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Arbeitgeber wollen Asylbewerber behalten Dass die Schweiz eine Insel inmitten der EU ist, weiß jeder. Dass sie als solche bislang mit Asylbewerbern auf eigene Faust zurecht kommen muss und sie nicht an eine EU-Außengrenze abschieben kann, ist auch klar.

Arbeitgeber wollen Asylbewerber behalten

Dass die Schweiz eine Insel inmitten der EU ist, weiß jeder. Dass sie als solche bislang mit Asylbewerbern auf eigene Faust zurecht kommen muss und sie nicht an eine EU-Außengrenze abschieben kann, ist auch klar. Dass Asylsuchende bei den Eidgenossen, die ansonsten sehr ängstlich auf die Wahrung ihres Wohlstands bedacht sind, manchmal ungewohnt offene Unterstützung finden, ist neu.

Aus dem westschweizer Kanton Waadt ist jetzt ein solcher Fall zu berichten. Dort haben sich mehr als 30 Arbeitgeber zusammengetan und der Kantonsregierung schriftlich mitgeteilt, dass sie die bei ihnen angestellten, aber abgewisenen Asylbewerber nicht wie gefordert entlassen wollen. Auch die Gewerkschaft macht sich für die Anliegen der Betroffenen stark, die aus Bosnien, Irak und Sierre Leone stammen. Darüber hinaus geht es um 175 Beschäftigte aus Eritrea und Äthiopien.

Am 28. April hatte die Kantonsregierung bekannt gegeben, dass den abgewiesenen Asylbewerbern die Arbeitserlaubnis zum Ende des Monats Juli entzogen wird. Ihre Gründe zur Flucht in die Schweiz waren zuvor als nicht stichhaltig eingestuft worden. Allerdings stockt die Abschiebung, weil sich die Heimatländer der Menschen nur bereit erklären, sie wieder aufzunehmen, wenn sie freiwillig kommen. Und das will niemand der Betroffenen. In der Schweiz droht solchen Menschen bisher eine Abschiebe-Verwahrung - etwa in einer ausgedienten unterirdischen Festungsanlage. Dort sollen es sich die Asylbewerber anders überlegen und freiwillig die Heimreise antreten.

Die Initiative der Arbeitgeber verhindert diese Vorgehensweise jetzt bis auf weiteres. Die Firmenchefs kritisieren das Arbeitsverbot in juristischer und humanitärer Hinsicht und sind auch bereit für ihre Haltung "gemaßregelt" zu werden. Teile der Bevölkerung und des regionalen Parlaments haben sich inzwischen mit ihnen solidarisiert.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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