Neuer Wirtschaftsprüfer findet Konsolidierungsfehler
Metabox muss Bilanz für 1999 korrigieren

Die Metabox AG, Hildesheim, steckt erneut in Turbulenzen. Der Systemanbieter für interaktives Fernsehen muss seinen Konzernabschluss 1999 komplett überarbeiten. Danach wird der Umsatz nicht einmal mehr halb so hoch sein. Zudem hat Aufsichtsrat Karl-Ulrich Kuhlo seinen Posten nach vier Monaten verlassen.

stw HANNOVER. Er habe sich schlecht informiert gefühlt, sagte Vorstandsvorsitzender Stefan Domeyer. Weil sich ein Produktstart verzögert, braucht Metabox außerdem eine Kapitalspritze.

Wirtschaftsprüfer von Arthur Andersen hätten den Bilanzfehler Anfang voriger Woche gefunden, sagte Domeyer am Freitag. Man habe die neu erworbene Tochter Amstrad voll in den Konzernabschluss 1999 übernommen, obwohl der Kauf erst im Dezember wirksam wurde. Der bisherige Wirtschaftsprüfer Willi Möller aus Göttingen habe das akzeptiert. Er erteilte ein uneingeschränktes Testat. Arthur Andersen dagegen sieht einen Verstoß gegen die von Metabox benutzten IAS-Bilanzregeln: Das Geschäft hätte nur zeitanteilig konsolidiert werden dürfen. Möller, der nicht für eine Stellungnahme zu erreichen war, soll nun mit dieser Vorgabe erneut prüfen. Arthur Andersen war bereits im Juli als neuer Prüfer gewählt worden und hat den Fehler bei der Vorprüfung für den Abschluss 2000 gefunden.

Aus zwei im Sommer gemeldeten Absichtserklärungen sind bis heute keine festen Verträge geworden.

Nach der Korrektur wird Metabox statt 42,9 Mill. DM noch 17,5 Mill. DM Umsatz ausweisen. Der Sprung durch die Amstrad-Akquisition wird damit erst 2000 wirksam. Der Verlust 1999 werde geringfügig auf 5,5 Mill. DM sinken, sagte Domeyer. An den Prognosen für dieses Jahr, die schon vorher nach unten korrigiert worden waren, ändere sich nichts. Demnach ist ein Verlust von 15 Mill. DM fällig, weil teure Entwicklungsarbeiten laufen, die neue Metabox 1000/2000 aber erst im nächsten Jahr ausgeliefert werden kann. In den ersten neun Monaten lag der Umsatz bei 32 Mill. DM und der Fehlbetrag bei 11 Mill. DM. Für das nächste Jahr hat Domeyer weiter große Pläne. Bei einem Umsatz von 600 Mill. DM rechnet er mit 33 Mill. DM Gewinn.

Nach seinen Angaben stützt ein deutlich höherer Bestand fester Aufträge diese Prognose. In der Vergangenheit hatte Metabox mit seinen Aufträgen allerdings mehrmals Probleme. Die neuen Metabox-Modelle sollten bereits in diesem Jahr an einen nicht genannten Großkunden geliefert werden. Nach Problemen mit einem Zulieferer sei er nun vom Produktionsbeginn im ersten Quartal 2001 überzeugt, sagte Domeyer. Bis dahin braucht er eine Kapitalspritze, denn die liquiden Mittel sind seit September 1999 von 29 Mill. DM auf 3 Mill. DM geschrumpft. Nach Domeyers Angaben haben Großaktionäre bereits 20 Mill. DM zusätzlich für die nächsten drei Monate zugesichert.

Die Börse reagierte am Freitag anfangs euphorisch. Die Aktie stieg am Morgen um 25 % auf 7,50 Euro, um dann auf Vortagesniveau bei 6 Euro zu schließen. Der Wert hat in diesem Jahr eine beispiellose Berg- und Talfahrt hinter sich. Nach der Ankündigung großer Aufträge für die TV-Set-Top-Boxen verzehnfachte sich der Kurs nahezu. Als Zweifel an der Verlässlichkeit dieser Vereinbarungen wuchsen, stürzte er genauso schnell wieder ab. Aus zwei im Sommer gemeldeten Absichtserklärungen sind bis heute keine festen Verträge geworden. Die Meldung über einen Auftrag aus England verhalf dem Kurs noch vergangene Woche zu einem Zwischenhoch.

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