Neues Jahrestief
Crash am Neuen Markt

Die deutschen Wachstumswerte im Nemax 50 verloren bis Börsenschluss 7,69 Prozent. Negative Impulse von der Wall Street beschleunigten die Talfahrt. Auffällig war, dass sich auch die Index-Schwergewichte wie Intershop, Broadvision, T-Online und EM.TV dem Abwärtstrend nicht entziehen konnten. Kommentar: Keine Lust mehr

rtr/dpa-afx FRANKFURT. Der Frankfurter Neue Markt ist am Montag auf ein neues Jahrestief gefallen und wurde dabei nach Angaben von Händlern vor allem von den sehr schwachen US-Vorgaben und einer negativen Gesamtstimmung am Markt belastet.

Der Nemax 50 (Performance-Index) verlor 7,69 % auf 3 767,76 Zähler - ein neues Schluss-Jahrestief. Das lag bis dato bei 3 993,16 Punkten. Nicht viel besser sah es beim alle Werte umfassenden Nemax All-Share (Performance-Index) aus. Er schloss mit einem Minus von 7,63 % auf 3 561,93 Punkte. Auch dies ein neues Schluss-Jahrestief.

Bereits von Handelsbeginn an setzte sich an diesem Montag die Talfahrt am Neuen Markt fort. Am frühen Nachmittag belasteten die schlechten Vorgaben aus den USA den Wert zusätzlich. Denn die US-Technologiebörse Nasdaq rutschte gleich zum Auftakt unter die psychologisch wichtige 3 000-Punkte-Marke und sank damit ebenfalls auf ein neues Jahrestief.



Ausverkauf am Neuen Markt

Derzeit werde fast schon panikartig verkauft, sagte ein Händler eine Privatbank. Vor allem die institutionellen Anleger würden im großen Stil aussteigen. Das Nachsehen hätten viele Kleinanleger. "Viele verbrennen sich jetzt die Finger", so ein Händler. Für das laufende Jahr erwarte er keine wesentliche Besserung mehr. Frühestens Anfang kommendes Jahres sei mit einem Aufwärtstrend zu rechnen.

Die Schwäche traf die Indexschwergewichte über Branchen hinweg: Intershop gaben rund 7,35 Prozent auf 43,10 Euro nach, Broadvision fielen 8,7 Prozent auf 33,96 Euro und T-Online 4,6 Prozent auf 19,65 Euro, nachdem sie zuvor auf ein Jahrestief von 18,56 Euro gefallen waren. Die Aktien des Medienkonzerns EM.TV hatten ebenfalls ein Jahrestief von 24,32 Euro erreicht und schlossen mit Verlusten von 4,5 Prozent bei 25,80 Euro.

Gerüchte um neue Todeslisten

Die Euphorie am Neuen Markt sei jedenfalls verflogen. Nun stehe alles im Zeichen der Marktbereinigung. Für Verunsicherung sorgen die vielen negativen Unternehmensnachrichten, zudem kursierten offenbar wieder so genannte "Todeslisten", hieß es an der Börse. "Momentan will jeder nur verkaufen", sagte ein Händler, der den Kursrutsch als Übertreibung nach unten bewertet. "Die Stimmung ist sehr, sehr nervös", sagte ein Händler. Solange sich dies nicht durch positive Unternehmensnachrichten oder gute Vorgaben aus den USA ändere, sei eine Prognose über ein Ende des Abwärtstrends verfrüht.

Technisch betrachtet sei im Nemax-50-Index für die nächsten Tage der Weg frei für einen Fall auf 3 270 Punkte, sagte Michael Riesner, technischer Analyst bei der DG Bank. Derzeit erlebe man einen Panikausverkauf im Rahmen eines Salami-Crashs. Unter kurzfristigen Gesichtspunkten werde die Marke bei 3600 Stellen halten. Bis Ende der Woche könnten sich sogar wieder strategische Kaufgelegenheiten bieten. Der Markt sei einfach überverkauft.

Discountbroker im Ausverkauf

Deutliche Verluste mussten am Montag die Aktien der deutschen Online-Broker hinnehmen. Consors büßten 16,12 % auf 68,41 Euro ein. Phasenweise rutschte der Kurs auf 65,20 Euro ab und lag damit unter dem Schluss-Jahrestief, das bei 67,22 Euro liegt. Zum Handelsende erholte sich der Kurs jedoch wieder etwas. Consors hatte vor Börsenstart seine Neun-Monats-Zahlen vorgelegt. Sie lagen nach Aussage von Volker von Krüchten, Bankanalyst der BHF-Bank, im Rahmen der Erwartungen. Vielmehr sei das schlechte Marktumfeld für Discount-Broker für den Fall der Aktien verantwortlich. Der Sektor sei überbewertet.

Die schlechte Marktstimmung bekamen auch Comdirect zu spüren. Das Papier verlor 9,69 % auf 26m18 Euro.

Die Direkt Anlage Bank ist der dritte am Neuen Markt notierte Online-Broker. Auch dieser Wert stand stark unter Druck und gab 4,27 % auf 43,70 Euro ab.

Zu den wenigen Werten die zumindest einen guten Start hatten, gehört Kinowelt Medien. Ende vergangener Woche hatten Gerüchte über angebliche Liquiditätsprobleme den Titel unter Druck gesetzt, am Montag nun gab es erst ein deutliches Plus, ehe auch Kinowelt einbrach und am Ende 2,86 % auf 19,33 Euro verlor. Die Kinowelt Medien Gruppe hatte am Morgen eine Beteiligung von 25,2 % an acht Multiplex-Kinocentern bekannt gegeben.

Zu den wenigen Gewinnern zählten am Montag ausgerechnet Fortune City mit einem Plus von 35,0 Prozent auf 2,16 Euro. Das Unternehmen hatte am Morgen seine Neun-Monats-Zahlen veröffentlicht. Demnach wurde der Verlust im Vergleich zum Vorjahr von 15,5 Mill. auf 7,7 Mill. $ zurückgefahren. Händlermeinungen zufolge, sei der Kursanstieg allein durch diese Zahlen nicht zu rechtfertigen. Vielmehr handele es sich beim FortuneCity weiterhin um ein "Zockerpapier".

Einen herben Einbruch erlebte die Atoss Software AG . Der Münchner Software-Entwickler hatte am Freitag nach Börsenschluss eine Gewinnwarnung ausgegeben. Die Aktie verlor 45,57 Prozent auf 16,90 Euro. "Da läuft ein großes Verkaufsprogramm ab ", sagte ein Münchner Händler. Gewinnwarnungen würde zur Zeit äußerst negativ aufgenommen.

Eine Berg- und Talfahrt erlebten Amatech. Am Morgen hatte das Unternehmen einen Großauftrag aus Russland verkündet. Die Aktie stieg an, verlor dann aber am Nachmittag ebenfalls und notierte am Abend mit einem Minus von 5,33 Prozent bei 22,20 Euro

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