Neuerungen beim Regelwerk der Börse
Demnächst öfter mal eine neue Rangliste?

Veränderungen bei der Zusammensetzung des Deutschen Aktienindex (Dax) könnte es demnächst häufiger geben: Experten begründen dies mit der jüngsten Neuerungen beim Regelwerk der Börse. Dadurch würden Ranglisten wichtiger und die Kursspekulation bei potenziellen Auf- und Absteigern zunehmen.

Reuters FRANKFURT. "Es kann durchaus zu häufigeren Umstellungen in den Indizes kommen als bisher, auch wenn die Börse weiter versuchen wird, die Indizes stabil zu halten", sagte WestLB-Analystin Claudia Volk am Mittwoch. Am Vorabend hatte die Börse das Indexregelwerk so ergänzt, dass sie ein Unternehmen wegen eines Kurssturzes auch außerhalb der einmal jährlichen Standardüberprüfung aus dem Dax entfernen kann. Marktteilnehmern zufolge schafft sich die Börse damit unter anderem die Möglichkeit, die zuletzt stark unter Druck gekommenen Aktien von Epcos und MLP bei einem weiteren Kursverfall aus dem Index nehmen zu können. Einige Börsianer hatten bei beiden Unternehmen schon für die Überprüfung am Dienstagabend mit diesen Schritt gerechnet.

Ranglisten beobachten

In Zukunft wird es noch wichtiger sein als bisher, die so genannten Monats-Ranglisten der Börse, auf denen die Unternehmen nach Börsenumsatz und Marktkapitalisierung sortiert sind, zu beobachten. Bislang entschied die Börse nur einmal im Jahr auf Grundlage der Juli-Rangliste über eine Neuzusammensetzung des Dax, wobei ein Unternehmen nach beiden Kriterien zu den 35 größten Aktiengesellschaften in Deutschland gehören muss. Nun können im Wege einer außerordentlichen Überprüfung Unternehmen, die bei der Marktkapitalisierung nicht mehr zu den 45 größten Firmen gehören, zum nächsten Verkettungstermin aus dem Dax herausgenommen werden. Demnach werden nach Angaben eines Börsensprechers neben der Juli-Liste die Rankings für Oktober, Februar und Mai entscheidend für eine mögliche Änderung des Dax sein. Als Verkettungstermin versteht man die quartalsmäßige Überprüfung der Aktiengewichtung in einem Index, an den sich die Neuauflage von Derivaten auf das Börsenbarometer anschließt.

Anleger werden künftig die Ranglisten für den Dax sicherlich intensiver beobachten, um Fingerzeige auf mögliche Veränderungen des wichtigsten Aktienindex der Börse zu erhalten. Da Aktienkurse traditionell von einer Index-Aufnahme profitieren, kann man bei frühzeitigem Kauf dieser Aktien möglicherweise Kursgewinne erzielen. "Die Analyse der Statistik wird sicherlich nun wichtiger werden", sagte Christian Stocker, Analyst bei der Hypo-Vereinbank.

Regel wird für sinnvoll gehalten

"Grundsätzlich ist es gut, dass die Deutsche Börsen zukünftig nicht nur einen Termin hat, an dem sie überprüfen kann, ob eine Aktie die Kriterien zur Index-Zugehörigkeit erfüllt", sagte Josef Scarfone, Fondsmanager bei Frankfurt Trust. "Allerdings muss die Deutsche Börse aufpassen, dass Indexveränderungen nicht um jeden Preis vorgenommen werden, denn die Börse braucht Kontinuität. Jede Indexveränderung mit den nachfolgenden Austauschoperation kostet Fonds Geld, die ihr Portfeuille der neuen Indexzusammensetzung anpassen müssen." Stabile Verhältnisse bei der Zusammensetzung von Indizes brauchen vor allem Fondsmanager, die ihre Portfolios direkt an einem Börsenbarometer ausrichten. Börsianer gehen nach einer Daumenregel davon aus, dass rund drei Prozent der Marktkapitalisierung des Dax von derzeit rund 478 Mrd. ? in diesen sogenannten passiv verwalteten Fonds stecken. Außerdem brauchen Anbieter von Derivaten auf Indizes Sicherheit über die Zusammensetzung des zu Grunde liegenden Finanzprodukts.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%