Neuer Verdacht gegen US-Wissenschaftler bei Anthrax-Ermittlung
Bush-Regierung dementiert Terrorabwehr-Pannen

Das Weiße Haus hat Medienberichte dementiert, wonach ein Plan zur Bekämpfung des El-Kaida-Netzwerks von der neuen Bush-Regierung Anfang 2001 verschleppt worden sei.

coh/HB WASHINGTON. Gleichzeitig erhärteten sich Indizien, dass die Milzbrand-Anschläge im Herbst von einem Wissenschaftler des US-Militärs verübt wurden und nicht wie ursprünglich vermutet von ausländischen Terroristen.

Nach einem Bericht des "Time"-Magazin hatte die Vorgängerregierung von Bill Clinton einen detaillierten Bericht über El Kaida hinterlassen, der monatelang in den Tiefen der Bürokratie verschwunden sei. Darin sei nicht nur auf die enorm hohe Gefahr der Terroristengruppe hingewiesen worden. Vielmehr enthalte der Regierungsbericht auch einen konkreten Plan zur Bekämpfung von El Kaida in Afghanistan. Bill Clintons Top-Terrorexperte Richard Clarke habe der damals neuen Nationalen Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice seine Einschätzung der Gefahr durch El Kaida geschildert und einen konkreten Plan gegen das Terrornetzwerk erläutert. Ein Sprecher des Weißen Hauses, Sean McCormack, erklärte zu dem Bericht, die Clinton-Regierung habe der neuen Regierung keinen "aggressiven" neuen Plan zur Bekämpfung der El Kaida übergeben. Vielmehr sei die neue Regierung nur allgemein über die Bedrohung informiert worden.

Doch Clintons Sicherheitsberater Sandy Berger sagte laut "Time"- Magazin, er habe die neue Regierung genau über die Bedrohung durch El Kaida informieren und konkreten Pläne vorlegen lassen. So wurde eine massive Unterstützung der Nordallianz im Kampf gegen das Taliban-Regime in Afghanistan angeregt, das El Kaida Zuflucht gewährte. Des weiteren wurden verdeckte Operationen gegen Terrorzellen in Afghanistan empfohlen, gefolgt von Luftangriffen und auch der Einsatz von Bodentruppen. Gleichzeitig sollten die Finanzströme des Netzwerks unterbrochen werden. "Time" zitierte einen Mitarbeiter der neuen Regierung mit den Worten, alles was Präsident George W. Bush nach dem 11. September im Kampf gegen El Kaida und die Taliban unternommen habe, sei in dem Plan bereits empfohlen worden.

Zu schleppend geht vielen Amerikanern auch die Untersuchungen der Milzbrand-Fälle voran, die die USA im Herbst in Angst versetzten. Nun verdichtet sich der Verdacht gegen einen US-Wissenschaftler als Urheber der Anschläge mit Anthrax-Briefen. Bei der Durchsuchung eines Apartments des 48-jährigen Steven Hatfill hätten Spürhunde heftig angeschlagen, berichtete "Newsweek". "Die sind durchgedreht", zitierte das Magazin einen Polizeibeamten.Der Verdächtige hat in einem der wichtigsten Bio-Tech-Labors des US-Militärs gearbeitet. Hoffnungen der Öffentlichkeit, dass es nun zu Verhaftungen kommt, bremsten die Ermittler jedoch: "Wir sind immer noch weit entfernt von irgendeinem Beweis, der vor Gericht Bestand hätte."

Quelle: Handelsblatt

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