terror-Angriff auf die USA für "fast sicher". "Es ist keine Frage ob, sondern wann", sagte Cheney am Sonntag. Er könne sich "morgen, kommende Woche oder im nächsten Jahr ereignen. Und wir müssen darauf vorbereitet sein."

dpa WASHINGTON. Cheney unterstrich damit im US-Fernsehen Befürchtungen der Geheimdienste. Sie haben einen erhöhten Informationsaustausch zwischen Angehörigen des Terrornetzwerks El Kaida von Osama bin Laden beobachtet. Die Nationale Sicherheitsberaterin Condoleeza Rice sagte, solche "Spitzen" im Informationsfluss träten von Zeit zu Zeit auf. Es handele sich nicht um eine völlig neue Entwicklung.

Die Drohungen, die einen so schweren Anschlag wie am 11. September oder sogar einen noch schlimmeren vermuten ließen, seien aber nur vage. Es fehlten Indizien für Zeitpunkt, Ort und Art eines möglichen geplanten Anschlags. Den Geheimdienst-Informationen zufolge könnten auch Europa und die arabische Halbinsel Ziele von Anschlägen sein. Einige der Informationen stammen von in Afghanistan gefassten El- Kaida-Kämpfern.

Die US-Behörden baten Immobilienmakler um erhöhte Aufmerksamkeit, wie der US-Nachrichtensender CNN berichtete. Es gebe Hinweise, dass Führungsmitglieder der El Kaida darüber gesprochen hätten, Wohnungen in verschiedenen Teilen des Landes anzumieten und dort Bomben zu legen. Im Gebiet von Orlando (Florida), wo sich einige der bekanntesten Vergnügungsparks der USA befinden, haben die Verantwortlichen Rundfunkberichten zufolge besondere Maßnahmen zum Schutz der Wasserversorgung getroffen.

Cheney und Rice räumten nach der Enthüllung schwerer Pannen bei der Terroristenbekämpfung ein, dass eine Verbesserung dringend erforderlich sei. Sie reagierten jedoch kühl auf Vorschläge aus dem Kongress, eine unabhängige Arbeitsgruppe zur Untersuchung der Mängel und Erarbeitung von Vorschlägen einzusetzen. Sie plädierten dafür, die Analyse aus Rücksicht auf die Vertraulichkeit vieler Informationen den Geheimdiensten und im Kongress den Geheimdienst- Ausschüssen zu überlassen.

Drei Viertel der US-Bürger machen das Bundeskriminalamt FBI und den Geheimdienst CIA in einer Meinungsumfrage dafür verantwortlich, dass es zu den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon kam. Das hat nach einem Bericht des Fernsehsenders ABC schon personelle Konsequenzen. Der Chef der CIA-Gegenspionage, Cofer Black, muss gehen. Er wird offenbar für die mangelhafte Abstimmung zwischen den einzelnen Behörden mitverantwortlich gemacht.

US-Präsident George W. Bush ist unter Druck geraten, weil er nach Ansicht der oppositionellen Demokraten auf eine Serie von Warnzeichen nicht ausreichend reagiert hat. In der Umfrage des Nachrichtenmagazins "Newsweek" gaben 73 % der Befragten Bush ungeachtet der Kontroverse gute Noten für seine Amtsführung. 48 % waren der Auffassung, dass Bush alles getan habe, was er konnte. 39 % waren anderer Meinung.

Nach Medienberichten hatte eine Arbeitsgruppe der US-Regierung schon zwei Jahre vor den Anschlägen auf das World Trade Center und das Pentagon vor einer solchen Möglichkeit gewarnt. Das FBI habe seit mehreren Jahren gewusst, dass Osama bin Laden und seine El-Kaida - Organisation Piloten in den USA und anderen Ländern ausbilden ließen.

Die "Washington Post" berichtete, Präsident Bush sei am 6. August 2001 von den Sicherheitsdiensten ausdrücklich auf das Ziel der Terroristen hingewiesen worden, "den Kampf nach Amerika zu tragen". Dies steht im Gegensatz zu Angaben des Weißen Hauses, das Schwergewicht habe auf Gefahren im Ausland gelegen.

Bush-Sprecher Ari Fleischer hat bestätigt, dass am 10. September, einen Tag vor den Terroranschlägen, ein Aktionsplan gegen das El- Kaida-Netzwerk fertig war. Das Dokument habe aber noch nicht auf dem Tisch des Präsidenten gelegen. Weil die Pläne detailliert vorlagen, hätten die USA nach den Anschlägen so prompt reagieren können, berichteten US-Medien. Der Krieg gegen die Taliban begann am 7. Oktober mit den ersten Bombardierungen, knapp vier Wochen nach den Anschlägen.

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