Neues China-Joint-Venture angekündigt
Cyberworks investiert in Internet-TV

Asiens Internet-Star Richard Li ist in die Kritik geraten. Der Aktienkurs ist in wenigen Wochen um 40 Prozent eingebrochen. In den nächsten Monaten will Li 700 Millionen Dollar in ein bisher erfolgloses Internet-TV-Projekt NOW investieren. Spötter übersetzen NOW mit "No one watches" (Niemand sieht zu). Über den Stand eines Joint-Ventures mit dem australischen Telekommunikationskonzern Telstra machte Li keine Angaben.

HONGKONG. Im vergangenen Monat sah das Internet-Unternehmen Pacific Century Cyberworks (PCCW) 40 % seiner Marktkapitalisierung in Rauch aufgehen. Die Aktie sackte auf rund neun HK $ ab. So wurde der Auftritt von PCCW-Chef Richard Li bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen mit Spannung erwartet. Aber außer wenig aussagekräftigen Halbjahreszahlen hatte der Shooting-Star unter Asiens Internet-Unternehmern wenig zu bieten.

Vor der Fusion mit dem Telefon-Konzern Cable & Wireless HKT fuhr PCCW einen Verlust von 35 Mill. HK$ ein. Hauptgrund: eine Teil-Abschreibung von 222 Mill. der 1,16 Mrd. HK$, die PCCW für die 28,5 Mrd. US$ teure Übernahme an Beratungsgebühren zu zahlen hat.

Für das erste Halbjahr legte PCCW auch ungeprüfte Zahlen für die übernommene Telefongesellschaft C&W HKT vor. Deren Betriebsergebnis verschlechterte sich von 4,34 Mrd. HK$ auf 4,196 Mrd. HK$. Insgesamt konnte C&W HKT seine Umsätze um 1,3% auf 14,138 Mrd. HK$ erhöhen.

Investoren erfahren wenig Neues

Analysten messen der Zwischenbilanz des kaum ein Jahr alten Unternehmens wenig Bedeutung zu. Sie hatten auf Informationen über die sich in der Schwebe befindlichen Joint Ventures mit Australiens Telekom-Riesen Telstra gehofft. Sie sollen PCCWs Schuldenlast von rund 12 Mrd. US$ um 3 Mrd. US$ erleichtern. Australische Zeitungen hatten berichtet, Telstra erwäge, die Deals über ein Mobilfunk-Joint-Venture und eine Zusammenarbeit im IP-Backbone-Geschäft nachzuverhandeln oder gar platzen zu lassen. Lis einziger Kommentar: Die Verhandlungen mit Telstra stünden kurz vor dem Abschluss. PCCW versuche, den bestmöglichen Deal zu erreichen.

Investoren verlangen außerdem Klarheit über das massive Überangebot von Aktien, das wie ein Damoklesschwert über dem PCCW-Kurs hängt. Denn die ehemalige C&W HKT Mutter, die britische Cable & Wireless (C&W), hält auch nach dem Verkauf von 4,9 % ihres PCCW-Anteils letzte Woche noch 14,2%. Und es wird allgemein erwartet, dass die Briten ihre Beteiligung so schnell wie möglich zu Barem machen. Lis Kommentar: Sein Unternehmen suche nach strategischen Investoren für das Paket und hoffe, C &W selbst als langfristigen Aktionär zu gewinnen. Beide Möglichkeiten beurteilen viele Analysten jedoch skeptisch.

Internet-TV lässt China nur in Hotels und Botschaften zu

Nur was die Strategie für den wegen seiner enttäuschenden Inhalte stark in die Kritik geratenen Internet-TV-Kanal NOW angeht, wurde Li konkreter: In PCCWs Kerngeschäft, das das Unternehmen zu Asiens führendem Anbieter von Online-Unterhaltung machen soll, will Li bis nächstes Jahr 700 Mill. US$ investieren. Bislang hat das Projekt 150 Mill US$ gefressen. Spötter übersetzen NOW mit "No one watches" ("Nie-mand sieht zu"). Das soll sich ändern, wenn im kommenden Jahr lokale Inhalte auf Chinesisch und Japanisch dazukommen. Aber kaum ein Chinese wird NOW sehen können: Das Unternehmen verkündete gestern, es habe soeben "begrenzte Senderechte" für das Land der Mitte erhalten: NOW wird nur in Hotels, Botschaften und Ausländer-Wohngebieten zu empfangen sein.

Die düsteren Wolken, die sich über Cyberworks zusammengezogen haben, wird auch ein neues China-Joint-Venture nicht schnell auseinan-dertreiben: PCCW kündigte gestern an, für 25 Mill US$ einen 38,7%-Anteil an einem Gemeinschaftsunternehmen mit dem Mobilfunkkonzern China Unicom und der Marketingfirma R.H. Donnelley zu übernehmen. Zusammen wollen sie den noch kaum entwickelten Markt für Gelbe-Seiten-Telefonbücher in China, Taiwan und Hongkong aufrollen. Die Übernahme von HKT zu einer Zeit, da die PCCW-Aktie mehr als doppelt so viel wert war wie heute, erweist sich derzeit als Rettung: HKT gebe dem fusionierten Unternehmen die Basis, erklärte Li gestern. Der enorme Cash-Flow unterscheide Cybwerworks von anderen Internetunternehmen. Der Cash-Flow ermögliche es, teuere Expansionspläne zu finanzieren.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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