Neues Bargeld wird ein Jahr alt
Euro-Euphorie zerbrach am „Teuro“

Noch in der Silvesternacht gab es eine richtige Welle der Euro-Euphorie: Zahlreiche Menschen wollten wenige Minuten nach dem Bargeldwechsel zum 1. Januar 2002 die sieben neuen Geldscheine in den Händen halten. Der Rausch wich aber schnell dem "Teuro"-Glauben, der heftig an dem positiven Image kratzte.

HB/dpa FRANKFURT. Somit ist rund ein Jahr, nachdem die Gemeinschaftswährung in die Portemonnaies gelangte, der Euro immer noch nicht richtig in den Köpfen der Deutschen angekommen. Laut einer Umfrage des Leipziger Instituts für Marktforschung rechnen 84 Prozent nach wie vor in D-Mark um. Fast die Hälfte der Deutschen wünscht sich die alte Währung wieder zurück.

"Der Prozess dauert länger, als wir erwartet haben", betont Bundesbank-Vorstand Edgar Meister. "Ich war davon ausgegangen, dass der Euro viel schneller akzeptiert wird." Der einfache Umrechnungskurs und der direkte Preisvergleich im Urlaub hätten seiner Meinung nach den Boden für eine schnelle Akzeptanz bereiten müssen. Doch nun glaubt Meister, dass es noch zwei bis drei Jahre dauern wird, bis die Gemeinschaftswährung in den meisten deutschen Köpfen verwurzelt ist.

53 Jahre stand die D-Mark in der Bundesrepublik als Symbol einer wirtschafts- und währungspolitischen Erfolgsgeschichte. Dabei hat es der Euro aber gerade den Deutschen, die "ihrer harten Mark" hinterhertrauern, leicht gemacht. In der Bundesrepublik beträgt die Inflationsrate lediglich ein Prozent. Aber auch in Euroland liegt die Teuerung nur knapp über zwei Prozent - ein Niveau, bei dem die Europäische Zentralbank (EZB) keine Gefahr für die Preisstabilität sieht.

"Der Euro hat sich damit in der Bundesrepublik schnell einen Ruf als stabile Währung erarbeitet", sagt Meister. In dieser Hinsicht macht er der DM alle Ehre. "Dies ist auch ein Beweis für die gute Geldpolitik der EZB." Auch habe der Euro die D-Mark als zweitstärkste Reservewährung nach dem Dollar flugs ersetzt. In seinem ersten Jahr als fühlbare Währung gewann er deutlich mehr als zehn Prozent an Wert gegenüber dem Dollar. Mitte Juli sprang das neue Zahlungsmittel wegen der Vertrauenskrise der US-Währung erstmals wieder über die Paritätsschwelle. Beim Start 1999 war die Gemeinschaftswährung knapp 1,18 Dollar wert.

Recht flott haben sich die Deutschen auch von ihrem D-Mark-Bargeld getrennt. Derzeit sind noch 8,7 Milliarden Euro in Noten und Münzen von der ungültigen Währung im Umlauf. Vor gut einem Jahr waren es über 140 Milliarden Euro.

Doch es gibt immer noch reichlich Nachzügler. Täglich tauschen hunderte Menschen in den rund 120 Bundesbank-Filialen ihre letzten Schätze. Das sind täglich immerhin rund zwei Millionen Euro. Die deutschen Verantwortlichen der Bargeldumstellung hatten nicht damit gerechnet, dass der Andrang so lange anhalten würde. Von den Münzen im Wert von 3,8 Milliarden Euro, die noch nicht zurückgekommen sind, wird aber nicht mehr viel Rücklauf erwartet. Sie verbleiben in Sammlungen, als Erinnerungsstücke oder sind für immer verloren.

Der Mammutumtausch in Euroland mit seinen über 300 Millionen Einwohnern zum Jahreswechsel 2001/2002 gilt im Rückblick als logistische Meisterleistung. Es gab weder ständig riesige Schlangen an den Kassen des Handels noch massenhafte Fälschungen oder gar Überfallserien auf die Geldtransporte. Dies war im Vorfeld befürchtet worden. Das Zusammenspiel von Europäischer Zentralbank, den zwölf nationalen Notenbanken, den Kreditinstituten, Sparkassen und Genossenschaftsinstituten sowie dem Handel und dem Geldtransportgewerbe verlief reibungslos. "In Deutschland hat das Zusammenwirken zwischen 23 Verbänden und Institutionen ungewöhnlich gut geklappt - es gab keine Pannen", erinnert sich Meister.

Trotz der "Teuro"-Debatte sei die Entscheidung richtig gewesen, die Preise nicht per Verordnung wie in anderen Euroländern für den Zeitraum der Bargeldumstellung einzufrieren. "Es war besser, den Marktkräften freien Lauf zu lassen", hebt Meister hervor. "Das würden wir wieder so machen." Ein Einfrieren der Preise hätte sie nur kurzfristig in Schach gehalten.

Tatsächlich sind in Deutschland nur wenige "Teuro-Sünder" dingfest gemacht worden. Fast alle sind im Dienstleistungssektor zu finden. Das Essen in der Gaststätte, der Haarschnitt oder die Hemdenreinigung gehören zu den unrühmlichen Beispielen. Das Hochschnellen der Inflation im Januar auf 2,1 Prozent war aber Folge von höheren Steuern für Tabak, Benzin, Diesel, Strom und Versicherungen sowie von einer sprunghaften Verteuerung von Obst und Gemüse durch Ernteausfälle. "Allmählich flacht die Teuro-Debatte ab, so dass dieses Thema hoffentlich bald ein Ende haben wird", berichtet Meister.

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