Neues Aufsichtsgremium und Sperre bei Arbeitsplatzwechsel
Reform der Wirtschaftsprüfung präsentiert

Die einflussreiche Organisation Financial Executives International (FEI), der Finanzmanager aus Konzernen wie Cisco Systems Inc., General Electric Co., General Motors Corp. und Microsoft Corp. angehören, hat jetzt der zuständigen Finanzservice-Kommission des US-Kongresses eine Reihe von Empfehlungen vorgestellt, wie die Branche reformiert werden kann.

WSJ/HB NEW YORK. Zu den Vorschlägen gehören die Schaffung eines neuen Aufsichtsgremiums, das mit Experten aus der Finanzbranche besetzt werden soll, sowie eine mindestens zweijährige Sperre für Wirtschaftsprüfer, bevor sie in eine Topposition im Bereich Finanzen bei einem ihrer Klienten wechseln können. Einige der Vorschläge sind dem Kongress bereits in Gesetzesform oder durch den Chef der Börsenaufsicht SEC, Harvey Pitt, vorgestellt worden.

Seit die Investoren durch die Pleite des Energiehandelskonzerns Enron Corp. verunsichert wurden, wächst der Druck auf die Politik, neue Regelungen zu schaffen. "Jetzt ist für die Unternehmen die Zeit gekommen, Maßnahmen zu ergreifen, um das Vertrauen der Anleger wiederzugewinnen", sagt Dennis Powell, Controller bei Cisco und Mitglied der Gruppe der FEI, die die Empfehlungen ausgearbeitet hat. Zu den Forderungen gehört auch die nach der Vereinfachung der für die Bestimmung der Buchführungsregeln zuständigen unabhängigen Organisation, des Financial Accounting Standards Board (FASB).

Zudem sollen die über die Wirtschaftsprüfung hinausgehenden Dienstleistungen, die die Firmen ihren zu prüfenden Kunden anbieten dürfen, begrenzt sowie die Klarheit der Finanzberichterstattung und die Standards für die Ausbildung der Kontrollausschüsse der Aufsichtsräte (audit committees) erhöht werden. Auf spezifische Probleme ging die Organisation nicht ein.

Robert Willens, Analyst beim Investmenthaus Lehman Brothers, sagt, eine Stärkung der Kontrollausschüsse und eine Reform des FASB sind die dringendsten Aufgaben. Einige der Empfehlungen der FEI seien "kosmetischer Natur", aber "etwas muss getan werden - und wenn auch nur, um das Vertrauen der Investoren wiederzugewinnen".

FEI-President Philip Livingston beklagte, der "Weckruf" für die Branche "hätte vielleicht eher kommen müssen". Bilanzskandale der Vergangenheit - etwa die Fälle Sunbeam Corp., Waste Management Inc. und Microstrategy Inc. - hätten genug Lehren beinhaltet.

Die FEI hat nicht, wie einige andere Experten, reine Wirtschaftsprüfungsfirmen gefordert. Aber das Aufsichtsgremium sollte - wie auch von SEC-Chef Pitt vorgeschlagen - mit Leuten besetzt werden, die unabhängig von den Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind.

Finanziert werden könnte das neue Gremium nach Aussage des FEI-Mitglieds und früheren Finanzchefs der Beratungsfirma Marsh & McLennan Cos. Frank Borelli durch die US-Börsenaufsicht SEC, das heißt beispielsweise durch zusätzliche Gebühren für die Börsenlistung, nicht aber von Wirtschaftsprüfern oder den Unternehmen direkt.

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