Neues Gerangel um Pro Sieben Sat 1
Finanzinvestor Permira will Haim Saban ausstechen

Das Interesse an Deutschlands größtem TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 Media flammt wieder auf. Nach US-Investor Haim Saban, der ein neues Angebot vorbereitet, plant nun auch die britische Investmentgesellschaft Permira den Einstieg bei dem Münchener TV-Konzern. "Wir sind interessiert. Zusammen mit unserem Investment bei Premiere könnten sich viele Synergien ergeben", hieß es gestern in Unternehmenskreisen.

DÜSSELDORF. Permira hatte im April aus dem Kirch-Imperium das hoch verschuldete Bezahlfernsehen Premiere übernommen. Im Juni hatte die Londoner Beteiligungsfirma mit anderen Finanzinvestoren vom italienischen Telekomriesen Telecom Italia die Gelbe-Seiten-Sparte Seat Pagine Gialle erworben.

Permira würde damit in Wettstreit mit dem amerikanisch-israelischen Medienunternehmer Saban treten, der derzeit einen zweiten Anlauf unternimmt, den Fernsehkonzern mit seinen vier Sendern Pro Sieben, Sat 1 , Kabel 1 und N 24 unter seine Kontrolle zu bringen. Ähnlich wie Saban ist Permira ausschließlich an den TV-Kanälen interessiert und nicht an der Filmbibliothek, die derzeit abgewickelt wird. Um die Bewertung des Filmrechtestocks hatte es immer wieder Streit gegeben.

Im Kern geht es nun um 72 % der Stammaktien von Pro Sieben Sat 1. Permira will sich bei einem möglichen Gebot - ähnlich wie beim Erwerb der Gelben Seiten in Italien Partner - suchen. "Den Deal kann keiner alleine machen", sagte gestern ein Branchenkenner in Frankfurt.

Permira würde den Kauf des Aktienpakets aus einem laufenden Fonds mit einem Volumen von 3,5 Mill. Euro finanzieren. Die Investmentgesellschaft verlässt sich bei einem möglichen Angebot vor allem auf den Premiere-Chef und Ex-Pro-Sieben-Boss Georg Kofler. Als möglich gilt, dass neben Saban und Permira weitere Finanzinvestoren auf den Plan treten. Die Sender-Gruppe würde etwa eine Milliarde Euro kosten.

Die Gläubigerbanken von Kirch Media - Hypo-Vereinsbank, Commerzbank, DZ Bank und Bayern LB - sind allerdings skeptisch. Derzeit liege noch kein neues Angebot auf dem Tisch, hieß es in Bankkreisen. Man werde sich auch nicht auf einen neuen monatelangen Preispoker einlassen. "Da muss jetzt schnell jemand Geld auf den Tisch legen", hieß es. Eigentlich wollte Insolvenzverwalter Michael Jaffé den TV-Konzern zunächst zwei Jahren sanieren.

Beim Miteigner von Pro Sieben Sat 1, dem Axel-Springer-Verlag, stößt der neue Anlauf des Milliardärs Saban dagegen auf ein positives Echo. "Eine dauerhafte Lösung mit einem international erfahrenen Medienunternehmer wie Saban ist glücklicher als die bisherige Bankenlösung", hieß es gestern in unternehmensnahen Kreisen. Auch die Chemie zwischen Saban und Springer-Chef Mathias Döpfner stimmt offenbar.

Springer hat sich mit der Kirch-Media-Führung weitgehend geeinigt. Europas größter Zeitungskonzern hält derzeit 11,48 % an der Pro Sieben Sat 1 Media AG. Dieser Anteil soll um 2,1 % steigen - dafür muss Springer auf das Vorverkaufsrecht (Put-Option) verzichten, das dem Verlag erlaubt, die 11,48 % für 767 Mill. Euro an Kirch Media zu verkaufen. Unterschrieben sei aber noch nichts, heißt es in Unternehmenskreisen. Springer lehnte gestern eine Stellungnahme ab. Die Pro-Sieben-Sat1-Aktie fiel gestern auf 7 Euro.

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