Neuer Zwischenstandard ermöglicht neue Zahlmodelle
"GPRS" rückt Alternative zum Mobiltelefon in den Mittelpunkt

In Deutschland hat heute mit Viag Interkom der erste Netzbetreiber General Packet Radio Service, GPRS, als Zwischenstandard auf dem Weg zum Mobilfuk der dritten Generation in Betrieb genommen. Noch können den Service, bei dem Daten paketweise übertragen werden, nur wenige Menschen nutzen. Aber Analysten sind sich einig: Die Einführung wird zur Nagelprobe für die Anbieter, die unter Beweis stellen müssen, dass die Milliarden für die UMTS-Lizenzen gut angelegt sind.

jgo DÜSSELDORF. "Die gute Seite an GPRS ist, dass der Service permanent zur Verfügung steht und nicht nach Zeit abgerechnet wird", meint Delia MacMillan, Principal Analyst bei Gartner Dataquest. Für Videoübertragungen und ähnlich aufwendige Anwendungen sei GPRS aber nicht geeignet. "Ich hoffe, dass die Netzbetreiber aus dem verpatzten Start von WAP gelernt haben. WAP war kein Surfen im Internet mit dem Mobiltelefon, und auch mit GPRS wird das nicht möglich sein."

Die Abrechnung nach Datenmenge bringt den Anbietern nach ihren Worten Spielraum für ganz neue Zahlmodelle. Allerdings werde es einige Zeit dauern, bis sich die Konsumenten daran gewöhnen, dass der Faktor Zeit nicht mehr entscheidend ist. "Die Erfahrung mit dem I-Mode-Dienst in Japan, der auch nach Volumen und nicht nach Zeit abgerechnet wird, zeigt, dass viele Kunden noch immer nicht wissen, dass nur die Datenmenge ausschlaggebend ist."

Die Analystin rechnet nicht damit, dass GPRS vor der zweiten Jahreshälfte viele Nutzer finden wird. "Die Geräte sind noch nicht in großer Stückzahl verfügbar, und das wird sich so schnell auch nicht ändern." Für die Netzbetreiber gehe es darum, die Zukunft mobiler Daten- und Sprachübermittlung zu zeigen. Vorrang werde zunächst der Geschäftskundenmarkt haben, der mit einer Flatrate, also einer Pauschalgebühr für die Nutzung zumindest einer bestimmten Volumenmenge, umworben werden könne. Die Aufstellung einer Detailrechnung sei hingegen extrem aufwendig und wenig attraktiv.

Trend zu anderen Geräten

Gerade im Geschäftskundenmarkt habe sich auch gezeigt, dass die bisherigen Geräte für den Datenaustausch nicht optimal geeignet seien. "Bei den Netzbetreibern setzt sich die Erkenntnis durch, dass Telefone nicht das beste Geräte für das mobile Internet sind." So sei es wenig verwunderlich, dass British Telecom zum Start von GPRS ein Gerät auf den Markt gebracht habe, mit dem sich leichter E-Mails verfassen ließen. "Die Netzbetreiber fürchten einen Rückschlag. Sie stehen unter dem Druck, unter Beweis zu stellen, dass sich die Investition in die UMTS-Lizenzen auszahlen wird", sagt die Analystin. Personal Digital Assistants, Taschencomputer mit größerem Display, würden inzwischen zunehmend als ernst zu nehmende Alternative für den Datenaustausch eingestuft. Außerdem könnten viele Kunden mit schwerfälligen "All-in-one"-Telefonen wenig anfangen.

Bei der Markteinführung müssen sich die Unternehmen MacMillans Worten nach große Mühe geben, die richtige Balance zu finden. Ohne erklärende Kampagnen werde der Kunde das Abrechnungsmodell nicht verstehen. Zu große Versprechungen indes könnten sich schnell als Bumerang erweisen. In Großbritannien sei GPRS bereits ohne großen Werberummel eingeführt worden. "Es sieht so aus, als hätten die Unternehmen doch etwas gelernt", meint die Analystin.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%