Neues Internet-Portal auf dem Handy-Display
Vodafone will Boden für UMTS bereiten

Einige Konkurrenten waren schon Wochen im voraus nervös. Das neue Internet-Portal für das Mobiltelefon "Vodafone live" war das beherrschende Thema in der Branche. Der britische Mobilfunker Vodafone hatte es als "Zukunft des mobilen Multimedia, die neue Kommunikationswelt" angekündigt.

and/slo LONDON/DÜSSELDORF. Am Donnerstag war es soweit: Der Weltmarktführer im Mobilfunk stellte "Vodafone live" europaweit vor - eine Mischung aus Informations- und Unterhaltungsdiensten, Spielen und der Möglichkeit, Schnappschüsse zu verschicken (kurz MMS genannt). Neu sind diese Angebote nicht, die Sorgen der Konkurrenz waren daher unbegründet, bieten einige von ihnen doch selbst bereits MMS und eine Fülle mobiler Internetinhalte an. Neu ist aber die große Marketing-Kampagne, die die Briten jetzt starten, um "Vodafone live" an den Mann zu bringen. Allein 100 Mill. Euro lässt sich Vodafone die Werbung für das neue Portal in den kommenden Monaten kosten.

Neu ist auch, dass Vodafone eigens Mobiltelefone bei Sharp, Panasonic und Nokia herstellen ließ und diese jetzt unter eigenem Namen vermarktet. Der Vorteil: Das Menü der Handys ist speziell auf "Vodafone live" abgestimmt - das soll die Bedienung vereinfachen. All der Aufwand dient nur einem Ziel: "Die Kunden sollen öfter und vor allem länger zum Handy greifen", sagt Jürgen von Kuczkowski, Chef der deutschen Vodafone-Tochter.

Die Anbieter müssen künftig die Durchschnittsumsätze der Kunden steigern, um zu wachsen und damit auch die hohen Investitionen für die neuen UMTS-Mobilfunknetze wieder hereinzuholen. Sie müssen die Handy-Besitzer daher vom Nutzen aller Dienste überzeugen, die nichts mit dem reinen Telefonieren zu tun haben. Denn das Wachstum über das Anwerben neuer Kunden ist nur noch eingeschränkt möglich, weil in Westeuropa etwa 70 % der Bevölkerung bereits ein Handy haben.

Mit Hilfe von "Vodafone live" will der britische Konzern seine Umsätze mit Datendiensten deutlich erhöhen. Heute liegt der Anteil der mobilen Internet-Dienste am Umsatz bei etwa 15 %, in rund drei Jahren soll er laut Vodafone-Chef Chris Gent bei 20 % liegen.

Mobile Daten-Dienste, das sind heute in der Regel kurze Textnachrichten, die so genannten SMS. Als künftigen Umsatztreiber haben Marktforscher MMS ausgemacht - um Fotos erweiterte Kurznachrichten. Die will Vodafone offenbar in erster Linie pushen. Alle Handys für "Vodafone live" sind mit einer Kamera ausgestattet. In Deutschland haben bisher nur Vodafone und T-Mobile, die Tochter der Deutschen Telekom, MMS eingeführt. Die kleineren Konkurrenten E-Plus und O2 wollen diesen Dienst erst in den nächsten Monaten einführen.

Allein in Deutschland sollen 100 000 der "Vodafone-live"-Geräte im Weihnachtsgeschäft über den Ladentisch gehen. Die Handys kosten zwischen 250 und 300 Euro, wenn der Kunde einen zweijährigen Vertrag bei Vodafone abschließt. Bis Ende März nächsten Jahres will der Konzern in Europa insgesamt mehr als eine Million dieser Mobiltelefone verkaufen. Ein eher verhaltenes Ziel, heißt es in einem Analystenbericht von Goldman Sachs. Die Experten erklären dies mit möglichen Engpässen bei der Lieferung der Geräte sowie technischen Problemen, die sich am Anfang ergeben könnten.

Ein Hürde für den Kauf eines Vodafone-Handys könnten auch die hohen Preise für die Dienste sein. So kostet beispielsweise ein Spiel einmalig etwa 3,50 Euro plus die Kosten für das Herunterladen aus dem Netz. "Wir arbeiten daran, dass es günstiger wird", heißt es dazu in Unternehmenskreisen.

Die große Marketing-Offensive von Vodafone bringt die Konkurrenten nach Ansicht von Analysten möglicherweise in Zugzwang. "Da werden sich einige Wettbewerber überlegen müssen, ob sie die eigenen Multimedia-Angebote jetzt aggressiver bewerben", sagt Frank Rothauge, Analyst bei der Privatbank Sal. Oppenheim. Das gelte vor allem für E-Plus. Die deutsche Tochter der niederländischen KPN hat im Frühjahr neue mobile Internet-Dienste unter dem Namen I-Mode gestartet. Bisher hat E-Plus jedoch weniger als 100 000 Kunden dafür gewonnen.

Quelle: Handelsblatt

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