Neues Führungsteam gesucht
430 Millionen Euro Bürgschaft für Babcock

Die Verhandlungen um die Rettung des zahlungsunfähigen Maschinenbau-Konzerns Babcock Borsig sind am Freitag trotz Insolvenzantrags unvermindert weiter gegangen. Am Abend sind die Sanierungsgespräche zunächst unterbrochen worden. Die Gespräche sollen aber am Montag fortgesetzt werden.

dpa DÜSSELDORF/OBERHAUSEN. Bund und Land haben nach Zeitungsberichten die Bürgschaftsangebote auf mehr als die Hälfte des benötigten Sanierungsbedarfs von 700 bis 800 Millionen Euro erhöht. Ergebnisse der Krisengespräche unter Federführung von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement werden nicht vor Montag erwartet. Babcock beschäftigt weltweit 22 000 Mitarbeiter, davon 13 000 in Deutschland.

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Inzwischen soll sich Clement mit dem Babcock-Aufsichtsratschef Friedel Neuber um die Zusammenstellung einer neuen Führungsmannschaft für Babcock bemühen. Steag-Chef Jochen Melchior stehe als Nachfolger für den bereits zurückgetretenen Klaus Lederer nicht mehr zur Verfügung.

Der mehr als 100 Jahre alte Traditionskonzern musste in seiner Finanzkrise einen Insolvenzantrag stellen, um dem Vorwurf der Konkursverschleppung zuvorzukommen. Der Rettungsversuch sei aber noch nicht gescheitert, betonte Clement. "Wir gehen bis an die Kante dessen, was wir können." Zu den Chancen für eine Rettung sagte er allerdings einschränkend: "50:50 ist sehr positiv gedacht". Schröder nannte in Berlin keine Größenordnung für eine Beteiligung des Bundes.

Die Mitarbeiter sollen Anfang kommender Woche erstes Insolvenzgeld vom Arbeitsamt erhalten, berichteten unterdessen die Beschäftigten nach einer Betriebsversammlung. Ein Anwalt informierte die Belegschaft über den Ablauf eines Insolvenzverfahrens.

Die Belegschaft des angeschlagenen Energietechnikunternehmens Babcock Borsig wird zur Sanierung des Konzerns einen weiteren Beitrag leisten. Die in der vergangenen Woche vereinbarte Frist für das Sparpaket der Arbeitnehmer werde um neun Monate bis zum September 2004 verlängert, hieß es am Freitag beim Betriebsrat des Konzerns in Oberhausen. Die Summe, die Babcock hierdurch einsparen werde, wurde zunächst nicht beziffert.

Ursprünglich war vereinbart worden, dass die Arbeitnehmer durch Verzicht auf Tariferhöhungen und Kürzung der Wochenarbeitszeit um eine Stunde insgesamt bis Ende 2003 Einsparungen von 50 Millionen Euro leisten werden.

In Briefen an die Banken habe Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) in Abstimmung mit Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) an die Bankenchefs appelliert, Vertrauen in die Zukunft von Babcock zu setzen. Mit den Bürgschaftszusagen von insgesamt 430 Millionen Euro liege ein "tragfähiges und weitgehend von Bund und Land abgesichertes Finanzkonzept vor". Für die Rücknahme des Insolvenzantrages sei die Zustimmung aller beteiligten Banken notwendig.

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