Neuer Vorstand
Klöckner-Millionen aufgespürt

Nach der jüngsten Ungewissheit über den Verbleib von 120 Mill. ? aus der Konzernkasse der Klöckner & Co AG (KlöCO) sind nach Angaben des Duisburger Werkstoffhändlers bislang 56,5 Mill. ? wieder aufgetaucht.

rtr DUISBURG. Die Sonderuntersuchung der Wirtschaftsprüfer von KPMG habe ergeben, dass 120 Mill. ? auf Konten der Klöckner Ltd gebunden gewesen seien, ein nach der Übernahme durch die schweizer Balli-Gruppe gegründetes Unternehmen, sagte ein Firmensprecher am Dienstag. Ein Betrag von 56,5 Mill. ? konnte nach den Angaben durch die Staatsanwaltschaft gesperrt werden. Der Verbleib der restlichen Mill. sei indes unklar.

Ende Februar hatte KlöCo mitgeteilt, 120 Mill. ? seien aus der Konzernkasse verschwunden und die KPMG mit einer Sonderprüfung beauftragt worden. Unterdessen leitete die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen Verantwortliche von Balli und KlöCo ein. KlöCo-Chef Raimund Müsers wurde bereits als Beschuldigter vernommen.

Nach Abschluss der staatsanwaltlichen Ermittlungen werde der Konzern gegebenenfalls strafrechtlich "gegen Organe und Dritte" vorgehen, sagte der Firmensprecher weiter ohne nähere Angaben zu machen.

Wenngleich die Hoffnung bestehe, weiterer Mill. habhaft zu werden, habe KlöCo hohe Wertberichtigungen vorgenommen, die nach ersten Berechnungen 2001 insgesamt zu einem Fehlbetrag von 150,6 Mill. ? im Konzern geführt hätten, hieß es.

Der schweizerische Stahlhändler Balli hatte im Oktober 2001 für 1,1 Mrd. ? 94,5 % an KlöCo vom Düsseldorfer Energiekonzern E.ON gekauft. Nachdem die finanziellen Unregelmäßigkeiten Ende Februar bekannt geworden waren, wurden die Anteile treuhänderisch dem Unternehmensberater Droege & Comp. übertragen. Die restlichen Anteile hält die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB).

Vorstände treten zurück - Droege zum AR-Chef gewählt

Der im Zusammenhang mit den verschwundenen Mill. von der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft bereits als Beschuldigter vernommene KlöCo-Chef Raimund Müsers habe ebenso wie Vorstandsmitglied Roland Straßburger sein Amt niedergelegt, hieß es weiter. Zu neuen Vorstandsmitgliedern habe der Aufsichtsrat auf seiner Sitzung am Montagabend Alexander Scott MacDonald und Derrick G. Noe bestellt, die das Unternehmen mit sofortiger Wirkung gemeinsam führen werden. Zudem habe das Gremium den Unternehmensberater Walter P.J. Droege zu seinem neuen Vorsitzenden gewählt.

Neben dem für das Controlling zuständigen Vorstandsmitglied David Spridell traten in den vergangenen Wochen alle dem Balli-Eigner Alaghband zugehörigen Familienmitglieder von ihren Posten im KlöCo-Konzern zurück. Neben dem für die Finanzen zuständigen Vorstandsmitglied Hassan Alaghband betraf dies zuletzt auch Aufsichtsratschef und Balli-Chef Vahid Alaghband sowie Aufsichtsratsmitglied Nasser Alaghband.

Staatsanwalt: Beschuldigte sind noch nicht zu benennen

Im Zusammenhang mit den Ermittlungen um die verschwundenen Mill. des Traditionskonzerns hat die Staatsanwaltschaft noch keine Erkenntnisse über den gesamten Kreis der Beschuldigten. Die Ermittlungen richteten sich gegen alle Verantwortlichen von KlöCo und Balli wegen des Verdachts der Untreue und des Betrugs, sagte Staatsanwalt Johannes Mocken. Doch seien derzeit noch nicht alle Beschuldigten zu benennen. Die Behörde hoffe durch das KPMG-Gutachten neue Erkenntnisse zu erhalten.

KlöCo 2001 mit hohem Verlust

KlöCo teilte am Dienstag weiter mit, nach ersten Berechnungen ergebe sich für 2001 ein Jahresfehlbetrag von 150,6 Mill. ? nach einem Gewinn von 65 Mill. ? im Jahr zuvor. Sondereinflüsse in Höhe von 132,4 Mill. ? und außerordentliche Effekte im Rahmen von Desinvestments hätten das Ergebnis belastet. Die Eigenkapitalquote sank nach den Angaben auf 19 (Vorjahr 28) Prozent. Operativ habe der Konzern 2001 aber mit 44,5 (96) Mill. ? ein "deutlich positives" Ergebnis erwirtschaftet. Auch im ersten Quartal 2002 habe sich diese Entwicklung fortgesetzt, wobei dazu keine Details genannt wurden.

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