Neuer Vorstandschef von Mobilcom
Thorsten Grenz: Zwischen Buhmann und Retter

Der 43-Jährige tritt bei Mobilcom ein schweres Amt an: Entweder muss er die schnelle Pleite des Mobilfunkanbieters mitverantworten oder er darf ihn sanieren.

HAMBURG. Das Bild spricht Bände: Als Mobilcom-Vorstandschef Gerhard Schmid auf der jüngsten Hauptversammlung des Telekomkonzerns ans Rednerpult tritt, dreht ihm Thorsten Grenz den Rücken zu. Angestrengt streifen die Blicke des fast zwei Meter langen Mobilcom-Finanzchefs mit dem stets kurzgeschnittenen Haar durch die halb vollen Ränge im Hamburger Congress-Centrum - so, als suche er nach einem Vertrauten, der ihm zuwinken soll. Der Riss zwischen den beiden Mobilcom-Topmanagern war offensichtlich.

Dass Grenz die Nähe zu den Anteilseigner sucht, ist verständlich. Längst ist ihm klar, dass Schmids Rauswurf nur noch eine Frage der Zeit ist. Kurz vor der Aktionärsversammlung hatte der Aufsichtsrat Schmid bezichtigt, gegen aktienrechtliche Sorgfaltspflichten verstoßen zu haben. Auslöser hierfür waren unsaubere Aktiengeschäfte, die er mit seiner Ehefrau Sybille abgewickelt hat.

Am vergangenen Freitag war es soweit. Der Aufsichtsrat feuert Schmid und ernennt Grenz zu seinem Nachfolger. Dass das Kontrollgremium gerade den promovierten Unternehmensberater auswählt, wird in Branchenkreisen als geschickter Schachzug des französischen Mitaktionärs France Telecom gewertet.

Denn sollte sich Gerhard Schmid nicht von seinem Mehrheitsanteil trennen, droht dem hochverschuldeten Unternehmen das endgültige Aus. Damit müsste Grenz und nicht ein France Telecom-Manager den schweren Gang zum Insolvenzrichter antreten. Die Franzosen hätten zudem eine Buhmann gefunden, dem sie öffentlich die Schuld zuschieben können.

Entscheidet sich Schmid aber für einen Verkauf, verfügt France Telecom-Chef Michel Bon mit Grenz über einen hervorragenden Manager, der das Unternehmen retten kann. Denn Grenz kennt Mobilcom aus dem Eff-Eff. Bereits vor zwei Jahren hatte er geholfen, dass Mobilcom bei Banken milliardenschwere Darlehen für den Aufbau des UMTS-Netzes zu günstigen Zinskonditionen erhält und geriet damit erstmals ins Rampenlicht.

Bislang hat Grenz als Manager aber eher ein Schattendasein geführt. Der gebürtige Kieler studierte an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel Betriebswirtschaftslehre. Dabei interessierte er sich besonders für Rechnungswesen und Finanzierung. Nach seiner Promotion geht er 1986 als Unternehmensberater für sechs Jahre zu Mc Kinsey & Company nach Frankfurt. Dort beriet er vor allem Kreditinstitute in organisatorischen Fragen.

Doch diese Arbeit lastet ihn nicht aus. Er wechselt 1992 als Chefcontroller zum Hamburger Logistik- und Transportkonzern Hapag-Lloyd. Im Zuge der Neuausrichtung des Konzerns wird er fünf Jahre später zum Geschäftsführer der Hapag Container-Lloyd Line ernannt.

Glücksfall Grenz

Drei Jahre später trifft er Schmid. Der charismatische Manager überzeugt Grenz von seiner Vision, einen neuen Konzern in der aufstrebenden Handy-Branche aus dem Boden zu stampfen. Für Schmid ist Grenz ein Glücksfall. Denn durch dessen Geschick in Organisationsfragen hilft er dem Firmengründer, für das rasch wachsende Unternehmen mit seinen 6 000 Mitarbeitern die richtige Struktur zu finden.

Dieses Talent dürfte France Telecom jetzt gut gebrauchen. Denn sollte den Franzosen der Machtwechsel bei Mobilcom gelingen, droht dem norddeutschen Unternehmen ein radikaler Sparkurs. Der Pariser Telefonriese will offenbar mehr als 2 000 der insgesamt 6 000 Stellen streichen, um die Ertragssituation bei dem defizitären Unternehmen zu verbessern.

Für solche Aufräumarbeiten ist der deutsche Manager gut geeignet. Er dürfte bei den Mitarbeitern auf weniger Widerstand und mehr Verständnis stoßen. Den Rückhalt für die notwendigen personellen Anpassungen genießt Grenz bereits beim Betriebsratchef Christian Teufel.

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