Neuer Vorstandschef der BASF AG
Jürgen Hambrecht: Der kantige Dauerläufer

Sein ganzes Berufsleben hat er bei BASF verbracht. Künftig darf er den Chemiekonzern führen. Jürgen Hambrecht will das Auslandsgeschäft noch stärker ausbauen.

FRANKFURT. Aus dem 19. Stock des BASF-Hochhauses hat man die beste Aussicht in ganz Ludwigshafen. Rechts der Rhein, links ein sieben Quadratkilometer großes Geflecht aus Straßen, Fabriken und Rohrleitungen. Jürgen Hambrecht wird den Blick über das größte Chemiewerk der Welt durchaus vermissen, wenn er im kommenden Jahr in den benachbarten, flachen Gründerzeitbau umzieht, wo der Vorstandsvorsitzende der BASF AG residiert.

Aber die Aufgaben, die dort auf ihn warten, reichen ohnehin noch ein ganzes Stück weiter, als man mit bloßem Auge sehen könnte. Als Nachfolger von Jürgen Strube, den er nach der Hauptversammlung im Mai nächsten Jahres ablösen wird, muss sich Hambrecht noch intensiver um den globalen Ausbau des BASF-Geschäfts kümmern. Zu seinen Aufgaben wird die geplante Erweiterung des Agrogeschäfts ebenso gehören wie die weitere Stärkung der Kunststoff- und Chemiesparten sowie die Weiterentwicklung des für die BASF so wichtigen Öl- und Gasgeschäfts.

Keine riskanten Expansionen

Hambrecht kann auf eine solide und vor allem finanzstarke Basis bauen. Das kommt ihm entgegen, denn er gehört nicht zu denen, die zu riskanten Expansionsfeldzügen neigen. Stattdessen propagiert der gebürtige Reutlinger die "intelligente Konsolidierung". Darunter versteht er gezielte und pragmatische Zukäufe oder Allianzen. Und immer wieder betont er den langfristigen Charakter des Chemiegeschäfts: "Jede Krise erinnert mich an Strategie."

Der künftige Chef des Ludwigshafener Chemiekonzerns passt insofern in eine Zeit, die sich nach Kontinuität und Solidität sehnt. Im Vorstand für den wichtigen Unternehmensbereich Chemikalien verantwortlich, hat der 55-jährige Manager in den vergangenen Jahren bereits nachhaltig an jener Strategie mitgewirkt, die inzwischen zum BASF-Markenzeichen geworden ist. Er ist eine der treibenden Kräfte hinter dem viel zitierten "Verbundkonzept", mit der die BASF sich auf große Standorte mit global konkurrenzfähigen Anlagen konzentriert.

Der promovierte Chemiker gilt durchaus als einer, der das Geschäft mit Herzblut und Leidenschaft betreibt. Er ist ein eher kantiger Typ, der weder seine schwäbische Herkunft versteckt noch seine Emotionen. Wenn es um Themen wie die europäische Chemikalienpolitik geht oder auch um die Zustände an deutschen Schulen, kann Hambrecht durchaus auch mal in Rage geraten. Er gehört aber nicht zu denen, die schneller reden, als sie denken.

Ehrgeiz auch beim Joggen

Analysten finden ihn zuweilen etwas hölzern. Aber sie schätzen seinen Eifer und sein Wissen. Denn Hambrecht gilt als einer, der die Ärmel hochkrempelt und "unglaublich viel arbeitet". Dazu passt der Ehrgeiz, den er auch beim Joggen entwickelt.

Wie viele BASF-Manager begann Hambrecht seine Laufbahn im Kunststofflabor des Konzerns, wo er sich unter anderem um Neuentwicklungen bei Styrolkunststoffen verdient machte, ehe er ins operative Geschäft bei der BASF Lacke und Farben AG wechselte. Gerne wäre er einmal nach Amerika gegangen. Stattdessen führte ihn die Karriere nach Hongkong, wo er ab Mitte der neunziger Jahre als Bereichsleiter für das Asiengeschäft die Voraussetzung für den neuen Verbundstandort der BASF in China schuf. Vor drei Jahren kehrte er nach Ludwigshafen zurück, um das Chemikaliengeschäft zu übernehmen.

Doch die Arbeit in Asien hat ihn besonders fasziniert und geprägt - und auch das Interesse an fernöstlicher Kunst geweckt. Eine Tuschezeichnung in seinem Büro vermittle ihm zuweilen ein wenig Ruhe und Entspannung, erzählt er Besuchern. Zumindest die Zeichnung wird er in sein neues Büro mitnehmen können. Als BASF-Chef wird er Entspannung gut gebrauchen können.

Quelle: Handelsblatt

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