Neues IPO-Segment im Freiverkehr geplant – Gute Erfolge mit Quality Trading
Börse Düsseldorf erweitert Angebot für Privatanleger

Lange Zeit vernachlässigt, ist er nun heiß umworben: der deutsche Privatanleger. Die Düsseldorfer Börse hat die private Kundschaft bereits seit einiger Zeit im Blick und ist damit gut gefahren. Bereits Ende November übertraf sie den Gesamtumsatz des Vorjahres.

DÜSSELDORF. In dem Segment soll jungen Unternehmen unter strengen Regeln der Gang an die Börse ermöglicht werden, erklärte Geschäftsführer Dirk Elberskirch im Gespräch mit dem Handelsblatt. Bereits vor eineinhalb Jahren seien dafür regulatorisch die Voraussetzungen im Freiverkehr geschaffen worden.

Zu den Qualitätsanforderungen des Düsseldorfer Freiverkehrs zählen u.a. ein Verkaufsprospekt nach den Vorschriften des Verkaufsprospektgesetzes, die Veröffentlichung regelmäßiger Zwischenberichte oder auch die Verpflichtung der Altaktionäre, ihre Aktien mindestens sechs Monate zu halten. In dem neuen IPO-Segment innerhalb des Freiverkehrs, das bislang namenlos ist, wird die Latte - nicht zuletzt unter Anlegerschutzgesichtspunkten - laut Elberskirch noch etwas höher gelegt:

- Es wird kein Mindestalter für das Unternehmen vorgeschrieben;
- Kapital von mind. 250 000 Euro , erforderlich sind 100 000 Aktien;
- ausreichende Streuung der Aktien (mindestens 20 %);
- Publizitätspflichten: Unternehmenskalender, Ad-hoc-Meldungen, Zwischenbericht, Quartalsbericht, Offenlegung des Anteilsbesitzes von Aufsichtsrat und Vorstand;
- die Verpflichtung zur Einhaltung der Grundsätze zur Zuteilung von Neuemissionen an Privatanleger;
- einmal jährlich die Erstellung einer Research-Studie durch einen unabhängigen Analysten;
- Altaktionäre müssen die Aktien 18 Monate halten; und
- eine Betreuerpflicht durch den Emissionsbegleiter - dies wird zurzeit noch diskutiert.

Das neue Freiverkehrssegment ist, wie Elberskirch weiter ausführte, für spekulativer eingestellte Anleger interessant. Es ist eben trotz der strengeren Regelungen "kein kleiner amtlicher Handel", sagte der Geschäftsführer. Anleger müssten also bedenken, dass sich in der Frühphase eines Unternehmens zwar mehr Chancen, allerdings bei höheren Risiken böten. Das IPO-Segment soll aber nicht als Konkurrenz zum Neuen Markt verstanden werden.

"Wir versuchen keinen zweiten Neuen Markt aufzubauen", sagte Elberskirch. Er versteht die Börse als "Dienstleister für Unternehmensfinanzierungen". Das neue Segment sieht er als Fortführung und Komplettierung der bisherigen Tätigkeiten der Börse Düsseldorf mit den "Business Angels" und der Vermittlung von Venture Capital über die Gesellschaft Win an.

Einige der Düsseldorfer Makler hätten inzwischen Vereinbarungen mit Unternehmen für einen Börsengang abgeschlossen. Konkret sei für das erste Halbjahr 2001 die Einführung von vier Aktien in dem neuen IPO-Bereich geplant. Dazu gehörten sowohl Unternehmen des Technologiebereichs, aber auch "bodenständigere" Gesellschaften, die Elberskirch namentlich noch nicht nennen wollte. Ebenfalls im ersten Halbjahr wird die Börse Düsseldorf selbst in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Das Going Public macht laut Elberskirch für die Börse aber zurzeit "überhaupt keinen Sinn".



Gesamtumsatz von 1999 wurde bereits übertroffen

Die strategische Fokussierung auf den Anleger spiegelt sich auch in den Umsätzen wider. Der Gesamtumsatz lag mit 267,62 Mrd. Euro bereits zum 30. November um 11,02 Mrd. Euro über dem Vorjahresergebnis. Das Umsatzergebnis wertet die Börse auch als Erfolg ihres vor einem Jahr eingeführten Quality Tradings. Dies ist eine Selbstverpflichtung der Düsseldorfer Maklerschaft und umfasst neben der Orderbearbeitung innerhalb von zwei Minuten eine ständige Liquiditätssicherung und eine faire Preisfeststellung. Laut Elberskirch wird das Leistungsangebot gut von den Anlegern angenommen. Mitte Januar soll ein überarbeiteter Katalog zum Quality Trading vorgelegt werden.

Düsseldorf ist neben Frankfurt nach eigener Einschätzung der einzige deutsche Börsenplatz, der ein deutliches Umsatzplus zu verzeichnen hat. Nicht gerade mit Sorge, aber doch aufmerksam verfolgt Elberskirch daher das noch recht frische Werben der Frankfurter um die Privatanleger. Klar ist für ihn: "Der Wettbewerb wird auf jeden Fall härter", nicht zuletzt auch, weil alternative Handelssysteme weiter auf dem Vormarsch sind. Bereits heute kämen 25 bis 30 % der Privatanleger über den Online-Bereich. Regional gesehen sei der Platz schon irrelevant geworden. Die Börse Düsseldorf plant ebenfalls den Ausbau ihres Internet-Auftritts, allerdings nur zu Informationszwecken.

Auf große Resonanz sind auch die Anlegerseminare der Börse gestoßen. Ab 2001 finden Seminare nicht nur in Düsseldorf statt, sondern u.a. auch in Frankfurt/Main, Berlin und Köln. Das erste Düsseldorfer Seminar dreht sich am 11. Januar um das Thema Neuemissionen: Marktsegmente und vorbörslicher Handel.

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