Neuer Vorstoß
Israelische Armee tötet erneut 18 Palästinenser

Beim Vorstoß der israelischen Armee in ein Flüchtlingslager im Gaza-Streifen und beim Beschuss eines Gebäudes der palästinensischen Küstenwache sind in der Nacht zu Dienstag 18 Palästinenser getötet worden.

Reuters GAZA-STADT. Nach Angaben aus Krankenhäusern wurden beim Vorrücken der Armee in das Lager Dschabalja 50 Menschen verletzt. Auch in Ramallah im Westjordanland rückten israelische Panzer vor. Dort hatte Palästinenser-Präsident Jassir Arafat drei Monate lang faktisch unter Hausarrest gestanden. Am Montag gestatte Israel Arafat, sich im Westjordanland und Gaza-Streifen frei zu bewegen. Dieser Schritt hatte vor dem Mitte der Woche erwarteten Besuch des US-Vermittlers Anthony Zinni Hoffnungen auf eine Waffenruhe genährt, die jedoch durch die Militäroffensive Israels wieder zunichte gemacht sein dürften.

Nach Angaben von Augenzeugen und palästinensischen Sicherheitskreisen umzingelten israelische Soldaten und Panzer Dschabalja und rückten dann von Hubschraubern unterstützt im Schutze der Dunkelheit vor. Einwohner seien schreiend durch die Straßen gerannt und hätten versucht, sich in Sicherheit zu bringen, berichteten Augenzeugen. 17 Menschen seien getötet worden. Verletzte seien ins Krankenhaus in Gaza-Stadt gebracht worden, da israelische Soldaten den Zugang zum Krankenhaus in Dschabalja unmöglich gemacht hätten, hieß es in den Sicherheitskreisen. Israelische Soldaten hätten das Lager durchsucht, Häuser zerstört und Palästinenser festgenommen. Nach vier Stunden seien die Panzer aus dem mit 90 000 Menschen dicht besiedelten Lager wieder abgezogen.

In israelischen Armeekreisen wurde der Einsatz bestätigt. Bodentruppen hätten Dschabalja durchsucht und seien gegen "terroristische Ziele" vorgegangen. Die Soldaten hätten alles daran gesetzt, die Zivilbevölkerung nicht zu verletzen. Rettungskräfte hätten freien Zugang gehabt.

Augenzeugen berichteten, die Soldaten hätten unter anderem eine Gießerei gesprengt. Nach Angaben aus den Armeekreisen hatte die militante Palästinenser-Gruppe Hamas die Gießerei genutzt, um Kassam-2-Raketen herzustellen. Mit solchen Raketen waren aus den Palästinenser-Gebieten israelische Städte beschossen worden.

Die israelische Marine beschoss in der Nacht zu Dienstag das Hauptquartier der palästinensischen Küstenwache im Zentrum des Gaza-Streifens. Dabei seien ein Mensch getötet und sechs Personen verletzt worden, hieß es in palästinensischen Sicherheitskreisen. Bei dem Angriff bei Dir el Balah, den die israelische Armee bestätigte, wurde das Gebäude der Küstenwache beschädigt.

Palästinensische Augenzeugen berichteten auch von einem Vorrücken israelischer Panzer und Soldaten am Montagabend in Ramallah. Berichte über mögliche Opfer lagen zunächst nicht vor. Augenzeugen berichteten, israelisches Gewehrfeuer habe eine große Gruppe Journalisten auf einem Hoteldach knapp verfehlt. Ein israelischer Offizier sagte, die Armee habe nicht auf Journalisten gezielt, sondern auf bewaffnete Palästinensern. Die Armee sei zudem angewiesen, Distanz zu Arafats Hauptquartier in Ramallah zu halten. Augenzeugen zufolge waren israelische Panzer nur 20 Meter davon entfernt.

Die israelische Armee hatte in den vergangenen zwei Wochen wiederholt Flüchtlingslager im Westjordanland und Gaza-Streifen auf der Suche nach militanten Palästinensern durchsucht. Allein am Montag wurden im Lager Dheischeh in Bethlehem im Westjordanland mehrere hundert Männer festgenommen. Gleichwohl ist es Israel nicht gelungen, den seit September 2000 anhaltenden Aufstand der Palästinenser gegen die israelische Besatzung zu beenden. In dem Aufstand, der Intifada, wurden mindestens 1040 Palästinenser und 333 Israelis getötet.

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