Neues Eiskunstlauf-Wertungssystem
Preisrichter endlich von Druck befreit

Neun Monate nach dem olympischen Paarlauf- Skandal mischt ein neues Wertungssystem die Eiskunstlauf-Welt auf. Statt wie bisher neun Preisrichter mit einer klaren Länderzugehörigkeit gibt es in diesem Winter bei allen internationalen Wettbewerben nur noch eine anonyme Jury.

HB/dpa GELSENKIRCHEN. In der Regel werten bis zu 14 Fachleute, aber nur neun werden per Zufall von einem Computer ausgewählt. Die Folge: Der Druck auf die Preisrichter sowohl vom Publikum als auch der Verbände im Hintergrund fällt weg.

"Das neue System macht uns freier, wir können werten, was wir sehen, und müssen uns nicht nach außen rechtfertigen und erklären", sagt Volker Waldeck, Präsidiumsmitglied der Deutschen Eislauf-Union (DEU) und Preisrichter, am Rande des Grand Prix in Gelsenkirchen. Das hat schon bei den ersten Wettbewerben in den USA und Kanada dazu geführt, dass sich besonders im Eistanzen die jahrelang fest zementierte Reihenfolge ungewöhnlich stark veränderte.

"Wir dachten, das sei ein Druckfehler, als wir gelesen haben, dass die Israelis bei Skate America nur Vierte geworden sind", berichtet Eistänzer René Lohse, der mit Kati Winkler seit Jahren für viele zu Unrecht von Galit Chait/Sergej Sakhnovsky geschlagen wird. Es ergeben sich nun ganz neue Möglichkeiten: Die umstrittenen WM-Dritten aus Israel, für die hinter den Kulissen viel Lobby-Arbeit gemacht worden sein soll, werden plötzlich von aufstrebenden jungen Paaren überholt. "Diese Chance zu mehr Gerechtigkeit können auch wir nutzen, nun gilt es, die Preisrichter auf dem Eis zu überzeugen", sagt die Olympia- Achte Kati Winkler.

Die Internationale Eislauf-Union (ISU) will mit der Neuerung vor allem Absprachen und die Blockbildung in einer Jury verhindern. "Vorher war der Druck für viele Preisrichter besonders aus Osteuropa groß, weil sie finanziell von der Unterstützung ihrer Verbände abhängig sind", erzählt Waldeck von den Zwängen vieler Juroren.

Auch die mögliche Bestechung wird erschwert. Denn niemand weiß, welche der 14 Noten in die Wertung einfließt. Auf der Anzeigetafel erscheinen alle. Erst am Jahresende werden die versiegelten Noten kontrolliert. Denn "schwarze Schafe" sollen weiter zur Rechenschaft gezogen werden. "Mit dem Unterhaltungswert fürs Publikum fällt der Buhmann im Preisgericht weg. Dafür konzentrieren sich alle mehr auf die Läufer", glaubt DEU-Präsident Reinhard Mirmseker. Ob es in den kommenden Jahren weitere Reformen gibt und die Note 6,0 abgeschafft wird, soll eine Reihe von Tests in dieser Saison ergeben.

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