Neues Call-Center in China
Arvato expandiert in Fernost

Der Medienkonzern Bertelsmann AG baut sein Dienstleistungsgeschäft in Asien kräftig aus. Die Druck- und Dienstleistungstochter Arvato hat in der chinesischen Hauptstadt Peking erstmals ein Call Center eröffnet. Rund 50 Mitarbeiter sind für das chinesische Luftfahrtunternehmen Air China tätig.

GÜTERSLOH. "Wir wollen in China mehr Geschäft machen", sagte Hartmut Ostrowski dem Handelsblatt. Bertelsmann-Vorstand Ostrowski ist seit September letzten Jahres auch Vorstandschef von Arvato. Derzeit macht Arvato 4,4 % seines Umsatzes in China. Vor einem Jahr war es noch 1 %.

Arvato zählt eigenen Angaben zufolge zu den größten Anbietern von Call Centern. Diese Service-Zentralen werden von Unternehmen zur Kommunikation mit den Kunden genutzt. Zu den Auftraggebern gehören unter anderem in- und ausländische Airlines, darunter Lufthansa und Air France. Das Geschäft lohnt sich: "Je komplexer die Dienstleistungen sind, desto höher sind die Gewinnspannen", weiß Ostrowski.

Doch offenbar sind sie noch nicht überall hoch genug. Die Umsatzrendite muss steigen. Bertelsmann-Chef Gunter Thielen hat als Zielmarke mindestens 8,5 % gesetzt. Im letzten Jahr wurden bei Arvato nur 5,9 % erreicht. "Mit der derzeitigen Umsatzrendite sind wir nicht zufrieden", räumt Ostrowski freimütig ein. Im letzten Jahr setzte Arvato fast 3,7 Mrd. Euro um, das entspricht rund einem Fünftel des Gesamtumsatzes des Medienriesen aus Westfalen.

Mit einem operativen Gewinn (Ebita) von zuletzt 217 Mill. Euro war Arvato nach der RTL-Group und Gruner + Jahr drittgrößter Gewinnbringer. "Wir wollen bei Umsatz und Gewinn mindestens das Vorjahresergebnis erreichen", sagte der 45-jährige Ostrowski. Das erste Quartal sei allerdings nur mäßig verlaufen. Das Problem: Arvato leidet unter der schlechten Konjunktur in Deutschland und den USA. In beiden Ländern erwirtschaftet die Bertelsmann-Tochter knapp 60 % ihres Umsatzes.

Insbesondere das lukrative Pressen von CD?s läuft längst nicht mehr so gut wie in den 90er Jahren. Im letzten Jahr brach die CD-Produktion um rund 8 % ein. "Seit drei Jahren ist das CD-Geschäft unter Druck", räumt Ostrowski ein. Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

Arvato sucht daher für seine für die CD-Herstellung zuständige Tochter Sonopress einen Partner. Mit mehr als drei Millionen CD-, CD-Rom- und DVD-Titeln pro Tag gehört Sonopress weltweit zu den führenden Medienvervielfältigern.

Ein Einstieg der kanadischen Speichermedien-Gruppe Cinram war aber erst im April gescheitert. Ostrowski lässt sich aber nicht entmutigen: "Wir wollen einen Partner. Jeder spricht derzeit mit jedem in der Branche", sagt er trotzig. Eine schnelle Lösung des Problems sieht er aber nicht.

An der Produktion von Speichermedien will Arvato grundsätzlich festhalten. "Wir wollen vom Boom der DVD profitieren". Der Weg dahin ist aber noch weit: Im letzten Jahr produzierte Arvato 680 Mill. CD?s, aber nur 120 Mill. DVD?s. Vor wenigen Wochen sagte Ostrowski vor Betriebsräten, dass die Produktionskapazität innerhalb von fünf Jahren auf rund 500 Mill. DVD?s im Jahr gesteigert werden müsse.

Fraglich ist nur, ob Arvato hier nicht schon zu spät ist: Ob der Boom der DVD weiter anhält, ist in der Branche umstritten. Denn über immer schnellere Internetzugänge können Filme auch online heruntergeladen werden. In den USA gibt es seit November bereits die erste Videothek im Web.

Setzt sich der Online-Vertrieb schnell durch, könnte auch der Boom der DVD schnell ein Ende haben. Doch noch spricht alles für die DVD. Der Absatz der Film-Silberlinge steigt weiter deutlich. Allein in den ersten drei Monaten des Jahres wurden in Deutschland DVD?s für fast 200 Millionen Euro verkauft - ein Plus von 30 %, berichtete kürzlich der Bundesverband Audiovisuelle Medien.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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